Ottmar Schnee bekam während einer Feierstunde den Landesehrenbrief verliehen.
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Ottmar Schnee bekam während einer Feierstunde den Landesehrenbrief verliehen.

Auszeichnung

Er legte die Grundlage für das Eschborn K mit

  • VonStephanie Kreuzer
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Er gilt als spiritueller Vater vieler Projekte: Ottmar Schnee erhält den Landesehrenbrief für seine umfangreichen Verdienste in Kultur und Gestaltung.

Eschborn -Wurde gerade erst Dr. Manfred Reichert für langjähriges kulturelles Wirken in Eschborn geehrt, war nun ein enger Weggefährte an der Reihe: Für sein beinahe 50-jähriges ehrenamtliches Engagement im Volksbildungswerk und "Eschborn K" und seine umfangreichen Verdienste im Bereich der Gestaltung erhielt Ottmar Schnee in einer kleinen Feierstunde im Eschborner Museum ebenfalls den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Der 69-Jährige lebt inzwischen zwar in Steinbach, aber gilt als spiritueller Vater vieler Projekte, Designs und kultureller Angebote, die in Eschborn heute als ganz selbstverständlich wahrgenommen werden. Nach seinem Abitur in Königstein studierte er an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Fünf Jahre lang war der Diplom-Designer für visuelle Kommunikation als Kunsterzieher an einem Gymnasium tätig, außerdem gestaltete er Museumsausstellungen, Fotokalender sowie Bücher und erstellte experimentelle Kurzfilme.

Fotodokumentationen gefertigt

Seine Liebe zum Medium Film ließ den damals 20-Jährigen 1972 gemeinsam mit einigen Mitstreitern die Grundlage für das heutige "Eschborn K", das zweitälteste kommunale Kino Hessens, legen. "Unsere Idee dabei war, Freiräume für Menschen, die künstlerisch tätig sind, bereitzustellen", beschreibt Schnee diese Initiative. "Diese Freiräume ermöglichten beispielsweise die Publikationen und Plakate zu den Filmen, die anfangs in einer eigens entwickelten Spray-Schablonen-Technik entstanden und sich in Sammlungen von Museen in Deutschland und der Schweiz befinden."

Zahlreiche Veranstaltungsreihen entstanden unter seiner Leitung, ob "DiaAbend", "KinoPlus", "KinoKonzert", "KinoChor" oder "KinoLesung", und selbst für Menschen mit Sehbehinderung wurde ein Format entwickelt. Mit der "Galerie K" wurde eine der ersten und kontinuierlichen kommunalen Galerien im Umkreis eingerichtet. Bis 2019 war er nicht nur für die Auswahl der - überwiegend anspruchsvollen - Filme zuständig, sondern ebenso für die Filmplakate verantwortlich, die er eigenhändig gestaltete. Mit seinem immer zeitgemäßen Stil sorgte er dafür, dass das Kino eine eigene Handschrift bekam, außerdem stellte er eine umfassende und einzigartige Sammlung an Kinoplakaten zusammen. Sogar die Filmgeräte der Anfangszeit des Kinos konnte er schließlich dem Eschborn K stiften.

Als "Schöpfer des modernen Eschborner Logos und der ,Corporate Identity' der Stadt Eschborn" lobte ihn Bürgermeister Adnan Shaikh. "Auch an der Gestaltung unseres Museums hat Ottmar Schnee wesentlich mitgewirkt." Nicht zuletzt fertigte er regelmäßig Fotodokumentationen an, ob über die Stadt und ihre Menschen oder über die Partnergemeinden. In Kursen und Projekten des Volksbildungswerks entstanden unter anderem Foto-, Film- und Videoprojekte zu Eschborner Themen.

Vor zwei Jahren endete auch seine Vorstandstätigkeit für das Volksbildungswerk Eschborn, die er sage und schreibe seit 1975 ausgeübt hatte. In dieser Funktion hatte er auch erheblichen Anteil an der Umsetzung der Skulpturenachse Westerbach. Bereits in den frühen 70er Jahren wurden die ersten Ideen entwickelt, aber erst 1989 konstituierte sich der Förderkreis, und 1992 wurde die erste Skulptur "Steine für Eschborn" - an Ort und Stelle - erstellt. Inzwischen umfasst die Skulpturenachse 16 Kunstwerke, im Skulpturenpark in Niederhöchstadt sind weitere acht zu bewundern.

"Stadt, in der Kultur Visionen hat"

Das noch anstehende Projekt "Museum für Zeitgeschichte" liegt Schnee sehr am Herzen. "Wohl keine andere Kleinstadt außer Eschborn hat alle kulturellen Ereignisse seit dem Krieg durch Prospekte und Plakate so gut dokumentiert", erläutert er. "Die Idee ist, wissenschaftlich zu untersuchen, ob das Geschehen in Hessen, Deutschland, Europa und der Welt das Kulturprogramm einer Kleinstadt wie Eschborn beeinflusst. Wie sah also zum Beispiel das Programm vor, während und nach dem Irakkrieg aus?"

Neben der Skulpturenachse gibt es zwei weitere Säulen, die dieses Museum für Zeitgeschichte ausmachen. Zum einen das "Museum digital", also alle Publikationen des Volksbildungswerks und des "Eschborn K", die online dokumentiert sind, und zum anderen die GeschichtsWerkstatt. "Diese besteht aus Ein-Minutenfilmen, in denen Eschborner Bürger über hiesige Orte, Ereignisse und Menschen berichten. Hier erzähle ich zum Beispiel etwas über Otto Zapf, den weltberühmten Designer, der aus Eschborn stammt."

Für Schnee ist Eschborn "die Stadt, in der Kultur Visionen hat", wie er nicht ohne Stolz formuliert. "Die Stadt hat mir immer den Freiraum geboten, gewisse Dinge zu machen, und die habe ich gemacht!" Doch er betont auch, dass das ohne die vielen ehrenamtlichen Kräfte gar nicht denkbar gewesen wäre. "Uns gemeinsam ist wohl das Gefühl, im ,Eschborn K' immer ,wie vom Universum geküsst' zu sein. Und ich kann mir vorstellen, dass es den Besuchern ähnlich ging."

Ottmar Schnee (Zweiter von rechts) bei der Eröffnung des neuen Eschborn K in der Jahnstraße 3 am 5. März 1994.

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