Jugendhilfeeinrichtung

Es ist eng in der Villa

Die Jugendhilfeeinrichtung kümmert sich um 32 minderjährige Menschen aus Krisenregionen. Diese traumatisierten Jugendlichen kommen mutterseelenallein in Deutschland an. Doch auch in Eppstein ist der Platz schon wieder begrenzt.

Von Martina Weyand-Ong

30 Jahre lang war die Villa Anna im Bergpark ein Therapiezentrum für junge Drogenabhängige. Nicht zuletzt wegen des anwachsenden Flüchtlingsstromes hat die Jugendhilfeeinrichtung im Herbst 2012 aber ihr Konzept geändert. Denn es kommen immer mehr Jugendliche aus Krisenländern auf dem Frankfurter Flughafen an, die mutterseelenallein und minderjährig sind. Sie fallen unter den Schutz der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Die zumeist schwer traumatisierten Jugendlichen brauchen eine spezielle Betreuung in entsprechenden Einrichtungen, die aber immer noch viel zu rar gesät sind (siehe „Info“). Eine dieser Jugendhilfeeinrichtungen, die aus allen Nähten platzt, ist die Villa Anna im Bergpark der Burgstadt.

Seit zwei Jahren werden in dem Anwesen, das dem Träger-Verein Jugendberatung und Jugendhilfe (JJ) gehört, unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge betreut. Die Villa Anna ist aber auch schon längst an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. In der eigentlich nur auf 25 Jugendliche ausgelegten Einrichtung leben schon seit längerer Zeit 32 Flüchtlinge (darunter drei Mädchen) im Alter zwischen 14 und 19 Jahren aus Krisenländern wie Afghanistan, Eritrea, Pakistan oder Somalia. Da kommt es gut zu pass, dass neben den 21 Bewohnern des Haupthauses, die intensiv betreut werden, schon elf Jugendliche in Verselbständigungsprojekten in anderen Gebäuden auf dem Gelände des Bergparks untergebracht sind. Vier der Bewohner sind schon seit Herbst 2012 da.

Zu den 18 Mitarbeitern der Villa Anna gehören Psychologen und Sozialpädagogen genauso, wie Arbeitspädagogen, die Sprachkurse vermitteln, sich aber auch um Schul- und Ausbildungsplätze kümmern. Und nicht zuletzt gehört die therapeutische Arbeit dazu – angesichts der posttraumatischen Belastungsstörungen und Depressionen der jungen Menschen. Dank der guten Kooperation mit der Freiherr-vom-Stein-Schule in Eppstein und der Hofheimer Brühlwiesenschule, die eine spezielle Berufsvorbereitungsklasse eingerichtet hat, haben die Jugendlichen schnell die Möglichkeit, sich zu integrieren. Das klappt auch über das Fußballtraining in den Vereinen sehr gut.

„Freizeitveranstaltungen oder Trips wie der viertägige Berlin-Ausflug kürzlich sind generell wichtig für die Heranwachsenden“, betont Einrichtungsleiter Torsten Schaaf. Schließlich sind die Jugendlichen zumeist durch Krieg und Verfolgung in ihren Heimatländern, aus denen sie allein geflohen sind, schwer traumatisiert. Da ist jede Ablenkung willkommen. Deshalb wird die neue Küche in der Villa Anna gerne angenommen, in der die Jugendlichen zusammen kochen können.

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