Adnan Shaikh (CDU) mit ausladender Geste auf einer Pressekonferenz. Der Bürgermeister ist seit Mitte Februar 2020 im Amt, hat also ein gutes Jahr als Rathauschef hinter sich.
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Adnan Shaikh (CDU) mit ausladender Geste auf einer Pressekonferenz. Der Bürgermeister ist seit Mitte Februar 2020 im Amt, hat also ein gutes Jahr als Rathauschef hinter sich.

Zwischenbilanz

Freude paart sich mit Gegenwind

  • vonAndreas Schick
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Der Bürgermeister ist zufrieden mit dem ersten Jahr.Er gibt sich aber auch selbstkritisch.

Eschborn -Langsam ist dieses Wortspiel ausgelutscht. Manche Leute machen sich einen Spaß daraus, den Namen des Eschborner Bürgermeisters Adnan Shaikh (CDU) zu verballhornen. Sie witzeln über den "Scheich". Dreimal laut gelacht. Ob diejenigen, die den Uznamen verwenden, sich lediglich einen Jux machen oder doch schon die Grenze zur Diskriminierung überschreiten, sei dahingestellt. Zum Schenkelklopfen ist die Abwandlung nicht gerade geeignet.

Im Übrigen tut es wenig zur Sache, ob ein Bürgermeister Shaikh, Geiger oder Speckhardt heißt. Für den seit gut einem Jahr amtierenden Rathauschef gilt dasselbe wie für alle seine Vorgänger: Er ist an der Qualität seiner Arbeit und am Führungsstil zu messen. Namen, Geschlecht oder Herkunft spielen für eine Bewertung keine Rolle.

Nun hat der gebürtige Sauerländer Adnan Shaikh sich seinen Einstieg an der Spitze der Verwaltung gewiss anders vorgestellt. Doch kaum war der ehemalige Schulleiter Mitte Februar 2020 in Amt und Würden, da schlitterten Deutschland und die Welt in die Corona-Krise, die schnell auch den Alltag im Eschborner Rathaus durcheinanderwirbelte.

Mit offenen Armen empfangen

Welchen Anteil hat der Umgang mit der Pandemie an seiner Arbeitszeit eingenommen? "Das kann ich schwer einschätzen", antwortet der Bürgermeister, denkt nach und beziffert das Aufkommen vorsichtig mit einem Viertel bis einem Drittel. Es geht seit fast einem Jahr darum, unter höchst ungewöhnlichen Bedingungen die Arbeit der Verwaltung und der politischen Gremien zu gewährleisten sowie aufs Homeoffice und auf Video- und Telefonkonferenzen umzustellen, die Notbetreuung in den Kitas zu organisieren, aber auch Luftfilter und Masken zu beschaffen.

Als hilfreich habe sich der rege Austausch auf Bürgermeister-Ebene erwiesen, berichtet Mathias Geigers Nachfolger, der im Oktober 2019 die Direktwahl gewonnen hatte. Die Krise habe die Rathauschefs zusammengeschweißt, urteilt der 47 Jahre alte Shaikh. Sie lernen voneinander und sprechen ihr Corona-Vorgehen ab.

Trotz der Corona-Einschränkungen sei er mit seinem ersten Jahr als Bürgermeister sehr zufrieden, erzählt der Christdemokrat. Er empfinde "sehr große Freude" an der Aufgabe. Zum einen, weil er im Rathaus mit offenen Armen empfangen worden sei, zum anderen weil er mit seiner Mannschaft "auch unter widrigen Umständen" gut im Dienste der Stadt zusammenarbeite.

Shaikh räumt unumwunden ein, auf manchen Gebieten "mangelnde Erfahrung" vorzuweisen. Doch das Verwaltungspersonal, gerade die langjährigen Kräfte, gehen ihm bereitwillig zur Seite, wie er dankbar betont.

"Noch intensiver kommunizieren"

Shaikh beanstandet, dass von außen gelegentlich Dinge "postuliert werden, die haarscharf an der Wahrheit vorbeigehen". Auf Nachfrage liefert er ein Beispiel, das dieser Tage hinter den Kulissen für Diskussionsstoff sorgt. Die SPD erklärte kürzlich: "Da es zurzeit wohl zu Engpässen bei der Verteilung und Beschaffung kommt, spenden Mitglieder der SPD-Fraktion 200 FFP2-Masken an die Kinderbetreuungseinrichtungen, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten." Für Shaikh schwingt in dieser Aussage und der dazugehörigen Pressemitteilung der SPD mit, dass "Mängel bei der Arbeitssicherheit" im Rathaus und in der Verwaltung bestehen. Mitnichten sei dies so, versichert Shaikh und betrachtet die Angelegenheit "im Lichte der Kommunalwahl" am 14. März. Es gebe in Corona-Zeiten "genügend Masken" fürs Personal. Arbeitsschutz werde großgeschrieben. Die SPD suggeriere etwas, das nicht zutreffe.

