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"Wenn's um Ehlhalten geht, halten wir zusammen"

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Von: Frank Weiner

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Ein Prosit auf gleich zwei Jubiläen: Berthold Gruber schenkt sich aus dem Ehlhalten-Krug ein Bier ein.
Ein Prosit auf gleich zwei Jubiläen: Berthold Gruber schenkt sich aus dem Ehlhalten-Krug ein Bier ein. © wein

Ex-Ortsvorsteher Berthold Gruber ist 75 Jahre alt geworden und seit 50 Jahren in der Politik. Wie alles angefangen hat und was ihm wichtig ist, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ehlhalten -"Der Rückzug des Ehlhaltener Königs." Das hatte der Reporter vor knapp elf Jahren über den Artikel geschrieben, der den Abschied von Ortsvorsteher Berthold Gruber ankündigte. Er habe das zunächst nicht so gerne gelesen, berichtet er nun beim erneuten Besuch dieser Zeitung. Aber irgendwie sei ja was dran, fügt er hinterher. In der Tat: Wir werden zwar aus Rücksichtnahme das Wort "König" gerne vermeiden, doch die politische Lebensleistung von Gruber dürfte in Eppstein und im Main-Taunus-Kreis ihresgleichen suchen. Heute, wenn der Ehlhaltener seinen 75. Geburtstag feiert, ist er zudem fast genau fünf Jahrzehnte in der Kommunalpolitik aktiv - ebenso wie Eppsteins Stadtverordnetenvorsteher Bernhard Heinz.

Besonders stolz auf die Dorferneuerung

Auch wenn inzwischen die Gremien deutlich verjüngt wurden und nicht mehr viele von Grubers Mitstreitern von damals dabei sind: Das Wort des Stadtrats hat in Eppstein Gewicht, der Mann ist bestens vernetzt. "An dem Tisch hat schon so mancher gesessen", sagt Gruber und lacht. Dort wo nun der Reporter mit ihm die Meilensteine durchgeht, habe er zum Beispiel mit dem damaligen Bürgermeister Ralf Wolter Politik gemacht - bei Fleischwurst und Kartoffelgemüse. Auch zu dessen Nachfolger Alexander Simon hat Gruber einen guten Draht. So ist es dem ehemaligen Ortsvorsteher maßgeblich zu verdanken, dass der kleinste Stadtteil längst nicht mehr das fünfte Rad am Wagen ist. Diese Kritik sei "verstummt", freut sich Gruber. In seinen 24 Jahren im Ortsbeirat, davon 14 als Vorsteher, ist eine Menge passiert. Stolz ist der Chef auf die Dorferneuerung, in der im Ort viele Plätze, Wege und Gebäude saniert und umgebaut wurden. Fast 2 Millionen Euro wurden verbaut, meist mit Zuschüssen.

Wer Gruber kennt, der weiß: Er hat gut 20 Jahre danach schon wieder Verbesserungen im Kopf. "Ich treibe ja schon", sagt er. Neues Pflaster im Bereich der Kirche hat er im Blick. Und sein Wahlversprechen, einen Rundweg um den Ort, will er möglichst 2023 einlösen. Dass es mit dem Baugebiet im Bereich des ehemaligen Lokals "Krone" noch nicht geklappt hat, das heftet er sich als eine Niederlage ans Revers. Mit einem neuen Investor ist nun aber neue Hoffnung da.

Die Gemeinschaft ist stark

Ansonsten fällt Grubers politische Bilanz überwiegend positiv aus. Vor allem in Ehlhalten, für dessen Interessen er auch mit seinen Kontakten in der Stadt wie ein Löwe kämpft. "Die Gemeinschaft hier ist stark. Wenn's um Ehlhalten geht, halten wir zusammen", sagt der Jubilar, der zwei Töchter und zwei Enkelkinder im Alter von 15 und 12 Jahren hat. Längst ist Ehlhalten das "Dolle Dorf", auch wenn es unter Grubers Regie damals den Sieg beim Hessenfinale des Fernsehwettbewerbs knapp verpasste.

