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Üben für eine typische CE-Prüfungsaufgabe: ?Wenden mit Anhänger?. Fahrlehrer Günter Dahlke ist mit dem Ergebnis zufrieden.

Klasse C und CE

Wie ich mal eben den LKW-Führerschein gemacht habe

Um den Lkw-Führerschein zu machen, ist es mit Fahren allein nicht getan. Auch eine Theorieprüfung und jede Menge Papierkram gehören dazu. Außerdem gilt es, die ungewohnten Ausmaße des Fahrzeuges zu beachten. Unsere Mitarbeiterin Stephanie Kreuzer hat sich der Herausforderung gestellt.

„Was willst Du denn damit?“ – ist die Frage, die ich wohl am häufigsten höre, sobald ich im Freundeskreis von meinem Vorhaben erzähle. Zwischen verwundert und komplett verständnislos schwanken die spontanen Reaktionen. Beliebt auch: „Ist das nicht teuer?“ Insgesamt also eher großes Kopfschütteln um mich herum, aber mein Plan steht: Ich werde den Lkw-Führerschein machen, also Klasse C. Für die richtig großen Brummer, mehr als 7,5 Tonnen schwer, denn alles darunter darf ich ja ohnehin schon fahren. Für eine Herausforderung ist es ja nie zu spät, außerdem ist es ewig her, dass ich eine Prüfung ablegen musste. Nun will ich es noch mal wissen, gereizt hat es mich schon lange. „Weil ich Lust darauf habe – und weil ich es kann“, lautet also meine Antwort.

Zwar sind nur knapp zwei Prozent der Berufskraftfahrer in Deutschland weiblich, aber beispielsweise ehrenamtliche Feuerwehrfrauen benötigen einen Lkw-Führerschein, daher ist man bei der Fahrschule gar nicht besonders überrascht. Auch, dass jemand nur zum Spaß die Klasse C machen wolle, komme ab und zu mal vor. Zumindest bei Frauen, erzählt Inhaber Günter Dahlke (52) augenzwinkernd, ich sei da bei ihm die Dritte. Ob ich auch gleich die Klasse CE in Angriff nehmen wolle, also mit Anhänger? Klar, ganz oder gar nicht, und damit bin ich eine von nur sieben CE-Schülern im ganzen Jahr.

Die Anmeldung ist schnell unterschrieben, aber nun gilt es, sich um die notwendigen Papiere zu kümmern, bis hin zum Erste-Hilfe-Kurs und zum Gesundheitscheck inklusive Sehtest. Wer schnellstmöglich einen Lkw-Führerschein benötigt, sollte mindestens zwei Monate einplanen, die man allein schon für die Bewilligung der Papiere braucht, drei Monate insgesamt sind realistischer. Auch muss ich noch mal sechs Theoriestunden für den Pkw-Teil, Klasse B, besuchen, und komme mir unter all den 17-Jährigen etwas verloren vor. Für die Lkw-Aspiranten gibt es zusätzlich einen Crashkurs am Wochenende, und da geht es in erster Linie um das komplexe Druckluftbremssystem und die korrekte Einhaltung von Fahr- und Ruhezeiten.

Nun soll es endlich mit den Fahrstunden losgehen. Der Lastwagen mit seinen 410 PS ist Chefsache, also kümmert sich Günter Dahlke höchstpersönlich um mich. Und natürlich sind wir gleich per Du, unter Truckern halt. Nach der Einweisung in die Abfahrtskontrolle und die nötigen Eingaben am EG-Kontrollgerät – beides auch Bestandteil der praktischen Prüfung – gibt es eine Proberunde im Gewerbegebiet und dann gleich in Richtung Autobahn. Die Schaltung ist gewöhnungsbedürftig, da man insgesamt acht Gänge zur Verfügung hat und zwischen zwei Getrieben hin- und herschalten muss. Und ganz besonders die Abmessungen des Lkws sind es, die mir Kopfzerbrechen bereiten und volle Konzentration erfordern. Nicht nur die Länge ist ungewohnt, speziell die Breite ist gewöhnungsbedürftig.

