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Sein neues Album entstand im aufgepeppten Heimstudio

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Von: Katrin Eva Walter

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Helt Oncale in seinem Heimstudio in Bremthal, wo er auch größtenteils sein neues Album aufgenommen hat.
Helt Oncale in seinem Heimstudio in Bremthal, wo er auch größtenteils sein neues Album aufgenommen hat. © Katrin Walter

Die Hochzeiten der Pandemie waren auch für den Bluesmusiker Helt Oncale schwierig. Zwei Stipendien halfen ihm jedoch bei seinen Projekten.

Bremthal -Ob Gitarre, Banjo, Geige oder Mandoline - Saiteninstrumente sind die Leidenschaft von Helt Oncale. Als Bluesmusiker verdient er schon seit vielen Jahren seinen Lebensunterhalt und hat sich in Eppstein und Umgebung einen Namen gemacht. Die Coronapandemie hat auch ihm zugesetzt: Davor hatte er nach eigener Aussage etwa 120 bis 140 Auftritte im Jahr. Im Frühjahr 2020 ging plötzlich nichts mehr. "Ich habe das Beste daraus gemacht." Er hatte Zeit zum Radfahren und Songsschreiben. Zwei Stipendien halfen ihm immerhin in den vergangenen beiden Jahren, sein Heimstudio aufzupeppen und ein Album zu produzieren.

Drums in der Sauna aufgenommen

So entstand vor kurzem die CD mit dem Titel "Voodoo Woman Mystery", die er mit dem Betrag finanzierte, die er von der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) bekommen hat. Die Gesellschaft schüttet Gelder an Künstler aus - und vergibt eben auch Stipendien.

Mit einem weiteren Stipendium, das Oncale im vergangenen Jahr von der Hessischen Kulturstiftung erhalten hat, kaufte er neue Boxen für sein Heimstudio und ein besseres Aufnahmeprogramm für den Computer. Nur die Drums für sein neues Album musste er woanders aufnehmen: in der Sauna eines Freundes.

Für die Förderungen ist er sehr dankbar, denn die Zeiten, in denen wegen der Pandemie vieles nicht möglich war, waren zäh. Onlinekonzerte seien nicht sein Ding, sagt er. "Da geht die Stimmung verloren." In diesem Jahr gibt es zwar wieder mehr Auftritte - er reist dafür in der Regel bis nach Österreich, Polen, Italien, in die Niederlande und die Schweiz. Konzerte sind aber auch unsicherer, weil die Veranstalter sie häufig auch einfach mal kurzfristig absagen.

In New Orleans aufgewachsen

Zwar lebt Oncale seit 1998 in Bremthal, wo er sich wohlfühlt und gerne Radtouren durch den Taunus macht, aber als "Bremthaler Musiker" möchte er gar nicht so gerne bezeichnet werden. Schließlich stammt er aus New Orleans, und auch seine Musik ist Louisiana pur. In dem US-amerikanischen Staat entwickelte sich eine Musik, welche die verschiedenen Kulturen der Einwanderer miteinander verschmelzte. Oncales Vater arbeitete in den Zuckerrohrfeldern und sprach noch Cajun-Französisch, seine Mutter stammt aus einer italienischen Siedlung.

Seine erste Gitarre hat er als Jugendlicher zu Weihnachten bekommen und sich das Spielen selbst beigebracht. Noten lesen hat er nicht gelernt, aber ein Lehrer habe ihm beigebracht, wie man Dinge, die man hört, nachspielt. Mit 18 zog es ihn in die Bars von New Orleans, wo er bald regelmäßige Auftritte bekam, erzählt er. Musik zu studieren, das war damals "nicht in meinem Kopf", also schrieb er sich in Thibodaux für Wirtschaft ein. Dorthin sei er gekommen, weil er nicht nur als Musiker, sondern auch als Sportler talentiert war: Er stieg in die Mannschaften für Basket- und Baseball ein.

Musik hat keine große Lobby

Dass er mit Musik sein Geld verdient, hat sich ergeben. Genau wie sein Umzug nach Deutschland. Oncale ist mit einer Deutschen verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Er lernte sie in New Orleans kennen, als sie dort an einem Austauschprogramm während ihres Jura-Studiums teilnahm. 1988 kam er mit ihr nach Köln - auch deshalb, weil er unbedingt Europa sehen wollte. Er lernte Deutsch und machte weiter Musik, wodurch er den luxemburgischen Country-Musiker Buffalo C. Wayne kennenlernte. Dass jemand die "Fiddle" beherrschte, war damals selten, und so landete Oncale in der Band von Tom Astor, mit dem er von 1990 bis 1995 auf Tour ging und im Fernsehen auftrat. Später gründete er seine eigene Band und seine Frau bekam einen Job bei Steigenberger in Frankfurt, so landete Oncale zunächst in Bad Soden, dann in Eppstein und schließlich in Bremthal.

In den USA hätte er womöglich mehr Live-Auftritte, vermutet er, aber in Hochzeiten der Pandemie hat er sich in Deutschland sicherer gefühlt. Schade findet er, dass Musik hierzulande keine große Lobby habe - im Gegensatz zu Fußball zum Beispiel.

Regelmäßige Auftritte in Frankfurt

Inzwischen tritt Helt Oncale regelmäßig mit Keyboarder Wolf Dobberthin unter dem Namen New Orleans Dudes oder mit Zydeco Annie & Swamp Cats auf. 2005 gründete er die Texas House Band, ein weiteres Projekt ist The International Cajun Trio. Am Freitag, 22. Juli , ist er mit John McCullough live im Biergarten der Eppsteiner Wunderbar Weiten Welt , Am Stadtbahnhof 1, ab 18 Uhr zu sehen und zu hören, Eintritt frei. Mit Zydeco Annie ist er am 11. August beim Summer in the City in Schwalbach zu Gast. Außerdem tritt er jeden 2. Dienstag im Monat in der Artbar in Frankfurt-Louisa auf. Weitere Termine, Infos und sein neues Album gibt es unter www.helt-oncale.de.

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