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"Knecke" seilt sich ab

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Karl-Heinz Niemann vergnügt sich fröhlich an der Seilrutsche des Abenteuerspielplatzes, seiner jahrzehntelangen Wirkungsstätte.
Karl-Heinz Niemann vergnügt sich fröhlich an der Seilrutsche des Abenteuerspielplatzes, seiner jahrzehntelangen Wirkungsstätte. © Knapp

Er nimmt viele Erinnerungen mit: Karl-Heinz Niemann vom Abenteuerspielplatz verabschiedet sich in den Ruhestand.

Eschborn -"Kinder haben ein ganz natürliches Verhältnis zur Natur, und ich wünsche mir, dass sie noch mehr in der Natur sind und ihrem inneren Impuls, in der Natur zu sein, folgen", sagt Karl-Heinz Niemann. Denn Kinder hätten das Recht auf freies und selbstbestimmtes Spielen, dies müsse verteidigt werden. Diese Aufgabe wird wohl künftig sein ehemaliges Team übernehmen, denn der Sozialpädagoge, der sich mehr als 30 Jahre lang maßgeblich um den Abenteuerspielplatz in den Oberwiesen gekümmert hat, ist in Rente gegangen. Es sei der richtige Zeitpunkt gewesen, sagt der 64-Jährige, der ein gutes Team hinter sich weiß, das die Arbeit weiterführen wird.

"Natürlich ist mir der Abschied schwer gefallen, jeder Abschied ist schwer", so Niemann, der erklärt, "dass es jedes Mal so war", wenn Kinder nicht mehr kamen, weil sie irgendwann in ein Alter kommen, in dem sie der Abenteuerspielplatz nicht mehr interessiert. Er habe viele kommen und gehen sehen, und es sei auch kein Einzelfall geblieben, dass Kinder als Erwachsene ihre eigenen Kinder zum Abenteuerspielplatz brachten. "Dieser Platz ist einem Großteil der Eschborner Bürger bekannt, sie haben enge Kontakte zum Abenteuerspielplatz. Es war immer schön, ganze Familien kennenzulernen. Menschen in der Mitte aufzunehmen. Dies war eine zentrale Bestätigung unserer Arbeit." Es sei wichtig, gerade Kindern eine Teilhabe zu ermöglichen und zu fördern.

Er habe stets Freude daran gehabt, Kinder zusammenzuführen und sie zum selbstständigen Handeln zu motivieren. Der Abenteuerspielplatz habe eine Bedeutung für die Entwicklung der Kinder, sie erführen dort Unterstützung, eine verlässliche Betreuung, sie könnten sich dort verwirklichen. "Die Vielseitigkeit hat sich bewährt. Ich hoffe, dass er auch in Zukunft erhalten bleibt." Er nehme viele Erinnerungen mit, sagt Niemann, den viele einfach nur "Knecke" nennen. An Feste beispielsweise, als sich Kinder in großen Gruppen austoben konnten. Vor allem aber auch an die Zeit der Pandemie, die eine besondere Zeit sei. "Corona hat die Kinder stark belastet, sehr verunsichert und traurig gemacht, das bewegt einen."

"Kindern viel Zeit widmen"

Sie befänden sich in einer Entwicklungsphase, "die enorm wichtig ist. Wir sollten ihnen viel Zeit widmen und unsere besondere Aufmerksamkeit darauf richten". Auch Sorgen und Bedenken der Eltern, die sie vor ihren Schützlingen zu verbergen suchten, bekämen die Kinder besser mit, als geahnt. "Maske aufsetzen, auf Distanz gehen und Abstand halten, ist nicht kindgerecht. Wir Erwachsenen halten uns an die Regeln, um durch die Corona-Krise zu kommen. Doch Kinder suchen gerade die körperliche Nähe und könnten es als Zurückweisung empfinden und sich schuldig fühlen, weil sie die Zusammenhänge nicht verstehen. Ich hoffe daher sehr, dass wir diese Zeit bald überwunden haben." Umso wichtiger sei es, Kindern Raum zum selbstbestimmten Spielen zu ermöglichen. "Eltern sollten die Kinder mehr machen lassen, etwa auf das Eltern-Taxi verzichten, sie den Schulweg alleine meistern lassen und auch ein aufgeschlagenes Knie akzeptieren. Wir sollten die Interessen der Kinder ernster nehmen."

Nun freut sich Karl-Heinz Niemann, der in Offenbach lebt, auf den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. So habe er beispielsweise ein großes Interesse an der solidarischen Landwirtschaft entwickelt, und auch seiner großen Leidenschaft, dem Radfahren, will er künftig mehr nachgehen und auch mehr Musik machen. Er möchte sich, wenn es wieder erlaubt ist, stärker in der Stadt engagieren. So könnte er sich vorstellen, sich an der Arbeit in einem Bioladen zu beteiligen. "Ich möchte einfach interessiert bleiben", sagt Niemann, der zum Abschluss sagt: "Doch ich werde mich an viele schöne Situationen am Abenteuerspielplatz in Eschborn erinnern." nay

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