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Das Bremthaler Schäferhaus war bis um 1900 bewohnt.

So sah Bremthal früher aus

Vom Sofa aus durch die Ortsgeschichte bummeln

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HISTORIE Mit einem pfiffigem Internetauftritt macht der Heimat- und Geschichtsverein Appetit auf eine amüsante Zeitreise

Bremthal -Das ist ja eine merkwürdige Geschichte, über die man gerne mehr erfahren würde. "Nach einigen Anlaufproblemen führte Heinrich Schäfer einen REWE, später R-Kauf-Laden, mit viel Engagement", heißt es über die Waldallee 65. "Dann brannte es dort, der Brandschaden wurde notdürftig geflickt, doch der Laden hatte einen ,Knacks' bekommen und Heinrich Schäfer verschwand eines Tages."

Womöglich wird es eines Tages dazu weitere Informationen geben. Denn das Projekt stehe erst am Anfang, sagt Helmut Kleindienst, Vorsitzender des Bremthaler Heimat- und Geschichtsvereins. Das gilt für die gesamte neue Internetseite des Vereins, der die Bremthalerin Alena Klug eine moderne Optik verpasst hat und die sich wohltuend unterscheidet von manchen verstaubt wirkenden Internetauftritten anderer Geschichtsvereine. Das gilt aber auch für die interaktive Reise durch Bremthal.

Interaktiver Rundgang mit einem ausgeklügelten Herzstück

Das ist angesichts der Größe des Ortes eher ein Rundgang als eine Reise. Aber es handelt sich um eine nette Möglichkeit, ein wenig in die Geschichte des Ortes einzutauchen - mit ganz modernen Mitteln. Herzstück des interaktiven Rundgangs ist ein Ortsplan. Auf dem Plan sind etwa 30 Stellen markiert, Häuser zumeist. Klickt man sie an, erscheinen Fotos und ein paar Informationen dazu - sofern es ein Bild gibt. Bei der anfangs erwähnten Waldallee 65 liegt kein Foto vor, der Geschichtsverein hofft, dass sich jemand meldet, der ein Bild zur Verfügung stellen kann.

Vom Schäferhaus zum Beispiel gibt es ein Bild. Das stand in der Schäfergasse zwischen den Häusern 11 und 3 - ein sehr bescheidenes Häuschen, bis um das Jahr 1900 vom Schäfer bewohnt. Zuletzt war es Michael Lauer, der erst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges die Schäferei einstellte. Sein Sohn war nach dem Krieg der letzte Bremthaler Schäfer. Er beendete eine Tradition, die auf das Jahr 1784 zurückgeht - damals besaß Bremthal mit 190 Einwohnern 248 Schafe, so dass die Gemeinde einen Schafhirten einstellte. Das Schäferhaus wurde in den 1970er Jahren abgerissen.

Das ehemalige Schul- und Rathaus steht noch

Das ehemalige Schul- und Rathaus der einst selbstständigen Gemeinde Bremthal steht natürlich noch. Die Informationen im virtuellen Ortsrundgang sind freilich etwas dürftig; sie beschränken sich auf den Hinweis, dass 1941 ein Lehrer namens Sahmer wegen Personalmangels an drei Tagen auch noch in Wildsachsen unterrichten müssen. Zu dem Zeitpunkt unterrichtete der zweite Lehrer alleine 120 Bremthaler Schüler.

An dieser Stelle ist sicherlich allerlei nachzutragen über die Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes. Aber das alles muss gemacht werden, und der Geschichtsverein hat eben nicht nur diesen virtuellen Rundgang und überhaupt die ganze Internetseite zu betreuen, sondern auch noch das Museum. "Wir hoffen, dass auch einmal ein paar jüngere Leute sich bei uns engagieren", sagt Vereinschef Kleindienst. Wobei bei den Heimatgeschichtlern alle zu Nachwuchs zählen, die jünger sind als 50 Jahre.

Das kleine Museum des Vereins übrigens ist wegen der Anti-Corona-Maßnahmen zurzeit geschlossen - auch wenn die Wiedereröffnung erlaubt wäre. "Angesichts der geringen Größe können wir nicht mehr als einen Besucher hereinlassen. Das macht wenig Sinn", berichtet Kleindienst. Wer trotzdem etwas in die Bremthaler Geschichte eintauchen will, kann sich stattdessen auf den virtuellen Rundgang begeben.

Besonders nett ist das natürlich, wenn man die Seite auf dem Smartphone aufruft und vor den jeweiligen Häusern die einzelnen Informationen abruft. Dies soll zu einem späteren Zeitpunkt dadurch erleichtert werden, dass sogenannte QR-Codes an den Häusern befestigt werden. Scannt man diese mit dem Mobiltelefon, hat man auch die Informationen auf dem Bildschirm.

Ergänzungen wird es in nächster Zeit vor allem zu den Bremthaler Geschäften geben, mit denen sich der Verein gerade intensiver beschäftigt. Vor allem aber auch Skurrilitäten müssen ihren Platz haben, so wie die Schnapsbrennerei von Alex Ernst in der Wiesbadener Straße. Ernst fuhr den Schnaps zunächst mit einem Pferdefuhrwerk zu den Kunden, was sich offenbar aber gelohnt hat. Denn Ernst war später Besitzer des ersten Autos in Bremthal, eines Opel P4. Manfred Becht

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