Vier an der E-Tankstelle (von links): Bürgermeister Alexander Simon, Michael Lindhof (Geschäftsführer der Firma "mobileeee"), Matthias Werner und Julian Schirm von der First Climate AG.
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Vier an der E-Tankstelle (von links): Bürgermeister Alexander Simon, Michael Lindhof (Geschäftsführer der Firma "mobileeee"), Matthias Werner und Julian Schirm von der First Climate AG.

Elektromobilität

Stromer nehmen in Eppstein Fahrt auf

  • vonJulian Dorn
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Eine neue Elektro-Tankstelle und ein zweiter E-Carsharing-Standort wurden eröffnet, das Interesse steigt. Aber ist E-Mobilität das Allheilmittel fürs Klima?

VON JULIAN DORN

Eppstein -Autoschlüssel war gestern. Per App kann sich der Fahrer heute einloggen, seinen Führerschein verifizieren, das Fahrzeug starten und sich abmelden. Bezahlt wird ebenfalls kontaktlos. Ob für Verwandtenbesuch, Einkaufstour oder Ferienfahrt: Leicht kann in der Burgstadt ein E-Auto gemietet werden. E-Carsharing ist das Zauberwort. Das gibt es jetzt auch an einem zweiten Standort: im Wohnpark Müllerwies.

Ladesäule mit 22 Kilowattstunden

Dort, in der Nähe des Edeka-Einkaufsmarkts, ist zudem eine öffentliche Ladestation für Elektrofahrzeuge entstanden, die frei genutzt werden kann. "Der Strom wird durch die Solaranlage auf den Dächern der Häuser gewonnen", erläutern Julian Schirm und Matthias Werner von der First Climate AG.

Die Elektro-Ladesäule hat eine Leistung von zweimal 22 Kilowattstunden. Die Bewohner der Anlage können zusätzlich auf die sechs Ladesäulen in der Tiefgarage mit einer Leistung von jeweils 11 Kilowattstunden zurückgreifen. "Die Ladestationen garantieren ein zügiges und spontanes Laden", verspricht Schirm.

Die Kosten betragen 49 Cent pro Kilowattstunde bei der Ladung des eigenen Fahrzeugs. Die Buchungskosten für das E-Auto werden stundenweise abgerechnet, pro Stunde 6 Euro inklusive 10 Kilometer. Ansonsten erhöht sich der Preis um 20 Cent pro Kilometer. Der Wochenendtarif von 70 Euro gilt für 100 Kilometer.

Im Mai 2019 hatte die Verwaltung bereits einen VW Elektro-Golf des Unternehmens "mobileeee" als Fahrzeug für Dienst- und Botenfahrten angeschafft. Es steht am Rathaus I in Vockenhausen. Nach Dienstschluss der Verwaltung können Eppsteiner dann den Stromer zum Stromern nutzen. Die Stadtverwaltung hatte ein Elektrofahrzeug ausgewählt, "da es emissionsfrei ist und damit auch eine Vorbildfunktion für die Bürger eingenommen wird", sagt Rathauschef Simon. Im städtischen Klimaschutzkonzept ist zudem verankert, dass ein flächendeckendes Carsharing-Angebot in Eppstein anzustreben sei.

Das E-Carsharing ist eine von vielen Klimaschutzmaßnahmen der Burgstadt: Bürgersolaranlagen, die Nutzung von regenerativem Strom, der Bau zweier Elektrotankstellen, die Eppsteiner Energietage, das Solardachkataster, regelmäßige Beratungsangebote und energetische Sanierungen öffentlicher Gebäude. Mit dem neuen Angebot eines zweiten E-Carsharing-Standorts sei man "wieder einen Schritt weiter", glaubt Simon.

Eppsteiner anfangs noch zurückhaltend

Ein weiterer Schritt auf dem Weg in Richtung E-Mobilität. Gehen die Eppsteiner den denn mit? Michael Lindhof, der Geschäftsführer von "mobileeee", zeigt sich auf Nachfrage jedenfalls zufrieden. "Die Resonanz auf unser Angebot hat im Frühjahr stark zugenommen, nach zugegeben schwachem Herbst und Winter, was sicherlich aber auch an den derzeitigen Beschränkungen liegt."

So blieb es im April und Mai 2020 fast ausschließlich bei von "mobileeee" durchgeführten Servicefahrten, "um die Betriebsfähigkeit zu erhalten", wie die Stadtverwaltung damals schrieb. Damit die Bremsen nicht einrosten.

Seinerzeit blieben die Buchungen "hinter den Erwartungen zurück", so Rathaus-Sprecherin Monika Rohde-Reith. Dass nun das Interesse steige, könnte wiederum an der Pandemie liegen, vermutet Lindhof: Mancher nutze lieber das E-Auto als die öffentlichen Verkehrsmittel, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Das Unternehmen beabsichtige sogar, das Angebot im Main-Taunus-Kreis im weiteren Jahresverlauf mit werksneuen E-Fahrzeugen der Modelle Renault Zoe, VW ID-3 sowie Opel Corsa-E auszuweiten, kündigt Lindhof an.

Vor- und Nachteile der E-Autos

Vielleicht lag die anfänglich verhaltene Nachfrage aber auch an der Skepsis gegenüber der neuen Technologie. Sicher: E-Autos haben nicht von der Hand zu weisende Vorteile: keine Emissionen - zumindest nicht bei der Nutzung, die Produktion der Akkus stößt dagegen viel Kohlenstoffdioxid aus -, lange Lebensdauer und geringer Wartungsbedarf wegen weniger Verschleißteilen.

