Ein Spielplatz wird zum Zankapfel

  • VonManfred Becht
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Die Diskussion um die Senioreneinrichtung in der Müllerwies schlägt hohe Wellen. Bürgermeister Alexander Simon hofft auf mehr Flexibilität.

Dass es Proteste gegen die Idee geben würde, auf dem Gelände des Spielplatzes in der Müllerwies eine Senioreneinrichtung zu bauen, damit habe sie durchaus gerechnet, berichtet Pfarrerin Heike Schuffenhauer. Deshalb habe sie ja schon vor einer Weile die Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung informiert. Dass die Diskussion so heftig geführt würde, überrasche sie schon, sagt Schuffenhauer zum Kreisblatt.

Auch Bürgermeister Alexander Simon wünscht sich eine sachlichere Debatte. Wenigstens in dem Punkt erhofft er sich Fortschritte, wenn es demnächst ein Gespräch mit den Kritikern des Vorhabens gibt. Bereits vorher haben Stadt und Kirche zu Details der aktuellen Diskussion gegenüber dem Kreisblatt Stellung genommen.

Nach den Worten von Pfarrerin Schuffenhauer kann demnach keine Rede davon sein, dass auf dem Gelände an der Müllerwies bis zu 100 Seniorenwohnungen entstehen sollen. Genau diese Zahl wabert durch die Diskussion, aber auch Simon ist überzeugt davon, dass so viele Wohnungen auf dem Gelände gar nicht untergebracht werden können. Genauere Angaben werden aber nicht genannt – und dies scheint noch gar nicht möglich, so lange man nicht weiß, um welche Art von Einrichtung es sich handeln soll. Von anfänglichen Überlegungen, ein Pflegeheim zu bauen, seien die Kirche und Stadt abgekommen, betont Schuffenhauer.

Ersatz ist Pflicht

Bürgermeister und Pfarrerin erklären, dass der Spielplatz nicht ersatzlos geopfert werden soll. „Ohne einen adäquaten Ersatz werden wir den Bebauungsplan nicht ändern“, sagt Simon. Adäquat heißt, dass ein neuer Spielplatz alle Möglichkeiten bieten soll, die es auf dem alten Gelände gibt. Dass mögliche Standorte geprüft werden, hatte Schuffenhauer schon durchblicken lassen. Dabei sei es durchaus vertretbar, Spiel- und Bolzplatz künftig getrennt voneinander anzuordnen.

Sollte es tatsächlich ein Ersatzgelände geben, entkräftet dies das gewichtigste Argument der Kritiker – nämlich den Hinweis darauf, dass die Kinder diese Bewegungsmöglichkeit brauchen. Einzelne Eltern haben sich freilich schon darauf festgelegt, dass sie einen Ersatz nicht akzeptieren wollen und auf dem Erhalt des bestehenden Geländes bestehen. Da schimmert viel Nostalgie durch – immer wieder wird argumentiert, dass schon Generationen von Kindern auf dem Gelände getobt haben. „Da wäre etwas Flexibilität schon wünschenswert“, sagt Simon dazu. Der Rathauschef erinnert auch daran, dass es für das Grundstück bereits einen Bebauungsplan gibt. Im Jahr 2019, wenn der Pachtvertrag ausläuft, könnte die Kirche auf jeden Fall bauen – so lange sie sich an den Bebauungsplan hält.

Verkauf ohnehin möglich

Denn das Grundstück gehört der Landeskirche, und für einen Ersatzspielplatz bräuchte in diesem Fall auch nicht gesorgt werden. Zwar soll der Bebauungsplan geändert werden, weil die bestehenden Festsetzungen für das Vorhaben der Kirche nicht optimal sind. Aber notfalls könnte die Kirche auch ohne Einverständnis der Stadt bauen oder, wenn es ihr um die Einnahmen ginge, beispielsweise an einen Bauträger verkaufen.

Die Kritiker gehen nämlich genau davon aus, dass es der Kirche um die Gelder geht, was Pfarrerin Schuffenhauer aber zurückweist. Und genauso widerspricht sie dem Argument, es gebe keinen Bedarf an Seniorenwohnungen. Es fehle barrierefreier Wohnraum in Eppstein, die vorhandenen Seniorenwohnungen seien mit Sozialbindung, also für Interessenten mit mittlerem Einkommen, nicht zu haben. „Die bestehenden Einrichtungen sind voll“, ergänzt Simon, wenn er auch nicht ausschließt, dass einmal eine Wohnung wegen eines Wechsels eine Weile leer steht. Der Bürgermeister kennt aber viele Ältere, die Eppstein verlassen haben, eben weil es in der Burgstadt keine geeigneten Wohnungen gebe.

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