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Jede Menge Müll kann derzeit nicht nur Am Herrngarten in Eppstein entdecken, sondern auch auf Feldern uns Wiesen.

Lange Wartezeiten am Recyclinghof

Wohin sollen die Eppsteiner mit ihrem Müll?

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Der Wertstoffhof in Bremthal ist seit Wochen wegen der Anti-Corona-Maßnahmen noch mindestens bis Ende Mai dicht. Die Alternative in Kelkheim ist hoffnungslos überfüllt.

Eppstein/Kelkheim -Ein Eppsteiner hat sich informiert und in den Kelkheimer Stadtteil Münster gefahren, um beim dortigen Wertstoffhof Müll los zu werden. "Da war ein solcher Andrang, dass ich wieder heim bin", erzählt der Mann im Internet-Portal Facebook. Überraschend ist das für die Kelkheimer nicht. Der Wertstoffhof am Zeilsheimer Weg hat gewöhnlich nur samstags offen, und dann ist dort schon mit Wartezeiten zu rechnen. In den vergangenen Wochen aber gab es samstags Schlangen, die weit über das übliche Maß hinaus gehen. Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger weiß von Wartezeiten von mehr als einer Stunde zu berichten.

Geht es nach den Verantwortlichen, sollen die Eppsteiner da nicht unbedingt noch einen Beitrag leisten. Wegen der Schließung des Wertstoffhofes in Bremthal nämlich haben die beiden Kommunen mit dem Entsorgungsunternehmen und Recyclinghof-Betreiber Kilb vereinbart, dass die Eppsteiner dort Müll abgeben können. Aber speziell für die Burgstädter ist der Zugang auch werktags möglich, montags bis freitags von 6.30 bis 17.30 Uhr. Dafür werden sie aber ausdrücklich gebeten, an Samstagen nicht zu kommen.

Kleinste Einrichtung

im Kreis

Warum aber ist der Wertstoffhof in Kelkheim offen, in Hofheim die gleiche Einrichtung ebenfalls, in Eppstein aber nicht? "Wir haben wohl den kleinsten Wertstoffhof im Kreis", sagt Eppsteins Erste Stadträtin Sabine Bergold. Können die Nutzer bei anderen Wertstoffhöfen von einer Seite mit dem Auto hinein und an anderer Stelle wieder hinaus fahren, gibt es in Eppstein nur ein Tor und nur Platz für ein Auto.

"Das macht es schwer, den Verkehr zu regeln", so Bergold. Die Firma Kilb sei in der Angelegenheit aus Sorge um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter auf die Stadt zugekommen. Dass das nicht unbegründet war, zeigen Erfahrungen aus Hofheim. Dort wurden offensichtlich die gebotenen Abstände nicht eingehalten, es kam immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen. Die Stadt muss dort verstärkt Ordnungspolizei einsetzen.

Diese Kräfte habe Eppstein im erforderlichen Umfang gar nicht, so Bergold. Die Ordnungspolizisten seien auch mit anderen Aufgaben mehr als eingedeckt. Nach ihrem Eindruck haben die Eppsteiner die Schließung auch ganz gut akzeptiert. Eine Handvoll Beschwerden habe es gegeben - aber Beschwerden gibt es immer. Da nervt die Stadträtin schon eher die Tatsache, dass mehr Müll wild in Wald und Feld abgelagert wird. Ein Drittel mehr als sonst sei es im März gewesen, sagt sie. Wobei sie überzeugt ist, dass daran Auswärtige ihren Anteil haben.

Zurück zum Wertstoffhof: Mit Kelkheim war Eppstein sich schnell einig. "Wir helfen gerne den Eppsteinern", sagt Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger zur Nachbarschaftshilfe. Denn irgendwann werde die Möbelstadt ja vielleicht mal Unterstützung aus der Burgstadt nötig haben. Zu zusätzlichen Kosten für Kelkheim führt die Zusammenarbeit ohnehin nicht - die Mitarbeiter halten fest, welche Mengen aus Eppstein gebracht werden, und darüber wird dann mit Eppstein statt mit Kelkheim abgerechnet.

Deshalb sollen die Eppsteiner sich auch bei der Zufahrt zum Wertstoffhof anmelden und dafür einen Ausweis mitbringen. Das ist auch notwendig, weil montags bis freitags sonst nur Gewerbetreibende in Münster Zugang bekommen. Und eine Warnweste sollte man auch griffbereit haben. Der Wertstoffhof in Kelkheim nimmt ansonsten alles, was man sonst in Bremthal los werden kann.

Wie lange das noch so geht? Sabine Bergold weiß es nicht genau. Sie strebt an, den Bremthaler Wertstoffhof Ende des Monats wieder zu öffnen, womöglich auch etwas früher. Nicht nach Kelkheim gebracht werden kann übrigens Sperrmüll. Bergold blickt daher mit einer gewissen Spannung den nächsten Abfuhrterminen entgegen. Viele haben die letzten Wochen zum Aufräumen genutzt, das könnte sich auch im Sperrmüllaufkommen niederschlagen. Manfred Becht

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