Doch noch sind die Autos in der Anschaffung sehr teuer, vor allem die Batterie schlägt zu Buche. Einen echten Vorteil haben die Stromer erst seit der Einführung der E-Auto-Prämie. Der sogenannte Umweltbonus wurde zuletzt am 7. Juli 2020 erhöht und im November 2020 bis Ende 2025 verlängert. Der Zuschuss beim Kauf eines Elektroautos kann bis zu 9000 Euro betragen.

Ein weiteres Problem ist die bislang nur wenig ausgebaute Ladeinfrastruktur gepaart mit recht geringen Reichweiten der Autos. Laut Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft gab es in Deutschland 2020 rund 33 000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Dem gegenüber stehen 136 617 zugelassene Elektroautos.

Die meisten Ladevorgänge finden also zu Hause oder am Arbeitsplatz statt. Allerdings hat vor allem in städtischen Gebieten kaum jemand die Möglichkeit, eine private Wandladestation zu installieren. Außerdem sind die Ladezeiten zumeist sehr lang. Und dass die E-Autos viel leiser sind, ist Vor- und Nachteil zugleich: Kritiker weisen auf die dadurch erhöhte Unfallgefahr hin, wenn Passanten - etwa mit Kopfhörern im Ohr - die Fahrzeuge nicht kommen hören. Auch die potenziellen Gefahren von Elektrosmog werden immer wieder kontrovers diskutiert ( siehe unten ).

Bürgerstiftung ist Ankermieter

Dennoch: "Das Angebot, ein Elektrofahrzeug vor Ort nutzen zu können, wird erhalten bleiben", bekräftigt der Bürgermeister. Die Eppsteiner Bürgerstiftung beteiligt sich an der Finanzierung als einer der beiden Ankermieter in den ersten drei Jahren mit jeweils 1000 Euro. Die damit bezahlten Freistunden stellt die Bürgerstiftung gemeinnützigen Vereinen in Eppstein zur Verfügung. Simon ist überzeugt: "Das Teilen eines E-Autos hat Zukunftspotenzial."

So funktioniert das Carsharing

Die Buchung erfolgt über eine App nach der Registrierung unter www.mymobileeee.de . Dabei müssen die Zahlungsdaten hinterlegt und der Führerschein validiert werden. Die einmaligen Kosten für die Registrierung beinhalten die Führerscheinvalidierung und zwei freie Stunden als Guthaben. Das Auto ist vollkaskoversichert. Rauchen im Auto ist tabu, Tiere dürfen nur in Transportboxen mitgenommen werden.

Diskussion um Elektrosmog: Wie gefährlich sind elektromagnetische Strahlen in E-Autos wirklich?

Heiße Ohren, rasende Kopfschmerzen und flimmernde Augen: Das Thema Elektrosmog und seine potenziellen gesundheitlichen Folgen treibt mitnichten nur "Aluhut-Träger" um: Elektromagnetische Strahlen gibt es überall - selbst in Autos.

Unter Elektrosmog verstehen die meisten Menschen elektromagnetische Umweltverträglichkeit (EMVU). Elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder können auf ihre Umgebung einwirken. In der Umwelt treten viele elektromagnetische Felder auf; das Erdmagnetfeld zum Beispiel, sagt Sarah Drießen vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin. "Diese schwachen Felder sind für Menschen ungefährlich. Es gibt aber künstlich erzeugte Felder wie im unteren Frequenzbereich bei Hochspannungsleitungen, die in unmittelbarer Nähe für Menschen schädlich sein können." Deswegen werden die Leitungen in einer für den Menschen unerreichbaren Höhe angebracht. "Auf diese Weise wird gewährleistet, dass auch unmittelbar am Boden darunter die Grenzwerte eingehalten werden."

Durch technische Applikationen erzeugte Felder müssen auch bestimmte Grenzwerte einhalten, damit sie keine gesundheitlichen Folgen verursachen. Das gelte für eine Sitzheizung ebenso wie für den Generator im Auto, so Drießen. "Die wenigen Daten, die hierzu vorliegen, zeigen, dass die Grenzwerte meistens eingehalten werden." Dass Plug-in-Hybride oder E-Autos mehr magnetische Felder produzieren, die für Autofahrer schädlich sind, ist in der Forschung jedoch umstritten. Für alle Antriebsarten gelten zumindest die gleichen gesetzlichen Grenzwerte. Bei der Entwicklung müssen Hersteller eigentlich darauf achten, dass diese eingehalten werden.

Außerdem böten E-Autos Vorteile, so Fachleute. Mit einem höheren Spannungsnetz als 12 Volt, also 48 Volt oder 400 Volt bei E-Fahrzeugen, steige zwar die Spannung, das Magnetfeld werde aber kleiner - und damit auch die magnetische Abstrahlung. Außerdem komme es auch immer darauf an, wie lange und häufig man der Strahlung ausgesetzt ist. Wenn das E-Auto jedoch extern geladen wird, können Autobesitzer, die sich direkt an der Stromtankstelle während des Ladens aufhalten, grundsätzlich einer höheren Strahlung ausgesetzt sein, erklärt Forscherin Drießen.

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