Prozess

Betreuung war für Trüffelhund Gaudi kein Spaß

Mutmaßliche Tierquäler müssen sich vor dem Amtsgericht verantworten. Drolliger Vierbeiner soll bespuckt und getreten worden sein.

Eschborn -Der niedliche Trüffelhund hieß zwar "Gaudi", doch ein fröhliches Freudenfest wurde für ihn die kurzzeitige Unterbringung bei einer Pflegefamilie in Eschborn gewiss nicht. Übermorgen, am Donnerstag, 4. November, wird es in einem Prozess vor dem Frankfurter Amtsgericht um diese Unterbringung gehen. Den Eheleuten, 37 und 43 Jahre alt, werden umfangreiche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, darunter auch Tierquälerei, zu Last gelegt.

Zwischen Mai 2015 und November vergangenen Jahres soll das Paar in Eschborn ohne die erforderlichen Genehmigungen eine gewerbliche Hundebetreuung unterhalten und damit immerhin rund 92 000 Euro eingenommen haben. Vermutlich wäre die illegale Einrichtung für Vierbeiner niemals bekannt geworden, wäre es nicht im August 2019 zu den schlimmen Übergriffen gegen den Trüffelhund gekommen. Diese Tiere sehen Zwergpudeln ähnlich und werden vor allem in Frankreich und Italien bei der Suche nach den begehrten Pilzen unter der Erde eingesetzt.

An jenem Tag war das Ehepaar mit Hund Gaudi im Auto unterwegs. Als der Fahrer die Tür öffnete, machte der Vierbeiner das, was junge, temperamentvolle Hunde gerne machen - er stürzte freudig bellend am Fahrer vorbei ins Freie. Bei dem "professionellen" Hundebetreuer aber rief dieses absolut normale Verhalten einen Wutanfall sondergleichen hervor: Laut Anklage der Staatsanwaltschaft trat und bespuckte er den drolligen Vierbeiner und nahm schließlich die lederne Hundeleine, mit der er auf den jaulenden Hund einschlug und ihn auch noch am Hals strangulierte.

Relativ kurze Verhandlungszeit

Als Trüffelhund Gaudi zurück in seine eigene Familie kam, wurden Verhaltensänderungen bemerkt. Später konnten auch Spuren der Gewaltanwendung festgestellt werden. Die Hundebesitzer schaltete die Polizei und schließlich auch die Staatsanwaltschaft ein, die Anfang dieses Jahres Anklage erhob.

Beim Amtsgericht rechnet man offenbar nicht mit einem längeren Prozess. Die Terminliste sieht für den Fall lediglich eine Verhandlungszeit von knapp zweieinhalb Stunden vor. Gleichwohl will sich der Richter offenbar ein persönliches Bild von den beiden Eheleuten machen - ein Strafbefehl wurde deshalb offensichtlich nicht erlassen.

"Gaudi" selbst wird - wie bei ähnlichen Prozessen auch - daheim im vertrauten Umfeld bleiben können. Das Gericht klärt den Sachverhalt mit Hilfe von Fotos und tiermedizinischen Gutachten auf. ge

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare