Bitte mal den Kofferraum öffnen! Eine Beamtin und ihr Kollege kontrollieren einen Mercedes-Fahrer in Badeschlappen. Sie tragen Warnwesten, um besser erkennbar zu sein.
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Bitte mal den Kofferraum öffnen! Eine Beamtin und ihr Kollege kontrollieren einen Mercedes-Fahrer in Badeschlappen. Sie tragen Warnwesten, um besser erkennbar zu sein.

Verkehr in Eschborn

Main-Taunus-Kreis: Hier kontrolliert die Polizei oft und gerne

  • vonDavid Schahinian
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Meist befahrene Route im Main-Taunus-Kreis: An der Sossenheimer Straße in Eschborn-Süd gehen der Polizei immer Sünder aller Art ins Netz.

  • Mit der Sossenheimer Straße hat Eschborn eine der meist befahrenen Routen im Main-Taunus-Kreis.
  • Die Polizei kontrolliert an der großen Kreuzung vor der A66-Auffahrt regelmäßig.
  • Verkehrssünder gehen den Ermittlern in Eschborn fast immer ins Netz.

Eschborn – Der junge Mann hat geweitete Pupillen. Er wirkt nervös, während er an der Sossenheimer Straße eine Polizeikontrolle über sich ergehen lässt. Aber abweisend oder aggressiv ist er nicht. Der Autofahrer zeigt sich kooperativ - dies ist in der Regel ein gutes Zeichen. Wer etwas zu verbergen hat, mauert gerne mal.

Der freiwillige Urintest, der ausschließlich bei einem Anfangsverdacht angeboten wird, läuft erstaunlich unkompliziert ab: Ein paar Schritte ins Gebüsch, Wasser marsch - und fertig. Ein Polizist behält den Fahrer im Auge.

Kontrollen in Eschborn-Süd: Polizei zieht verdächtige Autofahrer heraus

Tatsächlich ist dem Verkehrsteilnehmer nichts nachzuweisen. Der Teststreifen zeigt in allen fünf Feldern, die für unterschiedliche Drogen stehen, kein auffälliges Ergebnis. Warum ist der Fahrer angespannt? "Viel Stress, ein langer Tag, Übermüdung", spekuliert Dienstgruppenleiter Janko Holtz und zählt mögliche Gründe auf, die das nervöse Verhalten und Erscheinungsbild des Mannes erklären können.

Ein Beamter sitzt in einem Polizei-Kleinbus und überprüft mit Hilfe eines Laptops die Fahrzeugpapiere und Personalien.

Es ist Mittwochabend, die Dämmerung bricht über Eschborn-Süd herein. Polizeiautos stehen quer auf der Straße. Orange-weiße Leitkegel kanalisieren den Verkehr. Beamte picken sich nahe dem Hellweg-Baumarkt Fahrzeuge und Fahrer heraus, die ihnen verdächtig vorkommen. Ein grau melierter Herr mittleren Alters wirkt souveräner als der nervöse junge Mann, zeigt sich aber zunächst etwas störrisch. Schließlich willigt er doch ein, freiwillig zu pusten und einige Tests mitzumachen, die schnell entlarven, ob ein Mensch seine Sinne noch gut beisammen hat. Drei Gläser Wein hatte er getrunken, das hat der Kronberger mittlerweile eingeräumt. Die Atemalkoholbestimmung ergibt 0,52 Promille. Die Polizisten schlagen dem Autofahrer, der keine Ausfallerscheinungen zeigt, vor, acht bis zehn Minuten zu warten und dann noch einmal zu pusten. Ist der Wert dann gesunken, ist der Fahrer noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Ist der Wert weiter angestiegen, muss der Fahrer für die Ordnungswidrigkeit geradestehen.

Kontrollen in Eschborn-Süd: „Manche drehen ab, die hätte ich gerne“

Rückblende: Zwei Stunden zuvor sitzen die Eschborner Polizisten bei der Einsatzbesprechung in der Wache. Drei Kollegen aus Kelkheim sind dabei, insgesamt umfasst die Truppe zehn Frauen und Männer. Funkgeräte werden verteilt und vier Duos gebildet, die später auf dem teilweise abgesperrten Rechtsabbiegerstreifen in das Gewerbegebiet Eschborn-Süd die stadteinwärts fahrenden Fahrzeuge kontrollieren. Auch die Position der Einsatzfahrzeuge wird festgelegt - eines soll sich in entgegengesetzter Fahrtrichtung aufstellen. "Mit Blickrichtung Autobahn. Manche drehen ab, die hätte ich gerne", gibt der Einsatzleiter Janko Holtz vor.

