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Fritz Krüger

Politik

Eine politische Ära geht zu Ende

  • vonManfred Becht
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Generationenwechsel bei der FDP vor der Kommunalwahl: Fritz Krüger legt seinen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung nieder.

Eschborn -Die Frage liegt nahe, warum er die Wahlperiode nicht noch im Amt beendet hat. Immerhin wird im März eine neue Stadtverordnetenversammlung gewählt, bis dahin sind so viele Sitzungen nicht mehr zu absolvieren. Und ob diese alle stattfinden können, daran gibt es wegen der Corona-Pandemie schon Zweifel. Nein, sagt Fritz Krüger. Es gehe darum, bei der FDP vor der Kommunalwahl den Generationswechsel umzusetzen. Darum, dass die Neuen schon etwas Erfahrung in ihren Ämtern bekommen. Deshalb gehört Annette Christoph schon seit ein paar Monaten als ehrenamtliche Stadträtin dem Magistrat an. Deshalb wurde Christoph Ackermann zum neuen Fraktionsvorsitzenden der FDP in der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Und deshalb hat Fritz Krüger seinen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung niedergelegt.

Damit geht eine Ära zu Ende. Krüger gehörte dem Stadtparlament seit 43 Jahren an. Regierung, Opposition, verschiedene Arten der Zusammenarbeit, alles hat er erlebt. Natürlich auch all die Affären und Skandale, mit denen Eschborn über Jahre Schlagzeilen gemacht hat. "Ich habe mich da sehr herausgehalten, das zielte immer auf Personen, nicht auf Sachthemen", sagt er.

Sein eigenes Engagement begann wegen eines Hochhauses. Das Haus steht immer noch an der Überführung der Sossenheimer Straße über die L 3005, und es steht einer einfachen Verbindung zwischen den beiden Straßen im Weg. Über diese Pläne ärgerte sich Krüger in den 70er-Jahren, und deshalb hat er sich der FDP angeschlossen. In die Stadtverordnetenversammlung zog er 1977 ein. Zuvor hatte er mit dem damaligen Bürgermeister Hans-Georg Wehrheim eine Vereinbarung über die Bildung einer sozialliberalen Koalition ausgehandelt - das war damals auf allen Ebenen der Politik ein gängiges Modell. Aber für die SPD setzte es bei der Wahl 1977 eine verheerende Niederlage, in Eschborn gewann die CDU die absolute Mehrheit, das sozialliberale Koalitionspapier war ein Fall für den Papierkorb.

In der FDP will er weiter aktiv bleiben

Viel hat sich politisch geändert seitdem. In der Eschborner Stadtverordnetenversammlung gab es damals drei Fraktionen; heute sind es sechs, dazu noch zwei Einzelkämpfer. Krüger gefällt diese Zersplitterung nicht, aus seiner Sicht führt sie dazu, dass Entscheidungen langwierig und schwierig geworden sind. Die Abschaffung der Fünf-Prozent-Hürde bei den kommunalen Parlamenten sei ein Fehler gewesen, ist er überzeugt.

In Grenzen hält sich auch seine Begeisterung über die politische Konkurrenz. Zur SPD fällt ihm ein, dass er etwas so Schlimmes wie deren kommunales Hilfsprogramm gegen die Corona-Folgen noch nie gesehen habe. Dies ziele eindeutig auf die Kommunalwahl. Die Freien Wähler hätten vergessen, wo ihre politischen Ursprünge lägen, die CDU sei eine schlechtere SPD. Linke und Grüne wiederum sind in ihren Grundpositionen doch sehr unterschiedlich von Krüger, der sich als Liberal-Konservativen sieht. Konservativ in dem Sinne, dass er nichts davon hält, einmal getroffene Entscheidungen ständig wieder in Frage zu stellen.

Etwas Wehmut sei schon dabei, sagt der 78-Jährige. In der FDP werde er auch aktiv bleiben. Richtig findet er die Entscheidung, seine unternehmerische Tätigkeit nicht unterbrochen zu haben, auch als er für zwei Wahlperioden dem Landtag angehörte. Die Familie, Lesen, Reisen, mit diesen Dingen will er mehr Zeit verbringen. Gegenden wie die USA und Südafrika kennt er gut; aber nach Australien und Neuseeland zieht es die Familie. In der Post-Corona-Zeit natürlich.

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