Einbrecherbande geschnappt?

Zwei Eppsteiner Zeugen wurden ihnen zum Verhängnis

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Die Polizei hat vier mutmaßliche Serieneinbrecher gestellt. Dass die Ermittler ihnen so schnell auf die Schliche kommen konnten, verdanken sie auch zwei aufmerksamen Anwohnern aus Eppstein.

VON JULIAN DORN

Vockenhausen -Irgendetwas stimmte nicht mit den beiden Gestalten, die sich an jenem Abend im Februar dieses Jahres auf dem Gelände einer Firma in Vockenhausen herumtrieben. Das merkte der 34 Jahre alte Eppsteiner, der in der Nähe wohnte, rasch. Er alarmierte die Polizei und beschloss kurzerhand, zusammen mit einem Nachbarn nach dem Rechten zu schauen. Von den beiden Männern offenbar aufgeschreckt, ergriffen die beiden Unbekannten die Flucht.

Was die beiden Anwohner, die sich dem Grundstück genähert hatten, zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten: Sie hatten wohl gerade Einbrecher in flagranti erwischt. Den eintreffenden Ermittlern konnten die beiden dann die Kriminellen und deren Fluchtfahrzeug detailliert beschreiben. Die Aussagen der Zeugen führten die Polizei letztlich auf die Spur einer deutschlandweit operierenden Einbrecherbande. "Ihre Angaben lieferten die entscheidenden Hinweise", bestätigt Philipp Cavallaro, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Westhessen in Wiesbaden, auf Anfrage dieser Zeitung. Der Polizeioberkommissar lobte die gute Beobachtungsgabe und Merkfähigkeit der beiden Eppsteiner ausdrücklich.

Drei Tatverdächtige

in Untersuchungshaft

Schon eine Woche nach dem Einbruchsversuch in Vockenhausen klickten dann für vier Männer im Alter von 44, 43, 42 und 29 Jahren in Frankfurt die Handschellen. "Durch gezielte Fahndungsmaßnahmen der Polizeidirektion Main-Taunus und des Polizeipräsidiums Frankfurt", wie Cavallaro weiter berichtet, konnten die Ermittler das Fluchtfahrzeug und den Unterschlupf der Tatverdächtigen ausfindig machen und die vier mutmaßlichen Straftäter unter dringendem Tatverdacht festnehmen. In der Wohnung stellten die Fahnder dann "diverse Spurenträger und Beweismittel" sicher. Welche das genau waren, wollte der Sprecher jedoch aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht sagen.

Eppstein ist bei

Einbrechern beliebt

Bei den weiteren Ermittlungen, an denen auch die Heidelberger Polizei beteiligt war, staunten die Ermittler dann nicht schlecht, denn offenbar waren ihnen dicke Fische ins Netz gegangen. "Die gefundenen Beweise bringen die vier Verdächtigen in Verbindung mit mittlerweile rund 18 Taten", sagt Polizeioberkommissar Cavallaro. Neben Taten in Frankfurt, Hanau, Offenbach, Wiesbaden, Gießen und Eppstein sollen die Männer auch Einbrüche in Heidelberg begangen haben. Ihre Beute soll mehrere Zehntausend Euro wert sein. Auf Anordnung der Frankfurter Staatsanwaltschaft wurden die vier Männer, alle stammen aus der Balkanregion und sind bereits polizeibekannt, einem Haftrichter vorgeführt. Dieser ordnete für drei der vier Verdächtigen Untersuchungshaft an.

Eppstein wird immer wieder Ziel von Einbrechern. In der Burgstadt ist die Anzahl der erfassten Einbrüche in den vergangenen Jahren stetig angestiegen - und das gegen den kommunalen Trend. 2019 waren es 45 Fälle, wovon 8,9 Prozent aufgeklärt wurden. In Kelkheim waren es etwa genauso viele Fälle, aber die Möbelstadt hat auch doppelt so viele Einwohner. 2018 waren es in Eppstein noch 34 Taten, wovon nur eine geklärt werden konnte. Für diesen Trend gebe es mehrere Gründe, so die Polizei. In Eppstein komme man von vielen Stadtteilen aus recht schnell weg, entweder über die Bundesstraße 455 oder gleich auf die Autobahn. Hinzu kommt, dass es dort sehr ausgedehnte Wohnquartiere mit Ein- und Zweifamilienhäusern gibt, in denen wenig Verkehr ist und die Kriminellen ungestört sind.

Die gute Nachricht: Laut aktueller Kriminalstatistik gehörten Einbrüche im vergangenen Jahr nicht mehr zu den häufigsten Delikten. Ob das ein langfristiger Trend ist oder nur der Tatsache geschuldet, dass wegen Lockdowns und Homeoffice die Leute seltener ihr Haus verlassen haben, wird sich erst zeigen.

Bundesweit sinkt die Zahl der Einbruchsdelikte ebenfalls, nachdem sie zuvor jahrelang extrem angestiegen war. Im Jahr 2015 verzeichnete die Kriminalstatistik der Polizei noch bundesweit 167 136 Wohnungseinbrüche und Einbruchversuche. Im Schnitt wurde also alle drei Minuten irgendwo eingebrochen. Die Schadenssumme, für die Versicherungen geradestanden, war seit 2010 um 51 Prozent gestiegen, auf 530 Millionen Euro in 2015. Im Jahr 2019 waren es dann schon nur noch 87 145 Einbrüche in Deutschland - ein sehr niedriges Niveau. Auch im MTK spiegelt sich der bundesweite Trend wider. Die Zahl der Einbrüche sinkt, was die Polizei auf Kontrolldruck und Prävention zurückführt. Im Kreis seien meist regionale Täter am Werk. Gelegentlich steckten aber auch osteuropäische Banden dahinter. Einer davon könnte - dank aufmerksamer Eppsteiner - nun das Handwerk gelegt worden sein.

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