Ansichtskarten

Von der Waldesruh im „Eldorado“

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Mit Eppstein als Luftkurort befassen sich Ansichtskarten, die vermutlich von einem Sammler aus Vockenhausen stammen und jetzt bei Ebay aufgetaucht sind.

An Heiligabend fand Bürgermeister Alexander Simon mittags mal wieder ein bisschen Zeit, um im Internet zu stöbern. Auf der Auktionsplattform „Ebay“ schaut er unter dem Stichwort „Eppstein“ gerne unregelmäßig, was zur Burgstadt angeboten wird. Siehe da: Simon stieß auf zwei Schätzchen, die er postwendend für die Stadt erwarb: Ein Album mit 144 historischen Ansichtskarten aus Eppstein sowie eine Festschrift über 600 Jahre Stadtrechte von 1918 samt Abhandlung zur Burg. In diesem Exemplar ist sogar die Signatur des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn zu lesen – gut möglich also, dass es dem Landeschef gehörte, überlegt Simon.

Besonders wertvoll fürs Stadtarchiv sind aber die Postkarten, die vor allem aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen. Das älteste Exemplar ist von 1894. Auf einer Karte ist der Vers zu lesen: „Es liegt ein Eldorado im schönen Nassauland; der Name stolz erklinget, so oft er auch genannt . . .“ Die Zeilen zeigen, welche Bedeutung die Burg- und Kurstadt Eppstein zu diesen Zeiten hatte, so dass die Touristen und Ausflügler in Scharen – meist mit dem Zug – in den Taunus-Ort strömten. Seltene Ansichten Alt-Eppsteins mit der Burg, dem Kaisertempel oder dem Bergpark zeugen ebenfalls von dieser Blütezeit.

Eine Karte zeigt das frühere Hotel „Bienberg“, das jetzt als Wohngemeinschaft für junge Flüchtlinge genutzt wird. Noch heute zeugen der Altan mit den zierlichen Säulen im venezianischen Stil von der glanzvollen Vergangenheit des ehemaligen Hotels mit Restaurant an der Cunzstraße. 1885 wurde es im sogenannten „Lock-Stil“ gebaut. Die im Album entdeckte Postkarte wurde 1938 gestempelt. Sehr schön darauf zu sehen sind die zweistöckigen Arkaden des neobarocken Baus und der große Garten.

Die Kurgäste verschickten aber auch Ansichten der Gaststätten wie „Zum Taunus“ in Eppstein oder dem Hof Häusel in Vockenhausen, der mit seinen Milchkühen warb. Natürlich dürfen auch die Ölmühle als Hotel und Ausflugsziel die Gartenwirtschaft und das Hotel Seiler gegenüber vom schmucken Bahnhofsgebäude nicht fehlen. Einige Karten wurden im Ersten Weltkrieg an Soldaten mit der Feldpost verschickt.

Zur Sammlung gehören auch Ansichten des Kriegerheims und des daraus hervorgegangenen Eppsteiner Krankenhauses. Auf einer Karte ist passend die Strophe vermerkt: „In Dir mag ich gesunden, geliebtes Eppstein Du, in Deinem Bergfrieden, in Deiner Waldesruh.“ 1982 wurde Eppstein allerdings das Prädikat „Luftkurort“ aberkannt. Nach der Schließung des Müttergenesungsheims in der „Villa Anna“ verfügte die Burgstadt nicht mehr über genügend Betten für die Kurgäste.

Das Album kann Archivarin und Museumsleiterin Monika Rohde-Reith schon hier und da neue Aufschlüsse geben. Die meisten Motive waren zwar bekannt, aber in der städtischen Sammlung noch nicht vorhanden. Auch weil die Karten gut erhalten sind, spricht Bürgermeister Simon von einem „Glücksgriff“. Genau weiß er es nicht, aber vermutlich stammt das Exemplar von einem Sammler aus Vockenhausen. Es ist dann in einer Frankfurter Antik-Handlung gelandet.

Museum und Stadtarchiv können immer wieder besondere Zugänge verzeichnen. Zuletzt übergab die Bremthaler Künstlerin Rita Quack mehrere Werke (siehe Info). So freut sich Museumschefin Monika Rohde-Reith über eine stete Vergrößerung der kommunalen Sammlung.

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