Die Straßenkehrer und der Herr auf den Paletten stehen am Museum/Eschenplatz.
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Die Straßenkehrer und der Herr auf den Paletten stehen am Museum/Eschenplatz.

Ausstellung

"Alltagsmenschen" bereichern kreativ das Stadtbild

  • VonKristiane Huber
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Figuren arbeiten, tanzen oder kaufen ein: Skulpturen von Christel Lechner und Laura Lechner sorgen für fröhliche Gesichter.

Eschborn -Die Eschborner haben ihre neuen "Mitbürger" auf Zeit schon entdeckt, und diese Neuankömmlinge erregen Aufsehen. Kaum ein Passant geht achtlos an ihnen vorbei. Kaum wurden die "Alltagsmenschen" der Künstlerinnen Christel Lechner und Laura Lechner im Stadtgebiet aufgestellt, und schon sind sie Stadtgespräch. Die Eschborner fotografieren sie, setzen sich zu ihnen und haben fröhliche Gesichter, wenn sie vor ihnen stehen. Die Lechner-Skulpturen sind im Skulpturenpark in Niederhöchstadt sowie am Eschenplatz, in der Unterortstraße und auf dem Rathausplatz platziert.

Die Skulpturen üben eine Faszination und Anziehungskraft aus, die auch Kulturreferentin Johanna Kiesel, die sie nach Eschborn geholt hat, positiv überrascht. "Schon beim Aufbau waren Zuschauer wie gebannt von den Figuren", sagt die Rathaus-Mitarbeiterin. "Die sehen aus, als ob sie leben, und hierher gehören", sagt eine Frau im Vorbeigehen am Eschenplatz. "Die Putzfrauen können sie mal bei mir vorbeischicken", ruft sie Johanna Kiesel noch zu. Die Putzfrauen stehen jetzt mit dem Feudel in der Hand am Brunnen am Eschenplatz und wirken so, als würden sie tratschen über das Geschehen um sich herum. In Sichtweite der Putzfrauen gegenüber der evangelischen Kirche haben Straßenkehrer und Bauarbeiter Position bezogen, die man aus dem Augenwinkel gesehen und auf den ersten Blick für so echt hält, als würden sie dort ihr Tagwerk verrichten. Die prägnante Kleidung trägt zu diesem Eindruck bei. Auf der Mauer vor der Kirche lümmelt sich ein junger Mann im T-Shirt entspannt in der Sonne.

Stadtplan für einen Spaziergang

Die "Alltagsmenschen" arbeiten, kaufen ein oder tanzen Polonaise - all das kann bestaunt werden. "Das ist das Beste, was ich seit langem gesehen habe, wie kann ich denn sicher sein, dass ich alle Skulpturen finde?", fragt ein Mann Johanna Kiesel. An den vier Standorten sind Faltblätter ausgelegt, aber es soll noch eine Art Stadtplan für einen Spaziergang entlang der Route der "Alltagsmenschen" nachgelegt werden.

Sobald es die Corona-Vorschriften erlauben, sind auch Veranstaltungen rund um die Lechner-Skulpturen geplant mit Kunstwissenschaftlern und Schauspielern als Akteure. Auch die Künstlerinnen werden nach Eschborn kommen. "Für uns ist das die zentrale Sommerausstellung. Auch weil die Skulpturenbiennale ,Blickachsen' in diesem Jahr ausfällt, hat diese Ausstellung einen besonderen Stellenwert", sagt Kulturreferentin Kiesel. Zwölf Skulpturen, aus rund 50 Einzelfiguren bestehend, die oft zu Gruppen zusammengefügt sind, werden in Eschborn präsentiert.

Bei dem Künstlerinnen-Duo Lechner handelt es sich um Mutter und Tochter, die auf einem Kunst-Hof kreativ schaffen und ihre Werke als "Inszenierungen" verstehen. Christel Lechner (Jahrgang 1947) ist Keramik-Meisterin. Laura Lechner (Jahrgang 1973) studierte Kunst unter anderem als Meisterschülerin bei Peter Doig an der Kunstakademie Düsseldorf. Die leicht überlebensgroßen Figuren, die sie "Alltagsmenschen" nennen, bestehen aus Beton, wobei die Farbgebung eine Rolle spielt. "Gelebtes Leben ist die menschlichste Form der Schönheit" ist das Credo, das Lechners in ihren Skulpturen spürbar machen wollen. Sie eröffnen in ihren Momentaufnahmen, in denen ihre Skulpturen wirken, einen neuen, wertschätzenden Blick auf den Alltag.

Interaktion und Dialog gewünscht

Schon 2017 hat Johanna Kiesel die Werke der Künstlerinnen live gesehen und wollte sie seither auch in Eschborn zeigen: Nun hat es geklappt. Die Künstlerinnen wünschen die "Interaktion" und den "Dialog" mit ihren Skulpturen, die Emotionen ansprechen, sagt Johanna Kiesel. In Eschborn funktioniert das ohne Anleitung: Die Menschen reagieren ganz natürlich auf die Kunstwerke und vereinnahmen sie. Bürgermeister Adnan Shaikh betont, dass gerade in diesen Zeiten "das Gut Kultur wieder zurück in unser Leben finden muss" - mit den "Alltagsmenschen" ist ein guter Schritt dahin getan. 75 000 Euro stehen für das Projekt im Haushalt bereit, das überdies vom Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main gefördert wurde.

Öffnungszeiten

Die Skulpturen-Ausstellung "Alltagsmenschen" ist bis zum 24. Oktober rund um die Uhr zu sehen. Stationen sind der Skulpturenpark, der Eschenplatz, die Unterortstraße und der Rathausvorplatz. Mögliche Einschränkungen durch Corona-Auflagen (Ausgangsbeschränkungen) sind zu beachten.

Mutter und Tochter arbeiten Hand in Hand: Christel und Laura Lechner im heimischen Büro. Sie verweisen auf die Seite https://www.christel-lechner.de/eschborn-ausstellung-2021 im Netz.
Dieses Duo hat an der evangelischen Kirche Platz genommen: Kulturreferentin Johanna Kiesel hat sichtbar Freude an ihrem Sitznachbarn.

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