Natalia Stankiewicz, Initiatorin der Spendenaktion, beim Verpacken der Spenden. Bürgermeister Adnan Shaikh hilft tatkräftig mit.
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Ukraine-Krieg: Natalia Stankiewicz, Initiatorin der Spendenaktion, beim Verpacken der Spenden. Bürgermeister von Eschborn, Adnan Shaikh, hilft tatkräftig mit.

Hilfsbereitschaft im Krieg

Spendenaktion in Eschborn für Ukraine: „Gemeinsam können wir viel mehr bewegen“

  • VonStephanie Kreuzer
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Eschborner zeigen große Hilfsbereitschaft bei einer privaten Spendenaktion für die Ukraine. Bürgermeister Adnan Shaikh packt mit an.

Eschborn – "Drive through" heißt es vorige Woche zwei Nachmittage lang auf dem kleinen Parkplatz direkt vor dem ASB im Notfallzentrum. Doch wer vorfährt oder in der kleinen Schlange, die sich ab und zu bildet, geduldig wartet, will sich keinen Burger oder Pommes holen. Vielmehr werden zahlreiche nützliche Dinge, verpackt in Tüten oder Kisten, hergebracht - und so öffnet sich eine Kofferraumklappe nach der anderen.

Manch einer kommt auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Wieselflinke Helfer, darunter viele Freiwillige vom ASB und der Feuerwehr sowie städtische Mitarbeiter, nehmen die Waren entgegen und reichen sie weiter nach hinten. Dort stehen für alle gesuchten Warengruppen große Kartons, jeweils beschriftet in drei Sprachen: Deutsch, Polnisch und Ukrainisch. Denn gesammelt werden Sachspenden, die den Opfern des Ukraine-Krieges zugutekommen sollen. Geplant ist, dass ein Teil davon direkt ins Land gebracht wird, einiges bleibt aber auch hier, um Flüchtlingen den Start in Eschborn zu erleichtern.

Während sich also die Autos leeren, füllt sich im Hintergrund das Lager, und man sieht, dass sich keiner hat lumpen lassen, denn es handelt sich überwiegend um hochwertige und teils sogar nagelneue Produkte. In erster Linie wird Kleidung abgegeben, vor allem warme Jacken, Hosen und Pullover, aber es finden sich auch Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe. Alles wird vorsortiert nach der Zielgruppe - Männer, Frauen und Kinder. Außerdem gibt es reichlich Bettwäsche und -decken sowie Schlafsäcke und Isomatten.

Spendenaktion für die Ukraine in Eschborn: Palettenweise Lebensmittel

Des Weiteren stapeln sich etliche elektronische Geräte wie Ladekabel, Powerbanks und Batterien sowie Taschenlampen und auch Kerzen und Streichhölzer. Sogar Spielsachen werden gebracht, und ganz besonders begehrt sind Medikamente, Verbandsmaterial und Mittel zur medizinischen Erstversorgung sowie Hygieneartikel wie Seife, Zahnpasta und -bürsten, Toilettenpapier, Duschgel und Shampoo, Cremes, Feuchttücher und Waschmittel. Für Babys werden Nahrung, Windeln und Wickelunterlagen gespendet, und selbst Krücken lehnen an der Wand.

Besonders überraschend ist, dass zum Teil palettenweise Lebensmittel, die gerade erst gekauft worden sind, abgegeben werden. Konservendosen, Zucker, Nudeln, Reis, Haferflocken, Kekse, Schokolade, Getränke, Kaffee, Tee und vieles mehr, zählt Sarah Albrecht von der Stadt Eschborn auf und betont, dass es sich dabei jeweils um Spenden von Privatleuten handelt: "Die Hilfsbereitschaft ist so groß wie schon lange nicht mehr. Viele Leute wollen in dem Rahmen, der ihnen möglich ist, etwas geben, auch wenn es manchmal nur Kleinigkeiten sind."

Nicht nur für sie ist es ein Herzensprojekt, die Initiatorin dieser Hilfs- und Spendenaktion, Natalia Stankiewicz, zu unterstützen. Die Ukrainerin lebt seit 2013 in Eschborn und hält nicht erst seit Kriegsausbruch engen Kontakt zu ihrer Heimat, in der noch ihre Eltern, Schwester, Freunde und Bekannte leben: "Ich bin dann rasch aktiv geworden und habe Bürgermeister Adnan Shaikh angeschrieben, ob es auch hier eine Möglichkeit gibt, um zu helfen."

Aktion für Spenden in Eschborn: Helfer aus der Ukraine holen die Sachen ab

Der ließ sich nicht lange bitten, fühlte doch auch er sich angespornt durch die große Hilfsbereitschaft für die Menschen in und aus der Ukraine. Ruckzuck war eine größere Aktion organisiert und kommuniziert - und der ASB mit den dafür geeigneten Räumen ins Boot geholt, denn bei Stankiewicz stapelten sich zu Hause schon die Sachspenden. "Mit einer gebündelten Aktion können wir gemeinsam viel mehr bewegen und die Bedürftigen unterstützen", bekräftigt Bürgermeister Shaikh, der auch direkt mit anpackt und beim Verpacken der Waren hilft.

Geplant ist nun, dass in den kommenden Tagen Helfer aus der Ukraine kommen und die Sachen abholen, da das logistisch als die beste Alternative herausgestellt hat, wie die 33 Jahre alte Stankiewicz erzählt. Vor Ort wird dann in kleinere Fahrzeuge umgeladen, damit möglichst viele Leute erreicht werden: "Insbesondere Medikamente, Hygieneartikel und Lebensmittel werden dort sehr dringend benötigt." (Stephanie Kreuzer)

In Schwalbach wurde zudem ein beliebtes Gasthaus und Hotel zur Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine.

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