+
Rappelvoll war’s auf dem Gelände, als die am Dörnweg gelegene Heinrich-von-Kleist-Schule ihre Auszeichnung erhielt. In den vorderen Reihen saßen viele Frauen und Männer aus der Eschborner Kommunalpolitik.

Gesamtschule

Heinrich-von-Kleist-Schule trägt das Gütesiegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

  • schließen

Sind junge Menschen unpolitisch? Das lässt sich nicht ohne weiteres behaupten – schon gar nicht beim Blick auf Eschborn: Dort machen Kinder und Jugendliche gegen Diskriminierung mobil.

Man hätte es „Friday for Future“ nennen können, wenn der Begriff nicht schon von einer anderen Jugendbewegung genutzt würde: Denn am Freitag war an der Heinrich-von-Kleist-Schule richtig was los. Die Gesamtschule mit Oberstufen-Zweig erhielt das Gütesiegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, und weit mehr als 1000 Schüler setzten durch ihre Anwesenheit bei der Feierstunde auf dem Campus ein Ausrufezeichen dahinter. Dicht gedrängt standen die Kinder und Jugendlichen beieinander. Köpfe reihten sich an Köpfe.

Lehrer bilden sich fort

Die Schule sei prädestiniert dafür, eine Schule ohne Rassismus zu sein, sagte ihr Leiter Adnan Shaikh: Im Kollegium sind 19 verschiedene Nationalitäten vertreten, und mehr als 40 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund.

Am Anfang des Weges, der am Freitag nicht seinen End-, aber doch einen Höhepunkt hatte, stand eine Fortbildung einiger Lehrer zum Thema „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ vor drei Jahren. Der Faden wurde später unter anderem bei einer Diskussionsveranstaltung im Kleist-Forum der Schule weitergeführt. Vor allem aus der Schülerschaft heraus festigte sich daraufhin der Wunsch, sich klar gegen Ausgrenzung und für kulturelle Vielfalt zu positionieren, berichtete Shaikh.

„Immer wieder sind Menschen Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt“, sagte Elizabet Hristova. Sie ist eines von derzeit neun Mitgliedern der Antirassismus-AG, die von den beiden Lehrern Paul Lins und Benjamin Dörr geleitet wird. „Deswegen ist es uns so wichtig, über diese Themen zu lernen und uns gegenseitig darüber auszutauschen.“ Wenn man wisse, wie Rassismus, Diskriminierung und gruppenbezogene Vorurteile in der heutigen Gesellschaft aussehen und man den geschichtlichen Hintergrund verstehe, dann könne man auch etwas dagegen tun.

Es gibt formelle Kriterien

In den vergangenen Jahren sei vor allem der Antisemitismus wieder ein stärkeres Problem geworden, ergänzte Mitschüler Marcel Rolfers: „Daher wollten wir Kontakte zu jüdischen Mitbürgern knüpfen.“ In der I.E. Lichtigfeld-Schule, einer privaten Ganztagsschule der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, stießen die jungen Leute aus Eschborn auf offene Ohren. Mittlerweile haben sich Schüler beider Einrichtungen gegenseitig besucht, sie sind miteinander ins Gespräch gekommen. Auch der Feierstunde am Freitag wohnten Vertreter aus der Frankfurter Schule bei.

Daneben gibt es auch formale Kriterien, die erfüllt werden mussten, um das Gütesiegel des Vereins Aktion Courage zu erlangen. Dazu zählen regelmäßige Projekte und Aktionen zum Thema. Darüber hinaus müssen sich mindestens 70 Prozent aller Menschen, die in der Schule lernen und arbeiten, mit ihrer Unterschrift verpflichten, aktiv gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule einzutreten. Mittlerweile haben sich dem Netzwerk bundesweit rund 3000 Schulen angeschlossen.

Ehre und Ansporn

„Eine Studie der Uni Leipzig hat im vergangenen Jahr festgestellt, dass rassistisches Gedankengut in Deutschland wieder auf dem Vormarsch ist“, berichtete Benjamin Dörr. Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, sei mittlerweile aber Realität. Zudem gebe es Untersuchungen, die belegen, dass Erfahrungen von Diskriminierung und Rassismus den Lernerfolg negativ beeinflussen. „Die Schüler der AG haben an vielen Aktivitäten freiwillig und zum großen Teil in ihrer Freizeit teilgenommen“, unterstrich sein Kollege Paul Lins. Ihre Triebfeder seien nicht Anwesenheitspflichten oder Notendruck, sondern weil es ihnen wichtig ist, sich zu engagieren.

Alle Redner betonten, dass die Auszeichnung Ehre und Ansporn zugleich ist, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Gefeiert wurde schließlich auch: Die Frankfurter Hip-Hop-Gruppe „Azzis mit Herz“ hatte die Patenschaft für die Aktion übernommen und heizte den Schülern und Lehrern zum Ferienbeginn richtig ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare