+
Karlheinz Gritsch (CDU) kniet in einem Getreidefeld. Er ist Ortslandwirt und weist die Vorwürfe gegen seine Gilde zurück. Archivfoto: Knapp

Ortslandwirt verneint

Regionaltangente: Blockieren Eschborns Bauern das Projekt?

  • schließen

In einigen Jahren sollen Züge vom Hochtaunus zum Frankfurter Flughafen rollen und auf diesem Weg auch in Eschborn halten. Doch derzeit liegen die RTW-Planer und die Stadt im Clinch. Wie geht es weiter?

Die Regionaltangente West (RTW) ist zuletzt stärker in den Fokus gerückt, weil das Thema Mobilität an Fahrt gewinnt und weil eine Kontroverse zwischen Eschborn und den RTW-Planern aufflammte.

Nicht nur Freundlichkeiten bekamen die Eschborner Landwirte in diesem Zusammenhang zu hören und zu lesen. Für die Interessen Einzelner habe er zwar Verständnis, aber sie müssten gegenüber der Bedeutung der Regionaltangente West zurückstehen, verlangte der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernhard Veeck. Nicht viel anders hatte sich die Industrie- und Handelskammer Frankfurt geäußert. Hinter vorgehaltener Hand äußern Beteiligte und Unbeteiligte die Überzeugung, dass die aktuelle Position der Stadt und einer Parlamentsmehrheit vom Widerstand der Landwirte gegen die RTW bestimmt wird. Zu den prägenden Figuren in der Politik gehören unter anderem die Landwirte und ehrenamtlichen Stadträte Karlheinz Gritsch (CDU) und Heinz O. Christoph (FDP).

Anlass für die Vorwürfe einiger Stadtverordneter ist die wiederholte Verschiebung von Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung zum Thema RTW. Zuletzt hat Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) zwei Vorlagen zurückgezogen, weil die Mehrheiten nicht sicher waren. Einmal abgelehnt, könnten sie erst in sechs Monaten erneut auf die Tagesordnung kommen. Das wäre zu spät für die RTW-Planungsgesellschaft, die zur Fortsetzung ihrer Arbeit zusätzliches Geld braucht; dazu ist ein Beschluss nötig, den die Eschborner Politik bisher nicht fasste. Die zweite Vorlage würde einen Bebauungsplan in Kraft setzen, der einen Wirtschaftsweg festschreibt. Dieser Weg wäre der RTW im Weg, wenn er nach dem jetzigen Stand der Planungen errichtet wird. Dagegen wäre mit einer Klage der Planungsgesellschaft zu rechnen. Auch das liegt nicht im eigentlichen Interesse einer der beiden Seiten.

Duell der Anwälte

Was sagt eigentlich Eschborns Bauernschaft, die schon seit einigen Jahren mit der RTW-Streckenführung hadert, sich mit ihren Änderungsvorschlägen aber bislang nicht durchsetzte? Wie stark setzt sie ihren Einfluss ein, um das RTW-Projekt zu blockieren oder zu verzögern? „Ich wüsste nicht, was die Landwirte damit zu tun hätten“ wehrt sich Ortslandwirt Karlheinz Gritsch ganz entschieden gegen die Vorwürfe in Richtung der Bauern. Auf welche Weise der Konflikt um den Wirtschaftsweg gelöst werde, das sei den Landwirten egal. Auch die Frage der Aufstockung der Mittel für die Planungsgesellschaft habe doch mit den landwirtschaftlichen Flächen nichts zu tun, sagt Gritsch auf Kreisblatt-Anfrage.

Dass die Landwirte ihre Probleme mit dem Projekt haben, will er gar nicht leugnen, das hat sich auch mehrfach gezeigt. Es geht um den Verlust landwirtschaftlicher Flächen, die in Eschborn größer ausfallen als in anderen Kommunen. Aber die Landwirte hätten ihre Vorschläge eingebracht, sie würden in diesem Verfahren weiter geprüft.

Der jetzige Streit zwischen Stadt und RTW sei ein politischer Konflikt. „Ich finde es merkwürdig, dass der jetzt auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden soll“, urteilt Gritsch. Aus seiner Sicht besteht das Problem darin, das der Bürgermeister nicht in der Lage sei, das Problem zu lösen. So äußert sich auch die Eschborner CDU: In den Verhandlungen zwischen Stadt und RTW herrsche Chaos, findet CDU-Fraktionschef Markus Depping. „Statt eine politische Lösung zu suchen, kommuniziert man über Anwälte.“

Minister greift ein

Ob aber nicht Teile der Stadtverordnetenversammlung jetzt die notwendigen Beschlüsse blockieren, weil intern die Landwirte Druck machen? Und ob die nicht sogar klammheimlich hoffen, auf diese Weise ein Projekt zu Fall bringen zu können, das von der ganze Region als extrem wichtig eingestuft wird? „Das ist komplett aus der Luft gegriffen“, entgegnet Gritsch. Die Beteiligten, RTW-Geschäftsführer Horst Amann auf der einen und noch mehr Bürgermeister Mathias Geiger auf der anderen Seite, haben sich gegenüber dem Kreisblatt zuversichtlich gezeigt, dass das Problem noch rechtzeitig gelöst wird. Sie sehen die RTW nicht grundsätzlich in Gefahr.

Andere wollen sich darauf nicht verlassen: Angeblich möchte Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vermittelnd in den Konflikt eingreifen. Die CDU hat ihre Bereitschaft erklärt, einer Sondersitzung der Stadtverordneten zuzustimmen, damit die notwendigen Beschlüsse bald gefasst werden könnten. Und RTW-Chef Amann würden die Christdemokraten gerne zum Gespräch in den Haupt- und Finanzausschuss einladen.

(bt)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare