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Fehlende U-Bahn: Gondeln von der A5 nach Praunheim sollen Abhilfe schaffen

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"Park and Ride" außerhalb der Umweltzone? An der A5 nördlich von Praunheim böte es sich an. Was fehlt, ist ein U-Bahn-Anschluss des Rastplatzes "Taunusblick". Der Regionalverband hat gestern vorgeschlagen, diese Lücke mit einer Seilbahn zu überbrücken.

Thomas Horn (CDU) und Rouven Kötter (SPD), der Vorsitzende des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main und der Erste Beigeordnete, sind gestern mit einem spektakulären Vorschlag in die Diskussion um drohende Fahrverbote in Frankfurt eingestiegen: Seilbahnen sollen Pendler vom Park-and-Ride-Platz zur nächstgelegenen Station der U-, S- oder Straßenbahnen bringen. In dieser Zeitung hatte Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) vor einigen Tagen vorgeschlagen, solche Pendlerparkplätze auszubauen – auch als Reaktion auf drohende Dieselfahrverbote ab Februar 2019.

„Für Pendler“, so Horn, „ist es wichtig, dass sie morgens ihr Fahrzeug abstellen können und zügig zu ihrem innerstädtischen Frankfurter Arbeitsort gelangen. Es braucht daher drei elementare Voraussetzungen: Eine gute Verkehrsanbindung, um zu den Parkplätzen zu kommen, große Parkplatzkapazitäten und schnelle weitere Beförderungsmöglichkeiten in die Innenstadt.“ Kötter fordert: „Wir müssen die enormen Herausforderungen in Sachen Mobilität ohne Denkverbote anpacken.“

Die beiden schlagen ein Parkhaus am Rastplatz „Taunusblick“ nördlich von Praunheim vor – und dann eine Gondelseilbahn bis zur U-Bahn-Endstation Heerstraße. Der zweite Vorschlag: Eine Seilbahn vom Eintracht-Parkplatz zur Straßenbahn-Station „Stadion“. „Kein Mensch läuft morgens unter Zeitdruck einen Kilometer durch den Wald“, ist Horn sicher. Mit dieser Anbindung ließe sich ein Teil des Autoverkehrs aus Frankfurt heraushalten – nicht nur alte Diesel, die vielleicht ohnehin bald nicht mehr hinein dürfen.

Horn erklärt, Seilbahnen bräuchten maximal 18 Monate bis zu iher Fertigstellung, die Kosten betrügen nur einen Bruchteil jener einer Schienenstrecke, der Platzverbrauch sei geringer. Und vor Gericht hätte die Stadt ein Argument, wenn sie bei der möglichen Berufungsverhandlung wegen des Fahrverbots auf die Seilbahn-Pläne verweist.

„Seilbahnen wie jene in Koblenz sind barrierefrei, da kann man sogar mit dem Rollstuhl, dem Rollator und dem Kinderwagen einsteigen“, so Horn. „Als Regionalverband sind wir eine Lobby für die Pendler.“

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), der die Diskussion in dieser Woche begonnen hatte, war gestern telefonisch nicht zu erreichen. Sein Referent Thomas Erhart konnte zum Vorschlag des Regionalverbands nichts sagen. Erfreut äußerte sich hingegen Manfred Kuehmichel, der den Rastplatz „Taunusblick“ an der A 5 betreibt. „Eine Seilbahn wäre eine Lösung“, sagte er. Sein Rastplatz auf Eschborner Gemarkung wäre optimal für „Park and Ride“: Täglich fahren 70 000 Autos auf der A 5 aus Richtung Norden in Richtung Frankfurt. „Wenn nur 2500 von ihnen nahe des Rastplatzes in Parkdecks parken, ist Frankfurt schon entlastet“, sagt Kuehmichel.

Was dafür bislang fehlt, ist der U-Bahn-Anschluss. Denn einige hundert Meter weiter südlich, in Frankfurt, enden die Gleise der U -Bahn Linie 6 nördlich der Station Heerstraße in einer Wiese. Die U 6 sollte in den 70er Jahren weitergeführt werden bis Steinbach. Aus Geldmangel wurde der Bau auf Eis gelegt. Eine etwa 50 Meter breite Unterführung unter der A 5 ist schon da, die Trasse ist schon gegraben – und führt südlich am Rasthof „Taunusblick“ vorbei. Was fehlt, sind Schienen und die Oberleitung.

Thomas Erhart vom Verkehrsdezernat, glaubt nicht, dass die U-Bahn-Verlängerung rasch kommt. „Es ist völlig offen, wann die U 6 verlängert wird, es gibt dazu auch keine konkreten Pläne“, sagte er. „Da muss auch abgewartet werden, wie sich die Pläne zum nahe gelegenen neuen Stadtteil entwickeln.“

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