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Fraktionschefin Regine Seidel (rechts) mit den Neulingen Carsten Sausner, Amin Boulaich und Carmen Candia-Beery (von links).

Kommunalpolitik

FWE verpasst sich eine Auffrischung

  • vonAndreas Schick
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Mit neuen Kräften wollen die Freie Wähler mindestens so gut sein wie 2016. Drei dieser Mitglieder stellen sich vor.

Eschborn -Jede Partei tut gut daran, sich um Neuzugänge zu bemühen und frische Ideen aufzunehmen. Manchmal schmeckt es den Altvorderen nicht, wenn da plötzlich jemand aufkreuzt und Gedanken äußert, die nicht mit den bisherigen Vorstellungen korrespondieren. Geschadet haben neue Impulse noch nie. Ohne erfahrene Kräfte, die wissen, wo es langgeht, läuft der Laden aber auch nicht reibungslos. Die Mischung macht's. Das sagen sich auch die Freien Wähler Eschborn/Niederhöchstadt (FWE). Sie ziehen mit bewährtem Personal in die Kommunalwahl am 14. März 2021, aber sie scheuen sich nicht, neuen Gesichtern die Chance auf ein Mandat zu ermöglichen. Drei dieser Mitglieder stellten sich gestern dem Kreisblatt vor.

Der Mathematiker Carsten Sausner (49) ist ein Eschborner, der 2018 zur FWE stieß und rasch ins politische Geschehen hineinschnupperte. Er wolle sich nicht "auf den hinteren Plätzen verstecken" und sei bereit, aktiv und als Mandatsträger mitzuarbeiten, betont der Schachspieler, der bei der Landesbank Hessen-Thüringen beschäftigt ist und zu den ihm wichtigen Themen unter anderem Wohnraum und Verkehr zählen. Oft besucht er als Zuhörer die Sitzungen der politischen Gremien. Sausner mochte sich "mit den landes- und bundespolitischen Parteien nicht identifizieren", daher wendete er sich den Freien Wählern zu.

Ähnlich argumentiert Carmen Candia-Beery (40), die einst in den USA Jura studierte und bei einem Finanzdienstleister tätig ist. Sie sagt, bei der FWE könne sie unabhängig von bundes- und landespolitischen Vorgaben mitarbeiten. Der FWE attestiert sie "einen realistischen Blick" auf die örtlichen Gegebenheiten. Als Elternbeirätin und Angehörige des Stadtelternbeirats ist die Niederhöchstädterin mit Gremienarbeit vertraut. Nicht von ungefähr weiß die Mutter eines Sohnes um die Anliegen rund um Familie, Kinder und Jugendliche. Da spielt auch das Thema Verkehr hinein, bei dem Eschborn einige Brennpunkte aufweist. Carmen Candia-Beery erzählt, dass die Verkehrssicherheits-AG des Stadtelternbeirats sich für sichere Wege für Kinder und Eltern engagiere.

Der Generation junger Erwachsener und Heranwachsender ist Amin Boulaich (19) am nächsten. Der ehemalige Schulsprecher der Heinrich-von-Kleist-Schule hatte zu seiner Gymnasialzeit "erste Berührungspunkte mit der Politik". Naturgemäß hat der angehende Jura-Student eine Nähe zu jungen Leuten, die mitunter sagen, dass sie "mit der eigenen Stimme und der eigenen Meinung keinen Anschluss finden können". Das hat der bei TuRa Niederhöchstadt spielende Hobbyfußballer aus dem Kreis Gleichaltriger gehört. Die Altersgenossen lägen aber falsch, urteilt der Abiturient. Er verweist auf seinen Einstieg bei der FWE, der er bescheinigt, "nah am Bürger" zu sein. Eine nette Randnotiz sei angemerkt: Boulaich war Schulsprecher zu einer Zeit, als Eschborns seit Februar 2020 amtierender Bürgermeister Adnan Shaikh (CDU) noch die Kleist-Schule leitete. Politisch sind der Ex-Rektor und der Ex-Schüler nun also Konkurrenten.

Die Fraktionsvorsitzende Regine Seidel, die am 14. März ebenfalls wieder auf der Liste steht, sagt, ihre FWE stelle zur Kommunalwahl 2021 "eine noch besser aufgestellte Truppe" auf als 2016. Damals ergatterte die FWE fünf Sitze (12,5 Prozent). Dies sei "das Minimum", das die FWE für den 14. März anpeile.

"Gut gefahren" ohne feste Mehrheiten

Derzeit besteht in der Eschborner Stadtverordnetenversammlung keine Koalition. Seit das FWE-Bündnis mit SPD, FDP und Linken Ende Juni 2018 platzte, müssen sich die Fraktionen miteinander arrangieren. Dieses Prinzip wechselnder Mehrheiten erfordert mehr Zeit, mehr Geduld und mehr Absprachen. Es ist für Seidel aber ein "fruchtbarer Prozess", der die "Blockbildung überwunden" habe und sich als produktiv erweise. Die FWE hat nach eigenen Angaben 22 Mitglieder. Ihre Fraktion schrumpfte kürzlich auf vier Personen, weil der Stadtverordnete Dirk Steinhäuser seinen Austritt erklärte und am 14. März für die SPD antreten wird. Neulich gab's bereits eine FWE-Kandidatenliste, auf der Steinhäuser unter ferner liefen auftauchte. Nun tagen die Freien Wähler im November noch einmal, um die Liste endgültig festzuzurren. Carmen Candia-Beery Amin Boulaich und Carsten Sausner dürften prominente Plätze erhalten, ebenso Regine Seidel sowie Ausschussvorsitzender Dietrich Buß, Seniorendezernent Helmut Bauch und dessen Magistratskollegin Lilli Becking. Das Wahlprogramm ist in Arbeit.

Wären wechselnde Mehrheiten ein Prinzip, das für Regine Seidel auch nach der Wahl 2021 in Frage kommt? "Ich kann mir das vorstellen. Eschborn ist damit gut gefahren."

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