Gespräch mit den Darstellern

Komödie "Unsere Frauen": Freundschaft und Selbstbetrug

Beim Pokern gesteht ein Mann seinen zwei Kumpels, gerade seine Frau erwürgt zu haben. Er bittet die beiden Anderen um ein falsches Alibi. Das Kreisblatt unterhielt sich nach der Aufführung in Eschborn mit den drei Darstellern, die diesen Stoff auf die Bühne brachten. Facettenreich war dieses Gespräch.

Angesprochen auf das gerade mal wieder zu Ende gegangene Dschungelcamp, reagiert er schmallippig. Über seine eigene Teilnahme an diesem TV-Promi-Abenteuer im australischen Nirgendwo vor sechs Jahren mag er schon gar nicht reden. „Wichtigere Dinge“ liegen ihm am Herzen, ob Trump, Flüchtlinge oder die Bankenkrise in Frankfurt. Die Stadt am Main kennt Schauspieler Mathieu Carrière (66) seit etlichen Jahren, und er freut sich, dass er das Gastspiel in Eschborn nutzen kann, um einen alten Freund zu treffen. Dieser habe schon mit Daniel Cohn-Bendit und Joschka Fischer die ersten Steine geworfen, erinnert er sich. Der so angekündigte Otmar Hitzelberger, Filmemacher aus Frankfurt, hat heute allerdings auch kein Problem damit, sich als Begleiter von Carrière im Dschungelcamp zu „outen“.

Für die vorletzte von über 100 Vorstellungen von „Unsere Frauen“ war Mathieu Carrière gemeinsam mit seinen Schauspielkollegen Justus Carrière, gleichzeitig sein Cousin, und Ulrich Bähnk nach Eschborn gekommen. In dieser französischen Komödie geht es um Themen wie Freundschaft und Selbstbetrug. Denn bei einem gemeinsamen Pokerabend dreier langjähriger Freunde gesteht der eine, gerade seine Frau erwürgt zu haben, und bittet die beiden Anderen um ein falsches Alibi. Es sei „eine Männerfreundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird“, fasst Mathieu Carrière zusammen und zitiert die Rolle des Simon, der in dem Stück die Tat begangen hat: „Wahre Freundschaft besteht darin, dass man seine Freunde anruft und sagt, man habe eine Leiche im Keller – und die Freunde einem dann helfen, diese zu entsorgen.“ Für ihn steht fest: „Wahre Freundschaft wird eben auch nur in Krisen auf die Probe gestellt oder kann sich darin erweisen.“ Auf der Bühne reden sich die Drei die Köpfe heiß: Wie weit darf man für einen guten Freund gehen, was macht eine gute Freundschaft aus, und wozu verpflichtet sie?

„Ich denke, dass es tatsächlich keine Lösung gibt in diesem Stück. Letztlich hat keiner Recht, oder alle Drei haben Recht“, sagt Ulrich Bähnk. „Wir spielen hier ja nicht das normale Boulevard, sondern eine fein geschriebene Konversationskomödie mit Inhalt – und Abgründen.“ Zwar stehen nur Männer auf der Bühne, aber es geht immer um die Frauen, „wie im wirklichen Leben“, ergänzt Carrière lachend. Und können Männer und Frauen Freunde sein, so wie im legendären Film „Harry und Sally“ diskutiert? „Freundschaft bedeutet auch, etwas voneinander zu wollen, ganz klar. Man kann daher mit Menschen, mit denen man befreundet ist, Sex haben, ohne dass die Freundschaft darunter leidet.“

