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Knapp 1,8 Millionen Euro für 1,3 Kilometer

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Von: Andreas Schick

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Sie lassen die nasse Erde fliegen (von links): Hessen-Mobil-Präsident Heiko Durth, Verkehrsstaatssekretär Jens Deutschendorf sowie die Bürgermeister Steffen Bonk (Steinbach) und Adnan Shaikh (Eschborn) beim gestrigen Spatenstich an der L 3367. Im Hintergrund: Niederhöchstadt. Grundstücke für das Projekt hatte die Stadt Eschborn schon in früheren Jahren erworben.
Sie lassen die nasse Erde fliegen (von links): Hessen-Mobil-Präsident Heiko Durth, Verkehrsstaatssekretär Jens Deutschendorf sowie die Bürgermeister Steffen Bonk (Steinbach) und Adnan Shaikh (Eschborn) beim gestrigen Spatenstich an der L 3367. Im Hintergrund: Niederhöchstadt. Grundstücke für das Projekt hatte die Stadt Eschborn schon in früheren Jahren erworben. © Knapp

Seit mehr als 20 Jahren lässt er auf sich warten. Im Juni soll der neue Radweg nach Steinbach fertig sein.

Niederhöchstadt - Vorbildlich! Eschborns Erste Stadträtin Bärbel Grade (Grüne) hat sich weder von dunklen Wolken noch von der steifen Brise abschrecken lassen und sich auf ihr Lastenrad geschwungen. Diese Wahl der Anreise passt zum Anlass: Am Dienstagmorgen steht der symbolische Spatenstich für den künftigen Radweg zwischen Niederhöchstadt und Steinbach an. Die örtliche Prominenz, die hohen Gäste aus Wiesbaden und die Presse präsentieren sich weniger sportlich: Sie rücken mit Autos an, um an der L 3367 einen langersehnten Baubeginn einzuläuten.

Auch Fußgänger dürfen ihn nutzen

Zwischen dem Eschborner Stadtteil und der benachbarten Hochtaunus-Stadt entsteht in den kommenden Monaten ein 1,3 Kilometer langer Radweg, der an der Landesstraße entlangführen wird. Er beginnt am Ortsausgang von Steinbach, erstreckt sich nördlich der L 3367 und endet am Skulpturenpark Niederhöchstadt, wo er in die "Grüne Achse Westerbach", ein Naherholungsgebiet, übergeht. Er wird 2,75 bis 3 Meter breit sein und fordert Opfer: Ackerstreifen fallen weg, in Höhe der Niederhöchstädter Wohnbebauung werden zahlreiche Bäume und Sträucher beseitigt.

Eschborns Bürgermeister Adnan Shaikh (CDU) hebt hervor, dass der asphaltierte Weg mit einer cleveren LED-Beleuchtung ausgestattet sei. Dank Bewegungssensoren schalten die Lampen sich nur ein, solange der Radweg im jeweiligen Abschnitt befahren wird. Sonst bleibt das Licht aus. Das spart Energie und reduziert die Lichtverschmutzung, die vor allem Vögel und Insekten irritieren kann. Eine Kontaktschleife im Boden ermöglicht es, Radfahrer und Fußgänger zu zählen. Auch Fußgänger dürfen den Weg nutzen. Zurzeit ist das Radeln zwischen Steinbach und Niederhöchstadt kein Vergnügen. Es geht durch Feld und Flur. Die Wege sind gerade bei mieser Witterung teils glitschig. Eschborns Bürgermeister sagt, er beobachte gelegentlich Fußgänger und Fahrer mit unbeleuchteten Rädern, die sogar im Dunkeln entlang der Landesstraße unterwegs seien. Solche gefährlichen Kapriolen soll es bald nicht mehr geben.

Der Bau des Radweges sei eine "Investition in die Zukunft", die dazu beitrage, das Radfahren "einfacher, attraktiver und sicherer" zu machen, sagt Heiko Durth, Präsident von Hessen Mobil. Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, verkündet die Fertigstellung für den Juni dieses Jahres. Hessen Mobil und die Stadt Eschborn verwirklichen das Vorhaben gemeinsam. Die Stadt Eschborn ist federführend bei der Planung. Ursprünglich sollte Steinbach das Heft in die Hand nehmen. Doch schließlich kristallisierte sich heraus, dass die Eschborner Verwaltung besser in der Lage ist, das Projekt zu stemmen.

Das Land Hessen trägt die Kosten

Steinbachs Bürgermeister Steffen Bonk (CDU) lobt die Vernetzung von Radwegen "über die eigene Stadt hinaus". Er freut sich, dass Steinbach keinen Cent zuzahlen muss, sondern von Fördermitteln profitiere. Seine Stadt sei nicht so gut betucht wie das vermögende Eschborn, das aber ebenfalls "ungeschoren" davonkommt: Das Land Hessen trägt alle Ausgaben. Hessen Mobil veranschlagt "knapp 1,8 Millionen Euro" für den Radweg. Das Land stellt allein 2022 13 Millionen Euro für den Bau neuer Radwege entlang hessischer Landesstraßen zur Verfügung. 2021 waren es nach Aussage von Jens Deutschendorf acht Millionen Euro, die fast ausgeschöpft worden seien. Eine weitere Erhöhung auf 17 Millionen im Jahr sei für 2024 geplant. Das Landes-Radwege-Programm ist nach Angaben der Beteiligten "ein erfolgreiches Beispiel für Kooperationen" zwischen dem Land auf der einen sowie den Städten und Gemeinden auf der anderen Seite.

Die Steinbach-Niederhöchstadt-Verbindung hat eine lange Vorgeschichte. Eschborns Rathauschef räumt ein, dass "seit mehr als zwei Jahrzehnten" über den Bau des Radwegs gesprochen wurde. Shaikh: "Was lange währt, wird endlich gut." Mal mangelte es den Verwaltungen an der Stringenz, das Projekt anzugehen und umzusetzen. Mal fehlten Planer und Ingenieure in den Fachabteilungen.

Ausreichend Personal zu finden sei ein "limitierender Faktor", weiß der Eschborner Bürgermeister. Sowohl Hessen Mobil als auch die kommunalen Verwaltungen suchen bisweilen händeringend nach Ingenieuren und Architekten. So manches Bauprojekt kommt aus diesem Grund nicht in die Gänge.

Wie wird sich der neue Radweg ins künftige Radschnellweg-Netz einfügen, an dem der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main tüftelt? Gar nicht. Die Steinbach-Niederhöchstädter Strecke sei nicht Teil der neuen Routen, die der Verband in enger Abstimmung mit vielen Kommunen ausarbeitet. Es sei ein Einzelprojekt.

Inzwischen herrscht Sonnenschein auf der Anhöhe nach Steinbach. Bei Wind, aber im Trockenen steigt Bärbel Grade auf ihr Fahrrad und fährt davon. Das ist keine Schaunummer für die Presse. Die Grünen-Politikerin radelt gerne und viel.

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