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Die Walpurgisnacht im Innenhof der Eppsteiner Burg musste in diesem Jahr ausfallen.

Walpurgisnacht ohne Publikum

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CORONA So wirkt sich die Pandemie auf die Pläne der Eppsteiner Burgschauspieler aus

Eppstein -Juliane Rödl liebt die Stunden vor dem Auftritt bei den Burgfestspielen, wenn alles aufgebaut ist und die Burgschauspieler auf den großen Moment warten. Das ist eine besondere, spannungsgeladene, auch in gewisser Weise kreative Atmosphäre. Auch die abendlichen Proben in der Burg in den Wochen zuvor seien etwas einmaliges, erzählt die Vorsitzende der Burgschauspieler. "Ein bisschen fühlt es sich so an, als gehöre die Burg uns", sagt sie.

Das wird es in diesem Sommer nicht geben. Die Burgfestspiele sind abgesagt. Im Rathaus ist von einer abgespeckten Version die Rede gewesen - worauf das hinausläuft, ist unklar. Nur wird es nicht zu Theateraufführungen auf der Burg vor Publikum kommen. Schon gar nicht im Sommer. Großveranstaltungen sind bis zum 31. August ausgesetzt. Inzwischen wird daher auch eher über ein alternatives Kulturprogramm gesprochen; eine Arbeitsgruppe der Verwaltung beschäftigt sich damit.

Keine Aufführung von "Arsen und Spitzenhäubchen"

Aus "Arsen und Spitzenhäubchen" wird also nichts in diesem Sommer. Ganz wie der Blitz aus heiterem Himmel habe die Absage die Burgschauspieler nicht getroffen, so die Vorsitzende Juliane Rödl. Es kann keine Burgfestspiele geben, wenn rundum alle Großveranstaltungen abgesagt werden, da war die Absage nur eine Frage der Zeit. Der Verein habe kurz überlegt, das Stück im Sommer aufzuführen, aber auch dies wieder verworfen. Drei Monate gemeinsamen Probens brauche man einfach, und das sei angesichts der geltenden Kontaktbeschränkungen einfach nicht zu machen. Überlegt wurde auch, vor nur 50 Zuschauern zu spielen, aber da komme einfach keine Stimmung auf.

Dazu kommt, dass die Burgschauspieler auch die Walpurgisnacht absagen mussten. Das schaurig-schöne Event mit Spielszenen an mehreren Plätzen der Burg geht seit einigen Jahren am Abend des 30. April über die Bühne. "Unglaublich gruselig, lyrisch, bewegend", schildert Rödl das Geschehen. Viel Aufwand steckten die Burgschauspieler in die Veranstaltung, bei der das Publikum einbezogen wird. "Das hat uns arg gebeutelt", sagt sie.

Proben finden nun per Videokonferenz statt

Aber das alles bedeutet nicht, dass die Burgschauspieler jetzt den Betrieb einstellen. Geprobt wird weiter, per Videokonferenz. Das ersetzt zwar nicht die Probe auf der Bühne, bringt die Sache aber schon voran. "Das hält auch die Gruppe zusammen", sagt Rödl. Inzwischen hat sich eingebürgert, dass sich alle zur Videokonferenz lustig verkleiden - die Burgschauspieler können der Situation auch etwas abgewinnen.

Beschlossen wurde, dass "Arsen und Spitzenhäubchen" im nächsten Jahr auf die Bühne gebracht werden soll. Noch nicht entschieden wurde, was aus dem Weihnachtsmärchen wird. Ein wenig Zeit ist noch, bis in diesem Punkt Klarheit gewonnen werden kann. Womöglich gibt es ja auch irgendeine Art von Beteiligung an dem alternativen Kulturprogramm, das die Stadt anbieten will. Genauere Informationen gibt es inzwischen zum Umgang mit den bisher verkauften Tickets für die Festspiele: Die Eintrittsgelder werden zurückerstattet. Wer seine Karten bei der Stadt gekauft hat, schickt diese an die Verwaltung zurück, gemeinsam mit einem ausgefüllten, dafür ausgearbeiteten Formular, das man auf der städtischen Internetseite findet und ausdrucken kann. Wer möchte, kann dort auch vermerken, auf die Rückerstattung ganz oder teilweise zugunsten der Burgfestspiele zu verzichten.

Wegen der aktuellen Situation könne die Rückerstattung etwas länger dauern, wirbt Erste Stadträtin Sabine Bergold für Verständnis. Wer Eintrittskarten an einer anderen Vorverkaufsstelle erworben hat, solle sich an diese wegen der Rückerstattung wenden. Nach Auskunft der Stadt gibt es über die Aufführung der Opera Classica Europa am 10. Juli noch keine Entscheidung, dies sei Sache des Ensembles als Veranstalter selbst. Wegen des Verbots von Großveranstaltungen dürfte es sich dabei allerdings nur um eine Formsache handeln. 

Manfred Becht

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