„Von meinen besten Freunden bin ich gleichzeitig auch am extremsten enttäuscht worden, und das hat richtig wehgetan“, erinnert sich Justus Carrière. „Doch nach der Enttäuschung beginnt eigentlich erst die Freundschaft, weil ich den Anderen so lasse und nichts von ihm erwarte.“ Bähnk meint: „Mit meinen besten Freunden habe ich etwa einmal im Monat was zu tun, aber bei engen Freundschaften ist auch einmal jährlich okay. Denn wenn es ein Problem gibt, reicht ein Anruf, und dann ist man da, sofort.“ Der 51-Jährige tauscht sich gerne bei gemeinsamen Unternehmungen aus. Lachend erklärt er: „Wir Männer müssen mit unserem beschränkten Wortschatz eher mal eine Bowling-Kugel schieben, um uns zu überlegen, was wir als nächstes sagen. Frauen dagegen haben doppelt so viele Wörter zur Verfügung und können sich einfach so im Café treffen, um zu plaudern.“

Mathieu Carrière wundert sich derweil über seine Tochter Elena: „Die kann auch mit Männern dasitzen und stundenlang quatschen. Irgendwie sind die jungen Leute heute viel metrosexueller, die machen keinen so großen Unterschied mehr zwischen Männern und Frauen.“ Er hat da seine ganz eigenen Erfahrungen: „Du kannst als Mann mit Frauen nicht diskutieren, denn Frauen haben immer Recht – weil sie ihre eigenen Lügen glauben.“ Immerhin beherzigt er heute den Rat eines Freundes, den er bekam, als er sich in einer Krise befand. Dieser empfahl ihm nämlich drei Dinge, die man einer Frau immer wieder sagen müsse: „Du hast Recht, Liebling.“, „Das sehe ich auch so.“ und „Du fehlst mir.“

Enge Bande gab es zwischen den beiden Cousins bisher nicht, denn ihrer beider Leben entwickelte sich schon früh in verschiedene Richtungen.

Während Mathieu von Lübeck nach New York und Paris ging, blieb Justus – abgesehen von einem Abstecher nach Zittau – Berlin treu. „Wir haben uns beim Begräbnis seines Vaters 2015 wiedergetroffen, und dann hatten wir ein Thema: das Familiäre“, erzählt Justus Carrière. „Bald danach hat sich die Gelegenheit ergeben, dass wir miteinander arbeiten dürfen, und so haben wir in diesem Stück einander näher kennen gelernt. Auf der Bühne ist man eben mehr Mensch, und das ist toll, das miteinander zu erleben. Wir sind allerdings sehr unterschiedlich sozialisiert, und so staunen wir gegenseitig über das Leben des Anderen.“

Große Anerkennung zollen alle dem komödiantischen Fach, und so definiert Justus Carrière es: „Es gibt Schauspieler, es gibt gute Schauspieler, und es gibt Komödianten; das sind die Menschen, die mehr sind als sie selbst.“

Für Mathieu Carrière ist dieses Genre eine Premiere, aber er hat Gefallen daran gefunden: „Natürlich macht Komödie mehr Spaß, doch es ist schwieriger, denn es braucht mehr Technik. Die Leute zum Weinen zu bringen, ist ganz leicht, und zur Verzweiflung, das kann ich mit links. Aber es gibt nichts Schöneres, als die Leute zum Lachen zu bringen, und das habe ich von Uli gelernt, dafür bin ich ihm ewig dankbar.“

Der so gepriesene Bähnk freut sich: „Mathieu hat eine große Gabe, bei sich zu bleiben und aus sich heraus seine Sachen zu machen. Und bei einer Komödie braucht man eben auch eine gewisse Distanz zu sich und seiner Rolle, um mit dem Publikum zu spielen. Da hat er sich toll entwickelt.“

Alle drei genießen ihre gemeinsame Zeit und sehen sich nach zwei Jahren, die sie bereits zusammen unterwegs sind, als verschworenen Haufen auf Familienausflug. „Wenn in einer solchen Truppe ein faules Ei dabei ist, wird es unerträglich“, weiß Mathieu Carrière. „Aber wir haben viele gemeinsame Interessen, und jeder hat seine eigenen. Uli guckt gerne Handball, Justus schreibt, ich mache mein Sudoku, und wenn wir zusammen sind, dann ,leben’ wir diese eineinhalb Stunden auf der Bühne. Ich bin froh, dass wir es bis hierhin so gut geschafft haben.“

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