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Aufwendig war für die Feuerwehr die Suche nach Glutnestern in den angrenzenden Gebüschen.

Brandwalze

Feuer vernichtet Winter-Weizen auf Eschborner Feld

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Wegen der schwierigen Wasserversorgung waren große Tankfahrzeuge im Einsatz. Dreieinhalb Stunden hatten 65 Feuerwehrleute zu tun, um den Brand zu löschen

Alles ist schwarz, kohlrabenschwarz. Kaum ein Halm steht noch. Es riecht verkohlt. Die Felder sind platt, der Winter-Weizen ist zerstört und verbrannt. Mittendrin springen einsame Inseln mit hellen Halmen ins Auge. Traurig und verloren stehen die Stängel herum, die nicht vernichtet wurden. Ein Feuer hat gestern auf rund 10 Hektar Ackerfläche an der Steinbacher Höhe in Eschborn gewütet.

Einen Brand vom Kaliber des Donnerstagvormittags hat selbst ein altgedienter und jahrzehntelang erfahrener Landwirt wie Karlheinz Gritsch noch nicht erlebt. Dass Stroh-Schwaden zunichtegemacht wurden, ist ihm schon untergekommen. Erst kürzlich brannte ein Stoppelfeld am Bahnhof Eschborn-Süd. Aber dass ein Feuer die Ernte aufgefressen hat, sei für ihn neu, erzählt der Eschborner Ortslandwirt und beziffert den Schaden für sich und seinen Berufskollegen Heinz O. Christoph auf vorläufig rund 30 000 Euro.

Karlheinz Gritsch und sein Sohn Carsten waren gestern Morgen gerade drauf und dran, sich auf den Mähdrescher zu schwingen und die Ernte einzuholen, als die Feuersbrunst ausbrach und die Brandwalze in Windeseile Quadratmeter für Quadratmeter erfasste. „Wir waren schon abfahrbereit“, schildert Karlheinz Gritsch. Am Donnerstag wehte ein laues Lüftchen, das das Feuer immer weiter anfachte. Erschwerend kam hinzu, dass sich der Wind immer gedreht habe, sagt der Landwirt, kann aber in einem Punkt Entwarnung geben: Maschinen wurden nicht beschädigt. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei und der Feuerwehr niemand.

Als diese Zeitung am frühen Nachmittag mit Gritsch redete, meldete er: „Das Feuer ist aus.“ Fast drei Stunden vorher sah die Sache noch anders aus. Weithin sichtbar zogen dunkelgraue bis schwarze Rauchwolken in den blauen, nur sehr leicht bewölkten Horizont hinauf. Die Schwaden, die durch die Luft waberten, waren kilometerweit zu sehen und zeichneten sich vorm Taunus-Kamm ab.

Die Freiwilligen Feuerwehren rückten gegen 10.45 Uhr mit einem Großaufgebot an: Eschborn, Niederhöchstadt, Bad Soden, Steinbach, Kronberg, Oberhöchstadt und Oberstedten schickten 65 Kameraden an den Einsatzort. „Das Problem hier draußen auf den Feldern ist die Wasserversorgung“, sagt Eschborns Stadtbrandinspektor Stefan Leder. Die Hydranten sind weit weg. „Deswegen brauchten wir viele Großlösch-Tankfahrzeuge“, berichtet Eschborns oberster Feuerwehrmann. So ein Wagen habe etwa 4000 Liter Wasser an Bord. Immer wieder mussten Fahrzeuge in den Ort fahren, um Nachschub zu holen. „Das war wie ein Pendelverkehr“, sagt Stefan Leder und ergänzt: „Drei Landwirte zogen Brandschneisen um das Gelände, um ein Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Das war sehr hilfreich für uns.“ Als alles gelöscht, die Glutnester ausgemerzt und aufgeräumt war, waren fast dreieinhalb Stunden vergangen.

Die Eschborner Gemarkung sei zwar so „ziemlich abgeernet“, erzählt Karlheinz Gritsch. Aber die Feuergefahr besteht nach wie vor. Erst vor wenigen Tagen hatte auch die Freiwillige Feuerwehr Sulzbach vor Feldbränden gewarnt. Kreislandwirt Karlheinz Gritsch bittet Radfahrer, Spaziergänger und Hundebesitzer eindringlich, in Wald und Flur kein Glas, keine Zigarettenkippen oder sonstige leicht entzündliche Gegenstände wegzuwerfen. Vor allem bei Glas könne der Brennglas-Effekt auftreten: Sonnenlicht fällt auf eine gebogene, gläserne Oberfläche. Die Hitze bündelt sich und wird reflektiert. Trifft sie zum Beispiel auf Papier oder knochentrockene Pflanzen kann ein Feuer ausbrechen.

„Wir haben derzeit etwa fünf Feldbrände pro Woche“, sagt Johannes Neumann, Pressesprecher der Polizei Main-Taunus. Die Ermittler gehen davon aus, dass die meisten Feuer nicht vorsätzlich gelegt worden seien. Auch beim Eschborner Feldbrand gebe es keine Hinweise auf Brandstiftung.

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