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Daumen hoch! Adnan Shaikh präsentierte sich nach der Auszählung in Eschborn mit seiner Familie, die ihn in den vergangenen Monaten so oft entbehren musste. Ehefrau Susanne sowie die Kinder Laura und Lennart waren gestern an seiner Seite. Im Hintergrund strahlen CDU-Chef Roland Abt (rechts) sowie die Christdemokraten Karlheinz Gritsch und Christian Heinz (leicht verdeckt), ein Landtagsabgeordneter.

Hochspannend und knapp

Adnan Shaikh triumphiert bei Bürgermeisterwahl in Eschborn

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  • Manfred Becht
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Eschborn bekommt im Februar 2020 einen neuen Rathauschef. Er heißt Adnan Shaikh. Bei der Auszählung am Sonntagabend blieb es bis zum Schluss hochspannend und knapp. Um hauchdünne 0,22 Punkte übersprang der Gewinner die 50-Prozent-Marke.

Eschborn – 55,4 Prozent für Adnan Shaikh (CDU), 35,5 Prozent für Mathias Geiger (FDP), 9 Prozent für Fritz-Walter Hornung (Linke) - es war 18.22 Uhr am Sonntagabend (21.10.2019) und damit 22 Minuten nach Schließung der Wahllokale, als das Ergebnis aus dem ersten Wahllokal auf der Leinwand im prall gefüllten Sitzungssaal des Rathauses in Eschborn erschien. 

Es gab Beifall, auch wenn allen klar war, dass das Endergebnis ganz anders würde aussehen können. Lange ließ sich daran zweifeln, dass der spätere Wahlsieger es im ersten Wahlgang schaffen würde. Zwischendurch lagen er und Geiger auch nur um weniger als zwei Prozentpunkte auseinander. Am Ende hatte der 46 Jahre alte CDU-Stadtrat gegenüber dem Amtsinhaber zwar einen satten Vorsprung von 416 Stimmen. Aber mit nur 21 Stimmen weniger hätte er die absolute Mehrheit verfehlt. Wer weiß, was in den zwei Wochen bis zu einem zweiten Wahlgang alles hätte passieren können.

Adnan Shaikh in Eschborn: "Ich bin überwältigt"

"Weitere zwei Wochen Wahlkampf hätte ich nicht so gut gefunden", bekannte Shaikh am Ende des hochspannenden Wahlabends, auch wenn er dies mit seinem Schlafdefizit begründete. Trotzdem äußerte er noch die Absicht, am nächsten Morgen zum Frühsport gegen 5 Uhr aufzustehen. Im Verlauf des Abends stellte sich heraus, dass Shaikh seine Mehrheit vor allem in Niederhöchstadt gewonnen hat - in Eschborn alleine wäre Geiger der Wahlsieger gewesen. In zwei Wahllokalen dort holte Geiger über 60 Prozent, für Shaikh gab es solche Ergebnisse "nur" in Niederhöchstadt. Auch das erste fertig ausgezählte Wahllokal, die Kita Schillerstraße, liegt in Niederhöchstadt. 

Ex-Ministerpräsident Roland Koch (rechts) gratuliert dem Wahlsieger Adnan Shaikh.

"Ich bin überwältigt vom Ergebnis", erklärte Shaikh unmittelbar nach dem Ende der Auszählung, während er die Glückwünsche künftiger CDU-Bürgermeisterkollegen und anderer Politiker aus Stadt und Kreis entgegennahm. Er habe schon damit gerechnet, im ersten Wahlgang gewinnen zu können, so Shaikh. Tatsächlich hatte er genau dies vor Monaten schon bei seiner Vorstellung als Kandidat zum Ziel erklärt. Dies hatte damals überrascht. Es war noch nicht sicher absehbar, dass er die Unterstützung von SPD und Grünen bekommen würde. Ohne diese Unterstützung hätte er den Sieg im ersten Wahlgang nicht geschafft, schätzt er. Außerdem hätten alle Wahlkämpfer an die Grenze der Belastbarkeit und darüber hinaus gehen müssen.

Wahl in Eschborn: Fleiß zahlte sich aus

Wahlverlierer Geiger zeigte sich gefasst und selbstkritisch. "Man muss alle seine Truppen mobilisieren können, und das habe ich nicht geschafft", erklärte der FDP-Politiker. Bei einer höheren Wahlbeteiligung hätte die Abstimmung auch anders ausgehen können. "Jetzt habe ich mehr Zeit für die Familie", sagte er und kann dem Ergebnis damit etwas Positives abgewinnen.

Abgewählt! Noch-Bürgermeister Mathias Geiger, seit Februar 2014 im Amt, lächelte gequält. Der Wahlverlierer von gestern hatte Ehefrau Angela an der Seite.

FDP-Fraktionschef Fritz Krüger ist sich mit Geiger darin einig, dass eine höhere Wahlbeteiligung dem Amtsinhaber genutzt hätte. "Ich bin schon etwas enttäuscht", bekannte Krüger. Er hoffe, dass es nun nicht wieder zu dem Stillstand in der Stadtpolitik komme, den es unter Geigers Vorgänger Wilhelm Speckhardt (CDU) gegeben habe.

Bürgermeisterwahl: "Ein gutes Ergebnis für Eschborn" 

Axel Wintermeyer, Chef der CDU Main-Taunus, sagte, er sei "sehr glücklich", weil es "ein gutes Ergebnis für Eschborn" sei, das nun aus den Schlagzeilen herauskomme. Er "hätte es nicht verstanden, wenn ein erstinstanzlicher verurteilter Mann wiedergewählt worden wäre". Das Geiger-Verfahren um Geheimnisverrat, das auf die Zeit Geigers als Erster Stadtrat zurückgeht, ist nicht rechtskräftig. Es ist beim BGH anhängig. Wintermeyer weiter: "Eschborn hat sich in den vergangenen Jahren zu sehr mit sich selbst beschäftigt." Der CDU-Obere erwähnte unter anderem das Wörtchen "Missgunst". 

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Er hoffe, dass die Stadt nun zu Stabilität finde. Eschborns sichtlich gerührter CDU-Chef Roland Abt musste "erst mal seine Gedanken sortieren". Im Wahlkampf, der "eine harte Kiste" gewesen sei, habe Adnan Shaikh "vieles richtig gemacht" und an "fast jeder Haustür" geklingelt. Sein Parteikollege, so Abt, sei "fleißig und offen" gewesen, habe es aber auch schwieriger gehabt als der Bürgermeister mit Amtsbonus. Mit Blick auf den großen Wahlverlierer merkte der CDU-Vorsitzende an: "Respekt, Herr Geiger!" Der Rathauschef habe "viele Leute mobilisieren" können.

Ein Shaikh-Anhänger, ein Mann mit Kurzhaarschnitt, sagte zu umstehenden Leuten: "Ich könnte noch flennen in meinem Alter."

Weitere Details zur Bürgermeisterwahl in Eschborn können Sie in unserem Ticker nachlesen. 

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