An den Automaten ist Endstation: Nur der Selbstbedienungsbereich der Volksbank-Filiale in Vockenhausen ist derzeit geöffnet. Ein Briefkasten für Überweisungen ist dort nicht zu sehen.
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An den Automaten ist Endstation: Nur der Selbstbedienungsbereich der Volksbank-Filiale in Vockenhausen ist derzeit geöffnet. Ein Briefkasten für Überweisungen ist dort nicht zu sehen.

Leserin macht ihrem Ärger Luft

Volksbank-Filiale sorgt für Wirbel: „Offensichtlich wollen sie Kunden loswerden“

  • vonEsther Fuchs
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  • Julian Dorn
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Wie geht es weiter mit der geschlossenen Volksbank-Filiale in Eppstein? Eine Leserin macht ihrem Ärger Luft: Gerade für Senioren sei die Schließung der Bank im Ort eine Zumutung.

  • In Eppstein (Main-Taunus-Kreis) sorgt die geschlossene Volksbank-Filiale für Aufregung.
  • Gerade Senioren können die Situation nicht nachvollziehen.
  • Ist Corona nur ein Vorwand für die Schließung?

Eppstein – Quo vadis, Volksbank Vockenhausen? Mancher wird sich mit der Schließung bereits stillschweigend abgefunden haben. Andere aber bewegt die Frage, wie es mit der Filiale weitergeht, sehr. Gerade Senioren können es nicht nachvollziehen und drohen nun damit, ihre Geldgeschäfte künftig bei anderen Kreditinstituten abzuwickeln.

Die Filiale an der Hauptstraße 108 ist seit März 2020 geschlossen. Der offizielle Grund dafür sind laut Volksbank die gesundheitlichen Risiken für Mitarbeiter und Kunden aufgrund der Corona-Pandemie. Anwohner halten das jedoch für vorgeschoben und rechnen mit einer dauerhaften Schließung. Im Eingangsbereich der Filiale sind derzeit Geldgeschäfte am Automaten möglich. Kristin Lorenz von der Pressestelle der Frankfurter Volksbank betonte vor kurzem, dass es neben dem Selbstbedienungsbereich auch einen Briefkasten für interne Briefe und Überweisungen gebe.

Geschlossene Volksbank-Filiale in Eppstein: Corona nur ein Vorwand

Über diese Auskunft kann eine Kundin nur den Kopf schütteln. Sie machte ihrem Ärger Luft: „Der Briefkasten wurde schon 2019, lange vor Corona, abgebaut! Mit dem Argument, sie hätten keinen Fahrer mehr, der die Briefe abholt“, so die Kundin, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Gerne würden manche Vockenhausener, insbesondere ältere Kunden, ihre Überweisungen nicht am Automaten tätigen, sondern als Formular in den Postkasten einwerfen. Das sei jedoch - entgegen der Auskunft des Kreditinstituts - schon lange nicht mehr möglich.

Unsere Reporterin sah sich daraufhin an Ort und Stelle um. Tatsächlich war dort kein Briefkasten mehr zu sehen.

Lediglich der Eingangsbereich mit den Automaten für Auszahlungen und Überweisungen ist geöffnet. Ein Missverständnis also - könnte man den Briefkasten nicht wieder in Betrieb nehmen? Auf Nachfrage versprach die Volksbank, die Sache zu prüfen. Bisher liegt keine Antwort vor.

Geschlossene Volksbank-Filiale: Die Verärgerung in Eppstein ist groß

Die Kundin ist jedenfalls enttäuscht. Vor Jahren habe sie sich bewusst für die Volksbank entschieden, erzählt sie. Das Argument, eine Filiale vor Ort zu haben, die fußläufig erreichbar war, überzeugte. Zu den Mitarbeitern habe sie im Laufe der Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Die Kundin spielt nun mit dem Gedanken, die Bank zu wechseln. „Offensichtlich wollen sie Kunden loswerden“, sagt die enttäuschte Vockenhausenerin.

Von dem Selbstbedienungsbereich hält sie nicht viel. „Der Automat ist nur mit nackten Fingern zu bedienen, was alles andere als hygienisch ist, und ältere Kunden können damit nicht umgehen.“ Senioren fänden die Empfehlung der Bank, doch die Filiale in Kelkheim aufzusuchen, zudem befremdlich. Nicht jeder Kunde sei schließlich so mobil.

Eppstein: Volksbank im Gespräch mit Rathaus-Chef

Zumal nur einige Meter entfernt die Zweigstelle der Taunus Sparkasse geöffnet ist. Deshalb kann auch Bürgermeister Alexander Simon (CDU) die Schließung nicht verstehen. Der Rathaus-Chef zeigte sich gegenüber dieser Zeitung enttäuscht. Seine Anfrage bei der Bank sei zudem lange unbeantwortet geblieben, heißt es aus dem Rathaus. Erst durch das Nachhaken der Redaktion bewegte sich etwas. Volksbank-Pressesprecherin Lorenz verteidigte die Schließung: Die Räume ließen keinen Spielraum zu. Sie verstehe die Sorgen, doch man müsse die behördlichen Anforderungen einhalten. "Und die besagen, dass mindestens zehn Quadratmeter Fläche pro Person zur Verfügung stehen müssen. Außerdem gilt für Banken das Vier-Augen-Prinzip, so dass sich immer mindestens zwei Mitarbeiter in der Geschäftsstelle aufhalten müssen."

Nur ein zusätzlicher Kunde führe dann dazu, dass die Quadratmeter-Regel nicht mehr einzuhalten sei, so die Sprecherin. Pläne für eine dauerhafte Schließung dementierte sie. Lorenz informierte inzwischen darüber, dass man "aktuell mit dem Bürgermeister im Austausch" stehe. Vielleicht findet sich doch noch eine Lösung in dieser Sache, die viele derzeit umtreibt. (Esther Fuchs und Julian Dorn)

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