Die Ordnungshüter wollen sich auf WED konzentrieren - das ist Polizeisprache. Die drei Buchstaben stehen für Wohnungseinbruch-Diebstahl. Spätestens mit Beginn der dunklen Jahreszeit nehmen solche Fälle rapide zu. Zwar gehen bundesweit die Einbrüche seit Jahren zurück, weil sich die Vorsorgemaßnahmen an Wohnungen und Häusern bessern, die Menschen vorsichtiger geworden sind und die Polizei stärker kontrolliert. Aufklärungskampagnen bei Seniorenveranstaltungen und Wochenmärkten wirken. Dennoch bleiben Wohnungseinbrüche ein Thema.

18-2-6 ist die Zahlenkombination, auf der die Kontrolle am Mittwoch basiert. Damit ist ein Absatz im Hessischen Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG) gemeint. Die sogenannte Schleierfahndung erlaubt verdachtsunabhängige Kontrollen - allerdings nur dort, wo es zum Beispiel handfeste Hinweise auf grenzüberschreitende Kriminalität gibt. Die Sossenheimer Straße ist eine Landesstraße, grenzt an die A 66 und gehört zu den meistbefahrenen Routen im Main-Taunus-Kreis. Dort befindet sich ein riesiges Gewerbegebiet - das größte im MTK. Fündig wird die Polizei immer, wenn sie in dieser Gegend kontrolliert. "Wir haben hier einen hohen Durchfluss und außerdem viel Platz", erklärt Kommissarin Jennifer Girnus.

Polizei kontrolliert ohne Blaulicht in Eschborn (Main-Taunus-Kreis)

Die Kontrollstelle ist schnell eingerichtet, Routine. Dann geht's los. Erfahrene Kräfte sondieren den Verkehr und entscheiden, wer herausgewunken wird und sich ein paar Meter weiter befragen lassen muss. Manche Autofahrer tasten sich betont langsam vorbei, als sie die Polizeiautos erspähen. Sie sehen fast so aus, als ob sie hinterher drei Kreuze machen würden. Andere geben direkt hinter der Kontrollstelle Gas, vielleicht um irgendwem irgendwas zu beweisen. Die überwiegende Zahl der Autofahrer sei aber freundlich und habe Verständnis für die Maßnahmen, weiß Girnus: "Wir wollen hier niemanden unnötig festhalten."

Die Blaulichter sind bei Dunkelheit ausgeschaltet, um nicht aus weiter Entfernung auf sich aufmerksam zu machen. Hell genug ist es an der Stelle trotzdem.

Eschborn: In drei Stunden Kontrolle soll Zählbares herumkommen

"Die Kollegin bleibt bei Ihrem Fahrzeug, da kommt nichts weg", versichert ein Beamter einem skeptischen Autofahrer, während er sich mit dem Fahrzeugschein in einen Polizei-Kleinbus setzt. Dort steht der Laptop, an dem die Polizisten Abfragen einspeisen und Personalien prüfen können. Eine UV-Lampe hilft dabei, gefälschte Fahrzeugpapiere zu identifizieren. "Die Fälschungen werden immer besser", wissen die Polizisten aus leidiger Erfahrung. Die Funkgeräte funken auf einem eigenen Kanal, um die Kollegen im Streifendienst nicht zu stören.

Auch an diesem Abend sind ihnen während der gut dreistündigen Kontrolle wieder einige „Fische“ ins Netz gegangen. Bleibt die Frage: Freuen sich die Polizisten eher, wenn sie nichts finden - oder wenn sie etwas finden? Beides sei gut, wägt Janko Holtz ab. Im ersten Fall zeige es, dass die Verkehrsmoral gut ist. „Andererseits sollte für uns natürlich schon etwas Zählbares dabei herumkommen.“ (Von David Schahinian)

In Eschborn ist die neue Abfahrt von der A66 seit Jahren in Planung. Der Bau läuft schon – einen Termin für die Fertigstellung gibt es nun auch.

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