Verabschiedet sich mit 65 Jahren in den Ruhestand und beendet einen langen Berufsweg: Klemens Kurnoth.
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Verabschiedet sich mit 65 Jahren in den Ruhestand und beendet einen langen Berufsweg: Klemens Kurnoth.

St. Nikolaus

"Es ist große Dankbarkeit in mir"

  • vonBarbara Schmidt
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Ein langer Weg: Gemeindereferent Klemens Kurnoth beendet seinen Dienst nach mehr als 40 Jahren.

Niederhöchstadt -Mehr als 40 Jahre hat Klemens Kurnoth im Dienst des Bistums Limburg Menschen auf wichtigen Abschnitten ihres Lebens begleitet. Als Gemeindereferent und Diakon wollte er weitergeben, was er selbst lebt, was ihn begeistert. "Das war tatsächlich ein langer Weg", schmunzelt er über die Idee des Fotografen dieser Zeitung, ihn genau dort, im "Langen Weg" in Niederhöchstadt, ins Bild zu setzen. Denn der Berufsweg des Klemens Kurnoth kommt Ende dieses Monats an sein Ziel.

Am Anfang stand, wie so oft, ein persönliches Wort, das ihm die Richtung wies: "Kannst Du Dir nicht einen Beruf in der Kirche vorstellen?", wurde der junge Bad Homburger, der in der Pfarrei St. Marien als Messdiener, beim Zeltlager und als Gruppenleiter aktiv war, vom damaligen Jugendpfarrer gefragt. Kurnoth konnte. Und ging nach Freiburg zum Studium.

Was ihm hilft, um aufzutanken

Auf dem langen Berufsweg hat der mit einer Förderschullehrerin verheiratete Vater von drei erwachsenen Töchtern immer mal wieder die Gemeinde und damit den Wohnort gewechselt und viel dazugelernt. Eine Ausbildung zum Supervisor hat Kurnoth ebenso absolviert wie ein Studium zum Diplom-Sozialarbeiter und die zweijährige Vorbereitung auf die Weihe zum ständigen Diakon, ein Amt, das ihm unter anderem ermöglicht, die Taufe zu spenden oder bei einer Trauung dem Paar den kirchlichen Segen zuzusprechen. Zwischenstation auf dem langen Weg, auf dem Kurnoth auch zertifizierter "Pilgerbegleiter" geworden ist, war immer wieder Taizé. Für ihn der Ort, um geistlich aufzutanken - und um vor wichtigen Entscheidungen zur Ruhe und zu sich selbst zu finden.

Seit 1999 ist der heute 65-Jährige in Niederhöchstadt tätig und dort auch mit seiner Familie daheim. Der Pfarrei St. Nikolaus und seinem Berufsalltag sagt er nun zu einem Zeitpunkt Lebewohl, an dem eine Zäsur ansteht: St. Nikolaus wird demnächst Teil der Pfarrei neuen Typs Main-Taunus Ost. Bewegte und zudem nicht leichte Zeiten sind es für die katholische Kirche, in der längst nicht mehr nur der Mangel an Priestern und Pastoralen Mitarbeitern und der Mitgliederschwund Veränderungen nach sich zieht. Die Missbrauchsfälle und ihre Vertuschung und immer wieder Kritik und Anfragen an die eigene Fähigkeit als Kirche eine "semper reformanda", eine sich ständig selbst erneuernde Gemeinschaft der Gläubigen zu sein, belasten. Das geht auch Klemens Kurnoth nicht anders, der zudem noch an die schwierigen Jahre unter Bischof Tebartz-van Elst erinnert.

"Trotz diesem Mist, den wir da erleben", wie er ungeschminkt sagt, hat er nie Zweifel gehabt an seiner Arbeit für diese Kirche, die für ihn vor allem eine Arbeit im Dienst der Menschen ist. Was ihn gehalten und getragen hat? "Es ist die Beziehung zu Christus. Er ist an meiner Seite, einfach dabei. Daraus kann ich heute leben und das macht auch die Hoffnung für morgen aus", ist Klemens Kurnoths Erfahrung. Das anderen weiterzugeben, hat für ihn nichts an Relevanz verloren, weil es Halt und Orientierung gebe im Leben und einfach "großartig" sei.

Gutes Miteinander in Niederhöchstadt

So hat Klemens Kurnoth gerade in der Arbeit vor Ort, auch über Gemeinde- und Konfessionsgrenzen hinweg, viel an gutem Miteinander in Niederhöchstadt erlebt. Als Ökumene-Beauftragter hebt er die kollegiale Zusammenarbeit mit der Andreasgemeinde hervor. Jeder habe seine Stärken, auf die es nicht eifersüchtig zu schielen, sondern froh zu verweisen gelte. Offenheit kennzeichnet für Kurnoth auch das Zusammenspiel zwischen Stadt und Kirchen in Eschborn. Kurnoth, der von sich sagt: "Ich bin eher so der Wirbel-Typ", hat sich auch an ungewöhnliche Projekte gewagt. Der Prozess, St. Nikolaus einen modernen Kreuzweg von einem zeitgenössischen Künstler zu geben, war eines der Spannendsten.

"Es ist eine große Dankbarkeit in mir drin", sagt Klemens Kurnoth im Rückblick auf die lange Wegstrecke, an deren Ziel er nun angelangt ist. Mit seiner Frau Andrea wird er in Niederhöchstadt wohnen bleiben. Aus dem Pfarrhaus ist die Familie schon vor einiger Zeit in eigene vier Wände umgezogen. Was kommt nach dem Abschied, der im Gottesdienst am 25. April offiziell vollzogen werden soll? Das zu überlegen will sich Kurnoth Zeit geben. Wohin indes sein Weg ihn nach dem Beruf führt, und "wie das sein wird", sagt er, "darauf bin ich schon sehr gespannt."

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