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2016 sorgten irische Landfahrer, die auf dem Campingplatz Station gemacht hatten, für bundesweites Aufsehen. Taunuscamp-Betreiber Jörg Steimer gab Fernseh- und Presseteams Interviews.

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Campingplatzbetreiber in Niederjosbach ist pleite: Aus für das Taunus-Camp

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Es hätte ein großes Jubiläumsjahr für das Taunus-Camp werden können. Doch im 50. Jahr seines Bestehens muss Inhaber Jörg Steimer Insolvenz anmelden. Drastische Einbußen im vergangenen Jahr zwangen ihn zu diesem Schritt.

Der Campingplatz war sein Leben: Hier auf dem sieben Hektar großen Gelände an der Bezirksstraße ist Jörg Steimer aufgewachsen. Mehr als 30 Jahre lang hat er das Erbe seines Vater fortgeführt, der Ende der 1960er Jahre auf die Idee kam, auf dem Areal des früheren Hubertushofs einen Campingplatz zu etablieren. Nun steht Jörg Steimer vor einem Scherbenhaufen: Vor wenigen Tagen musste der Betreiber des Taunus-Camps Insolvenz anmelden. „Liebe Gäste, unser Platz muss aus privaten Gründen verkauft werden. Derzeit sind keine Anmeldungen möglich“, lautet die lapidare Nachricht auf der Homepage des Betriebs, der noch vor wenigen Jahren florierte.

Das war in den Hochzeiten der Flüchtlingskrise: Von 2015 bis 2017 hatte der heute 59-Jährige den Großteil seiner 50 Mietwohnwagen an den Main-Taunus-Kreis vermietet, der seinerzeit händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge suchte. Etwa 50 Asylsuchende fanden bis Ende 2017 in der Notunterkunft am Ortsrand von Niederjosbach ein vorübergehendes Domizil. Doch was sich zunächst als lukrativ erwies, zog „letztlich einen Rattenschwanz nach sich“ schildert Jörg Steimer im Gespräch mit unserer Zeitung und ergänzt: „Zwar sind die Einnahmen in dieser Zeit gestiegen, zugleich mussten wir aber auch mehr Geld investieren – beispielsweise für die Betriebskosten, die wegen der Dauerbelegung gestiegen waren. Zudem mussten wir zusätzliches Personal einstellen.“

Hinzu kam ein Imageproblem durch den Aufenthalt irischer Landfahrer auf dem Campingplatz. Die Traveller, die seit Jahren im Spätsommer nach Deutschland kommen, hatten in vielen Kommunen für Ärger gesorgt. Etliche Städte in NRW, wo sie zuvor Station gemacht hatten, sprachen ebenso wie Mainz und Ginsheim-Gustavsburg Platzverweise aus, weil es Probleme mit Lärm und Müll gab.

Renommee hat gelitten

Im Taunus-Camp waren sie stets willkommen. „Es gab nie Ärger mit ihnen“ hatte Steimer 2016 gegenüber der Presse gesagt, die den Campingplatz nach Zwischenfällen in Ginsheim-Gustavsburg regelrecht belagerte. Das Renommee des verkehrsgünstig gelegenen Taunus-Camps, das über Jahrzehnte unzählige Stammgäste – vor allem Urlauber, Durchreisende, Monteure und Transitreisende – beherbergte, litt.

2018 wurde für den Inhaber des Campingplatzes zum Schicksalsjahr: „Die Einnahmen brachen dramatisch ein.“ Wurde 2016 noch ein hochmodernes Sanitärgebäude mit Solaranlage gebaut, war nun kein Geld mehr für notwendige Instandsetzungen und Sanierungen vorhanden. Jörg Steimer zog die Notbremse und meldete Insolvenz an. Nun hofft er, einen Investor zu finden, der den Campingplatz fortführt.

Eine Bebauung ist nahezu ausgeschlossen. Der Bebauungsplan weist das Areal ausdrücklich zur Sondernutzung als Campingplatz aus. „Es gibt schon einige potenzielle Interessenten“, sagt der 59-Jährige, der hohes Potenzial für einen Campingbetrieb sieht. Eine seiner Ideen, die Vermietung sogenannter Tiny Houses – winziger mobiler Häuser –, hat aus seiner Sicht große Zukunftsperspektiven in der immer teurer werdenden und dicht besiedelten Rhein-Main-Region.

Was seine eigene Zukunft angeht, ist er weniger optimistisch: „Ich brauche Ihnen ja nicht sagen, wie ich mich fühle. Ich habe mein Leben hier verbracht und alle Energie in den Campingplatz gesteckt. Das ist nicht nur emotional sehr schwierig. Kurz vor der wohlverdienten Rente noch mal von vorne anfangen zu müssen – das habe ich mir so nicht vorgestellt“, sagt er mit bebender Stimme. Seine Hoffnung ist es nun, einen Käufer für das Taunus-Camp zu finden, der ihm ein faires Angebot macht.

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