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Mehrere Versuche, Amtsinhaber Mathias Geiger loszuwerden, sind gescheitert. Nun stellt sich der skandalumwitterte FDP-Mann erneut zur Wahl.

Mathias Geiger

Mathias Geiger: Affären, Skandale, Geheimnisverrat

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Politische Intrigen haben in Eschborn für Schlagzeilen gesorgt - doch im Bürgermeister-Wahlkampf ist das kein Thema.

Zwei Mal wollten CDU und Grüne Bürgermeister Mathias Geiger bereits abwählen. Den ersten Versuch starteten die einstigen Bündnispartner ein Jahr nach Geigers Amtsantritt, als die sogenannte Spitzelaffäre aufgeflogen war. Geiger hatte eingeräumt, in seiner Zeit als Erster Stadtrat vertrauliche Akten aus der Stadtverwaltung fotografiert und auf CD gebrannt zu haben, um die aus seiner Sicht „verschwenderische Amtsführung“ seines Vorgängers Wilhelm Speckhardt (CDU) aufzudecken. Über einen befreundeten Anwalt gelangte das brisante Material an die Öffentlichkeit, beeinflusste womöglich die Bürgermeisterwahl 2013. Trotz einer kurzfristig lancierten angeblichen Sexaffäre mit einer Rathausmitarbeiterin gewann Geiger die Stichwahl damals haushoch. Amtsinhaber Speckhardt musste seinen Hut nehmen.

Weil die SPD nicht mitmachte, kam 2015 im Parlament kein Abwahlantrag gegen Geiger zustande. Und auch der zweite Versuch, den FDP-Politiker loszuwerden, war Ende 2018 erfolglos. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte Anklage gegen den 61-Jährigen erhoben, das Landgericht Frankfurt verurteilte Geiger wegen Geheimnisverrates zu einer Geldstrafe. Dieses Mal war die SPD mit im Boot. Die im Parlament nötige Zweidrittelmehrheit kam dennoch nicht zustande.

Das Urteil gegen Mathias Geiger ist nicht rechtskräftig, sein Anwalt hat Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Eine Antwort aus Karlsruhe steht aus. Mathias Geiger gilt nicht als vorbestraft. Im Sommer hat er seine Wiederkandidatur bekanntgegeben für den Chefsessel im Rathaus, Rücktrittsforderungen lehnte er stets ab.

Wahl in Eschborn: CDU-Mann Shaikh siegt über Geiger

CDU, Grüne und SPD wollen eine zweite Amtszeit Geigers unbedingt verhindern. Für sie hat das Ansehen Eschborns in der Öffentlichkeit durch die Spitzel- affäre und andere Skandale im Rathaus schwer gelitten. Immer wieder geriet die Kleinstadt am Westerbach in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen – nicht zuletzt wegen eines kolportierten Sexskandals rund um den ranghöchsten Beamten der Stadtverwaltung und gleich mehreren von Geiger initiierten Kündigungen gegen eine Rathausmitarbeiterin und ehemalige Speckhardt-Vertraute, die vor dem Arbeitsgericht landeten.

Gemeinsam propagieren CDU, SPD und Grüne jetzt einen „Neustart“ für Eschborn. Der christdemokratische Kandidat Adnan Shaikh, den alle drei Parteien unterstützen, soll den Wechsel an der Spitze des Rathauses schaffen. Für die CDU geht es dabei um viel. Eine erneute Niederlage bei der Bürgermeisterwahl kann sie sich nicht leisten. Schließlich hat sie früh die Devise ausgegeben, mit einem Sieg den ihr nach eigenem Ermessen zustehenden „Führungsanspruch in der Eschborner Kommunalpolitik“ wiederzuerlangen. Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch ist in Eschborn zu Hause. Die Stadt galt lange als konservative Hochburg. Die Christdemokraten regierten mit der FDP, bis die gemeinsame Mehrheit 2011 verloren ging und die Grünen zum Koalitionspartner wurden. Nach den Kommunalwahlen 2016 hatte auch dieses Bündnis keine Mehrheit mehr. Die ehemaligen Regierungsparteien saßen plötzlich auf der Oppositionsbank. Abfinden konnten sie sich mit dieser Rolle nur schwer. Umso mehr als sich unerwartet ein Viererbündnis aus SPD, Freien Wählern, FDP und Linken formierte und ein Jahr lang im Stadtparlament das Ruder übernahm. Die Kooperation zerbrach im Sommer 2018. Seither werden im Eschborner Parlament Beschlüsse mit wechselnden Mehrheiten gefasst.

Von Andrea Rost

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