Der SPD-Stadtverordnete Bernhard Veeck, der im Bürgermeisterwahlkampf 2019 massiv für Shaikh geworben hatte, wiederum entgegnet, seiner Fraktion sei es gezielt um FFP2-Masken gegangen. Es gehe nicht um Wahlkampf, sondern um Fürsorge. Shaikhs Unterstellung sei unzutreffend. Das Masken-Beispiel zeigt, dass das Verhältnis zwischen der CDU und der SPD Risse bekommen hat.

In der Stadtverordnetenversammlung gibt es keine Koalition. Das soll sich ändern, wenn es nach der CDU geht. Shaikh sagt, ihm schwebe "eine gute und stabile Koalition mit einer sehr starken CDU" vor. Wohlweislich nennt er keine Namen von möglichen Partnern. Aber wenn die Eindrücke nicht schwer täuschen, liebäugeln Union und Grüne damit, sich zusammenzutun, wenn es für eine Mehrheit reicht. Eine Koalition führe zu mehr "Zielkonsequenz", glaubt Shaikh. Ein gemeinsamer Plan könne besser abgearbeitet werden. Das heiße nicht, Ideen einer Opposition "reflexartig abzulehnen".

Shaikh vermarktete sich 2019 als Person, die verschiedene Interessen zusammenführen und ausgleichend wirken kann. Beim Thema "Galerie am Rathaus" klappte dies sichtlich nicht. Shaikh hat entschieden, die Galerie in der "Neuen Stadtmitte" zugunsten eines Bürgerbüros aufzugeben und ihr andere Räume zur Verfügung zu stellen. Derzeit steht das Stadtmuseum als neue Bleibe zur Diskussion. Kunst- und Kulturschaffende, aber auch einige Fraktionen protestierten und fühlten sich von Shaikh übergangen. Der Gegenwind war und ist heftig. Er frage sich in der Galerie-Debatte selbstkritisch, an welcher Stelle er "mehr hätte kommunizieren" müssen, sagt der Bürgermeister und ergänzt, er sei "weit weg davon, unfehlbar zu sein". Er wolle künftig darauf achten, "noch stärker und intensiver zu kommunizieren". Shaikh hebt hervor, dass nach der Fertigstellung des Neubaus Stadthalle/Sanierung Rathaus sowohl die Galerie als auch das Bürgerbüro dort einziehen sollen. Dies decke sich mit dem Willen des Magistrats und der Stadtverordneten.

Shaikh versichert, die Fraktionen einzubinden. Er tage regelmäßig mit den Fraktionvorsitzenden. "Ich nenne es unsere kleine Elefantenrunde." Warum der Mechanismus bei der Galerie nicht funktionierte, bleibt unklar.

Während andernorts die Finanzen aus dem Ruder laufen, kam Eschborn im Corona-Jahr ungeschoren davon. Die Gewerbesteuereinnahmen, mit 170 Millionen Euro geplant, überflügelten den Ansatz um weit mehr als 60 Millionen Euro. Gerade bei der Deutschen Börse, einem hochpotenten Zahler, liefen die Geschäfte prächtig. "Wir sind sehr froh darum", formuliert Shaikh zurückhaltend und verweist im selben Atemzug darauf, dass Eschborn in Form der Umlageverpflichtungen einen enormen Solidarbeitrag an den Main-Taunus-Kreis leiste.

Ein Preisanstieg, der ärgerlich ist

Ohne Hiobsbotschaften lief das erste Shaikh-Jahr nicht ab. Die Seniorenimmobilie am "Rapp-Kreisel" verteuert sich um zig Millionen Euro. Dies sei ärgerlich, sagt Shaikh, bleibe aber nicht aus, weil die Baupreise steigen. Zwischen Planung und Bauen liege oft "eine beträchtliche Zeitspanne". Diese "Disziplin" beherrscht Eschborn gut, wie ein Beispiel belegt. Die Alte Mühle gehört der Stadt seit 2007, ohne dass sie saniert wurde. Für Shaikh genießt das Vorhaben daher hohe Priorität: "So weit wie jetzt waren wir noch nie." Die Fertigstellung ist laut Stadt für "Ende 2023/Anfang 2024" vorgesehen. Näher liegt die Einweihung des Bürgerbüros am 9. März. Das ist der Dienstag vor der Kommunalwahl. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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