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Adnan Shaikh – hier bei einer Pressekonferenz der CDU – kann sich freuen. Die Grünen sind „grundsätzlich bereit“, ihn zu unterstützen. Der Schulleiter hatte sich ihnen vorgestellt und Fragen beantwortet.

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Eschborn: Grüne unterstützen den CDU-Kandidaten

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Sie diskutierten "leidenschaftlich und konstruktiv"Am Ende entschieden sich die Eschborner Grünen vorgestern Abend dafür, bei der Bürgermeisterwahl niemanden aufzustellen. Dabei gab es Leute, die sich für eine Kandidatur interessierten.

Die Zeiten, in denen die einstige Volkspartei SPD ganz selbstverständlich einen Bürgermeister-Kandidaten aufstellte, sind vorüber. Ihre Basis erodierte in den vergangenen Jahren. Dazu kommen örtliche Besonderheiten, die einer Bewerbung abträglich sein können. Wer schlechte Erfolgsaussichten hat, überlegt sich zweimal, ob er sich auf einen kostenintensiven, zeit- und nervenaufreibenden Wahlkampf einlässt. Allem Anschein nach sind dies Überlegungen, die die Eschborner Sozialdemokraten derzeit anstellen.

Bisher ist noch nicht bekannt, ob die Genossen einen Bewerber für die Bürgermeisterwahl am 20. Oktober aufstellen wollen und werden. Dies bestätigte der Vorsitzende Wolfgang Scheifele gestern auf Anfrage. Wann eine Entscheidung fallen werde, sei noch unklar. Es ist also denkbar, dass die Partei mit der zweitgrößten Stadtverordneten-Fraktion (8 Sitze) am Ende einer eingehenden Beratung ohne Kandidaten dasteht.

„Integer und weltoffen“

Für die Eschborner Grünen ist dies seit Montagabend Gewissheit. Ihre Mitglieder haben einstimmig beschlossen, den CDU-Kandidaten Adnan Shaikh zu unterstützen. Der 45 Jahre alte Christdemokrat ist die einzige Person, die ihre Kandidatur bisher offiziell gemacht hat (wir berichteten). Bislang ist nicht bekannt, ob der Überraschungssieger von 2013, der 61 Jahre alte Amtsinhaber Mathias Geiger (FDP), erneut antreten wird. Nach Informationen dieser Zeitung wird der Rathauschef sich noch in diesem Monat offiziell äußern. Den Grünen ist es egal, dass das Kandidaten-Tableau noch nicht vollständig ist. Sie sind sich ihrer Sache sicher. „Eschborn lebt im besonderen Maße von einem internationalen und weltoffenen gesellschaftlichen Umfeld“, teilte die Fraktionsvorsitzende und Sprecherin des Ortsverbands, Bärbel Grade, gestern für ihre Partei mit. „Menschen vieler Nationen leben und arbeiten hier, sind in Eschborn zu Hause. Eschborns Grüne halten Adnan Shaikh für integer, fair und weltoffen.“ Die Grünen weiter: „Wir trauen ihm zu, die Spaltung in Eschborn zu überwinden und das Zusammenleben in unserer auch durch ihre kulturelle Vielfalt geprägte Stadt konstruktiv zu gestalten.“ Adnan Shaikh, der die Heinrich-von-Kleist Schule leitet, steht zudem für Inhalte und Ziele, mit denen sich die Eschborner Grünen identifizieren können. Sie gehen davon aus, dass es mit ihm „gelingen wird, in den Bereichen Umwelt und Mobilität sowie soziale Gerechtigkeit im Hinblick auf Wohnen und Bildung konkrete Vereinbarungen zu treffen, um hier für die Menschen in unserer Stadt spürbare Verbesserungen zu erreichen“. Die Grünen seien daher „grundsätzlich bereit, Adnan Shaikh als Bürgermeister-Kandidaten zu unterstützen“.

Die Grünen nahmen sich seit Ende 2018 immer wieder Zeit, sich zu beraten. Bärbel Grade berichtete am Dienstag, dass die Mitglieder auch vorgestern „leidenschaftlich, konstruktiv und sachlich“ diskutierten. Am Ende stand „ein sehr eindeutiges Votum“, aber sehr wohl stand ernsthaft zur Debatte, dass die Grünen einen eigenen Kandidaten präsentieren. Bei der Kommunalwahl 2016 sackten sie zwar um 4,7 Punkte auf 10,5 Prozent ab. Doch in weiten Teilen Westdeutschlands erleben sie zurzeit einen Höhenflug. „Verschiedene Namen waren bei uns im Rennen“, verriet Bärbel Grade. „Auch meiner war darunter.“ Doch letztlich freundeten sich die Grünen mit dem Gedanken an, sich auf Adnan Shaikhs Seite zu stellen, der mit seinen Überzeugungen „zu unserem Welt- und Gesellschaftsbild“ passe.

Gegenwärtig herrschen in der Stadtverordnetenversammlung wechselnde Mehrheiten. In der Wahlperiode 2011 bis 2016 koalierte Shaikhs CDU mit den Grünen. Die Zusammenarbeit lief nicht reibungslos, aber harmonischer und besser, als es die politischen Widersacher erhofft hatten.

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