Auf einmal muss man Verkehrszeichen nicht mehr nur inhaltlich beachten, sondern auch räumlich, denn mit den Seitenspiegeln kommt man denen manchmal erschreckend nah. Kurven und Kreisel zeigen plötzlich ganz spezielle Tücken, vom Gegenverkehr in engen Straßen ganz zu schweigen. Erstaunlich gut allerdings klappen auf Anhieb die beiden Grundfahraufgaben für die C-Prüfung: 90 Grad rückwärts um eine Kurve und schräg rückwärts an eine Laderampe heranfahren. Letzteres dürfen wir übrigens auf dem Gelände von Mann Mobilia in Eschborn ausgiebig üben, denn Filialleiter Stefan Grotelüschen hat ein Herz für Fahrschüler – und verfolgt von seinem Fenster aus daumendrückend so manch unbeholfenen Rangierversuch.

Parallel zu den Fahrstunden bereite ich mich auf die theoretische Prüfung vor, die sowohl den B- als auch den C- und CE-Teil umfasst. Knapp 1000 Fragen sind dafür durchzuackern, per Computerprogramm und Smartphone-App, auch das „Begleitbuch zur Führerscheinausbildung“ habe ich mir zum Nachschlagen gekauft. Etwa drei Wochen lang plage ich mich damit herum, bis der letzte Groschen gefallen ist, aber dann ist diese erste Hürde doch recht locker genommen. Zwar fallen landesweit mehr als 30 Prozent der Führerscheinanwärter durch die Theorieprüfung, aber das betrifft eher die Aspiranten auf die B-Klasse. Bei Günters Schülern sieht die Quote deutlich besser aus, und auch die praktische Prüfung schaffen rund 95 Prozent im ersten Versuch. Wobei er sich mit Schrecken an eine Schülerin erinnert, die zwar nur zwei Prüfungsanläufe, aber sage und schreibe rund 100 Fahrstunden bis dahin gebraucht hat.

Seine C- und CE-Prüflinge fallen bei der Fahrprüfung sowieso fast nie durch, daher liegt die Messlatte für mich ziemlich hoch. Doch alles klappt wie am Schnürchen, sowohl die Rampenaufgabe als auch das Rückwärtseinparken, was ich zuvor nie geübt hatte. Bestanden. Stolz wie Bolle nehme ich nun die restlichen Fahrstunden mit Anhänger in Angriff. „Rückwärts schieben“ und Wenden heißen hier die fahrerischen Herausforderungen, egal, ob man einen Drehschemel- oder Starrdeichselanhänger hat, und so üben wir das ein ums andere Mal. Immerhin bekomme ich Lob von einem uns beobachtenden Lkw-Fahrer: „Die macht das besser als viele Kerle!“

Bei der CE-Prüfung sammle ich dann direkt Bonuspunkte bei der Abfahrtskontrolle nach dem Ankoppeln, daher fällt mein kleiner Blackout, als der Anhänger beim Rangieren kurz in die falsche Richtung schwenkt, nicht weiter auf, und die restliche Strecke – über die Autobahn, durch Alt-Liederbach und zurück über die Limesspange – verläuft reibungslos. Schließlich gratuliert der Prüfer zu einer „souveränen Fahrt“. Geschafft!

Und jetzt? Günter, der alle Führerscheinklassen besitzt und die Herausforderung liebt, beispielsweise einen Fahrschüler innerhalb kürzester Zeit reif für die Prüfung zu machen, wie er mit leuchtenden Augen erzählt, würde mich jetzt gerne noch zum Motorradlernen überreden. Mich reizt eher ein Bus oder Traktor, aber beides hat er leider nicht im Fuhrpark, der immerhin allein 16 Pkw umfasst. Nun fasse ich also erst mal ins Auge, beim Weihnachtspäckchen-Konvoi Anfang Dezember in Richtung Ukraine am Steuer eines Lkw mitzufahren.

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