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Die Eschbornerin Katharina Port ist im Vorstand des Frauenbundes für alkoholfreie Kultur aktiv.

Infoveranstaltung am Mittwoch

Katharina Port vom Frauenbund für alkoholfreie Kultur spricht über Suchtproblematik

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Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums nehmen 18 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen riskante Mengen Alkohol zu sich. Der Deutsche Frauenbund für alkoholfreie Kultur geht das Problem geschlechtsspezifisch an.

Kirsch-Gletscher, Lissudo oder Hugoline – die alkoholfreien Getränke klingen lecker und geheimnisvoll. Empfohlen werden sie, mitsamt Zubereitungsanleitung, vom Deutschen Frauenbund für alkoholfreie Kultur. Ein weiterer Drink, die Grüne Ottilie-Bowle, weist auf die Gründerin des Vereins hin: 1900 hatte Ottilie Hoffmann den damals noch sogenannten Deutschen Bund abstinenter Frauen ins Leben gerufen, da sie erfahren hatte, wie Alkohol die Hemmschwelle heruntersetzt und die Gewaltbereitschaft erhöht.

Das Thema ist aktueller denn je, berichtet die stellvertretende Bundesvorsitzende Katharina Port. Am Mittwoch um 15 Uhr ist sie auf Einladung des VdK-Ortsverbands Eschborn im Atrium der Seniorenanlage im Spessartweg zu Gast, um über den Frauenbund und seine Ziele zu sprechen. Willkommen sind sowohl Frauen als auch Männer. Die Alkohol- und Suchtproblematik sei bei Frauen anders ausgestaltet, erklärt die Eschbornerin einen Grund, warum der Verein geschlechtsspezifisch ausgerichtet ist. So unterscheide sich etwa das Trinkverhalten maßgeblich von dem der Männer.

Diese tränken Alkohol häufig außerhalb der Familie, während Frauen eher heimlich und im wahrsten Sinne des Wortes im stillen Kämmerlein zur Flasche griffen. Trotz allem wollten sie meist die

Familie zusammenhalten

– und hätten beispielsweise Angst, dass ihnen ihre Kinder weggenommen würden, wenn ihre Sucht öffentlich wird. Ein weiterer Punkt: „Frauen reden untereinander sehr viel offener über das Thema als in gemischten Gruppen.“

Auch wenn sich der Frauenbund vor allem für die Prävention einsetzt, unterstützt er auch bei frauenspezifischen Problemen mit der Alkoholsucht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beratung von Ko-Abhängigen, in diesem Fall also Frauen, die unter der Sucht ihres Partners oder eines nahen Familienangehörigen leiden. Die Mitglieder sind oder waren entweder selbst betroffen oder als Angehörige mit einer Suchterkrankung im Familienkreis konfrontiert. So begann auch Katharina Port, sich mit dem Problem zu beschäftigen. Auf der Suche nach Informationen wurde sie über Mundpropaganda auf den hessischen Landesverband des Frauenbundes aufmerksam. Seit sechs Jahren ist sie Mitglied und wurde dort stellvertretende Vorsitzende, vor drei Jahren übernahm sie diese Funktion auch im Bundesverband. Unter anderem absolvierte sie eine neunmonatige Ausbildung zum ehrenamtlichen Suchtgefährdetenhelfer, um entsprechende Beratungen anbieten zu können.

„Wir sind aber darauf angewiesen, dass sich Frauen, die Hilfe suchen oder brauchen, bei uns melden“, hebt Katharina Port hervor. Betroffene, die bereit sind, sich helfen zu lassen, können sich, auf Wunsch auch anonym, bei dem Verein melden. Die Kontaktdaten sind auf der Webseite abrufbar, zudem wird Port am Mittwoch auch Info-Material mitbringen. Von den Beratungsgesprächen des Vereins dringe nichts nach außen: „Wir haben uns zu Stillschweigen verpflichtet.“

Mit der Veranstaltung des VdK Eschborn hofft sie auch, den Deutschen Frauenbund für alkoholfreie Kultur bekannter zu machen. In Hessen gibt es da noch Luft nach oben, während er etwa in Nordrhein-Westfalen oder Bremen schon stärker Fuß gefasst hat. Und wenn sie noch einen Wunsch freihätte? „Ich würde mir wünschen, dass die Gesellschaft viel bewusster mit Alkohol umgeht, und dass es mehr Aufklärung über die Folgen des Konsums in der Öffentlichkeit gibt.“ Den Zugang zu Alkohol weiter zu beschränken sei dagegen „ein Wunschtraum, der sich wohl nicht erfüllen lässt“, glaubt sie.

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