Die Integrationskommission (v. links): Erste Stadträtin Sabine Bergold, Christopher Thomas, Hava Yildiz-Müller, Samira Karimi, Gisela Rasper mit Bürgermeister Alexander Simon.
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Die Integrationskommission (v. links): Erste Stadträtin Sabine Bergold, Christopher Thomas, Hava Yildiz-Müller, Samira Karimi, Gisela Rasper mit Bürgermeister Alexander Simon.

Neues Gremium

Sie vertreten nun ausländische Eppsteiner

  • VonKatrin Eva Walter
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Die neue Integrationskommission hat ihre Arbeit aufgenommen. Wir haben die fünf Ehrenamtler nach ihren Beweggründen gefragt, sich dort zu engagieren.

Eppstein -Ob Asylkreis, Kulturkreis oder bei den Burgschauspielern: Samira Karimi engagiert sich in vielen Vereinen in Eppstein und ist schon recht bekannt in der Stadt. Seit fünf Jahren lebt die 19-Jährige in Eppstein. Kurz zuvor war sie mit ihrer Familie aus Afghanistan geflohen. Mit Sorge beobachtet sie, was in ihrem Herkunftsland gerade passiert. Vor kurzem erst hat sie auf einer neuen Schule angefangen, wo sie ihr Fachabitur in Wirtschaftsinformatik machen möchte. Und noch eine neue Aufgabe hat die junge Frau: Sie ist eines von fünf ehrenamtlichen Mitgliedern der neuen Integrationskommission - in der konstituierenden Sitzung wurde sie zur Co-Vorsitzenden gewählt.

Für die Kommission hat sich Karimi beworben, weil sie zum Beispiel viele Familien kennt, die seit Jahren in Unterkünften für Geflüchtete leben. Eine Wohnung oder auch einen Job zu finden, das sei für Ausländer sehr schwierig und müsse einfacher werden.

Vorher kamen keine Wahlvorschläge

Das Gremium, das von den Stadtverordneten gewählt wurde, soll die Interessen von Menschen mit Migrationshintergrund vertreten. Das Land Hessen hat festgelegt, dass jede Kommune mit mehr als 1000 gemeldeten ausländischen Einwohnern ein solches haben muss, sofern es bisher keinen Ausländerbeirat gab. Den hatte Eppstein bisher nicht. Schon vor Jahren hatte die Stadt um Wahlvorschläge für einen solchen gebeten, doch es kamen keine.

Nun hat es aber geklappt. Bewerber mussten volljährig sein und ihren Wohnsitz seit mindestens drei Monaten in Eppstein haben. Abgesehen von Menschen mit ausländischem Pass konnten sich auch Deutsche bewerben, die entweder einen zweiten Pass haben oder die Staatsbürgerschaft in Deutschland erworben haben. Mindestens die Hälfte der Mitglieder muss diesen Hintergrund haben, aber nicht alle.

85-Jährige will sich für Kinder einsetzen

So kommt es, dass auch Gisela Rasper zu dem Gremium gehört. Sie engagiert sich bereits seit sieben Jahren für Mütter, die besser Deutsch sprechen wollen und war insgesamt zwölf Jahre im Magistrat. Die 85-Jährige ärgert sich vor allem, wenn Kinder in der Schule gemobbt werden. Damit sich die Gesellschaft in dieser Hinsicht einmal ändert, möchte sie sich einsetzen.

Auch Nivea Schmidt ist Mitglied in der Kommission. Die 65-Jährige, die aus Brasilien stammt, ist vor allem vielen Bad Sodenern bekannt, weil sie dort bis vor wenigen Monaten noch ihr "Café Blumenau" betrieb. Sie hat früher gerne mit Kindern gekocht. Ihr Ziel ist es, dass eingewanderte Kinder und Jugendliche besser in dem neuen Land ankommen.

Das Leben zwischen zwei Kulturen

Dass "Kinder unsere Zukunft" sind, das ist auch die Meinung von Hava Yildiz-Müller, die als Vierjährige nach Deutschland kam und weiß, wie es ist, in zwei Welten beziehungsweise Kulturen zu leben. Sie beobachtet, dass es noch immer häufig Angst vor dem Fremden gibt, und zwar von beiden Seiten. So würden manche Kulturgruppen kaum miteinander in Berührung kommen. Das soll sich ändern, so die 55-Jährige.

Ein konkretes Thema, an dem er arbeiten möchte, hat Christopher Thomas - einziger Mann in der Runde - noch nicht. Der 48-Jährige möchte mit denen, die es betrifft, zunächst einmal sprechen. "Zuhören ist sehr wichtig", findet Thomas, der aus England stammt und seit vier Jahren in Eppstein wohnt.

Den Vorsitz führt die Erste Stadträtin Sabine Bergold (CDU), die sowohl für Asylangelegenheiten als auch für Soziales zuständig ist. Viermal im Jahr will sich die Integrationskommission treffen, um aktuelle Themen zu besprechen. Und wenn die Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung über Dinge verhandeln, die Ausländer oder Migranten betreffen, müssen sie zuhören, was die Mitglieder der Ausländervertretung dazu sagen.

Ausländer in Eppstein

In der Burgstadt leben 2193 ausländische Personen aus 102 Nationalitäten, wie die Stadt mitteilt. Die Nationalität mit den meisten Einwohnerinnen und Einwohnern ist Kroatien (173 Person). Es folgen mit jeweils mehr als 100 Einwohnern: Syrien (162 Einwohner), Polen (143 Personen), Türkei (138 Personen) und Rumänien (124 Personen). red

Nivea Schmidt

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