Sein Credo ist es, "immer ganz nah am Bürger" zu sein. Er habe dabei stets "mit offenem Visier" agiert. Bei Gruber wusste die politische Konkurrenz, wo sie dran ist. Auch zu ihr pflegte der CDU-Mann ein ordentliches Verhältnis. Denn für ihn sei Politik mitunter auch "Streit - in der Sache". Gute Argumente aufzunehmen - kein Problem. Doch oft genug hat er sie selbst. Die große Bundespolitik hingegen findet er aktuell "nicht so angenehm", um dann eine überraschende Aussage zu bringen: "Die Grünen gefallen mir, denn Klimaschutz war schon immer auch mein Ding." Denn der ehemalige Techniker der Hoechst AG hatte beruflich mit solchen Dingen zu tun. Aktuell lässt er sich eine Wärmepumpe im Haus einbauen, 2023 kommen die Solarzellen aufs Dach. Auf solche Dinge solle auch bei Neubaugebieten in Eppstein immer geachtet werden, findet er.

Mit einem Coup zum Bürgermeister-Macher

Gruber möchte auf jeden Fall noch die Wahlperiode bis 2026 als Stadtrat beenden, die weitere Zukunft lässt er offen. Angefangen hat er als Jugendlicher in der Jungen Union, deren Vorsitzender er in Eppstein war. Sein Onkel Jean Weil war damals Bürgermeister in Ehlhalten. Der sah ein Engagement der "kleinen Opposition" in der Familie anfangs durchaus skeptisch. Doch Gruber trat 1972 bei einer Sitzung zur Verteilung der Listenplätze für die damalige Bürgerliche Wählergemeinschaft (BWG) an - und landete nach ein paar verlorenen internen Abstimmungs-Duellen auf Rang 7. Das reichte, die BWG hatte neun Sitze, die SPD zwei. Die CDU gab es im Ort noch nicht. Das sollte sich ändern. Die Eppsteiner Union wurde auf den jungen Gruber aufmerksam. Der trug entscheidend dazu bei, dass Richard Hofmann nach dem Zusammenschluss 1977 Bürgermeister wurde. Denn in der Übergangszeit mobilisierte Gruber die BWG für Hofmann, der sich gegen den Bremthaler Bernhard Parian durchsetzte. Das dankten ihm die Eppsteiner mit einem aussichtsreichen Listenplatz, zweimal war der Ehlhaltener auch im Magistrat, nun seit 2016. Dort ist er für die Jagd und den Hochwasserschutz zuständig - sein Steckenpferd. Gruber hofft, dass sich der angedachte Damm im Dattenbachtal realisieren lässt, was allen Unterliegern bis Hattersheim helfen würde.

Die Frau an seiner Seite

Meist hatte die CDU Ehlhalten, die er 1977 gründete, die absolute Mehrheit im Dorf. Als die Zahlen sanken, zog Gruber die Reißleine und wurde Ortsvorsteher - die alten Verhältnisse bestehen längst wieder. Sein "Durchsetzungsvermögen" nennt er als ein Pfund. Und er kann moderieren - nicht nur politisch. Viele Jahre war er bei den Orts- und Vereinsjubiläen der Festpräsident. Da habe zum Beispiel die Feuerwehr zu ihrem 50. Geburtstag den größten Umzug im Ort mit gut 100 Nummern erlebt, erinnert er sich.

Das alles wäre nicht ohne eine starke Frau im Hintergrund gegangen. Beate Gruber feiert heute ebenfalls Geburtstag, gibt ihm schon gerne mal einen Rat. Als Mitarbeiterin der Verwaltungsstelle war sie nah dran am Bürger. "Er verrät aber auch nicht alles", sagt Gruber, die aus Weilbach stammt. Dort war er eigentlich mit anderen jungen Damen verabredet, als er die "Dorfschönheiten" entdeckte und ihnen zurief. Sie gab ihm gleich contra - inzwischen sind die Grubers gut 52 Jahre verheiratet. Der Wunsch des Jubilars, der gerne Zugreisen in aller Welt unternimmt, Schwimmen geht und den Garten mit den Rosen pflegt: "Dass man mich in Ehlhalten nicht vergisst."

Große Ehre beim Wettbewerb "Dolles Dorf" 2004: Bürgermeister Ralf Wolter chauffiert Berthold Gruber in der Rikscha.
Große Ehre beim Wettbewerb "Dolles Dorf" 2004: Bürgermeister Ralf Wolter chauffiert Berthold Gruber in der Rikscha. © privat
Das Foto zeigt die letzte Gemeindevertretersitzung 1977 im Ort Ehlhalten. Berthold Gruber sitzt in der ersten Reihe, Dritter von links.
Das Foto zeigt die letzte Gemeindevertretersitzung 1977 im Ort Ehlhalten. Berthold Gruber sitzt in der ersten Reihe, Dritter von links. © Franz Schmidt

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