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Friederike Thon hat es sich auf der Couch bequem gemacht, den Computer vor sich. Sie nutzt auch eine Plattform im Internet, um sich mit ihrer Nachbarschaft auszutauschen. Die Neubürgerin war mit ihrer Familie von Bremen nach Eschborn gezogen.

Gesellschaft

Eine Neubürgerin erzählt, wie sie sich übers Internet mit ihrer Nachbarschaft vernetzt und welche Vorzüge sich bieten

Wem daheim die Eier ausgehen, der klingelt vielleicht rasch mal beim Mitbewohner auf derselben Etage gegenüber. Aber wie steht es mit einem Rasenmäher oder mit dem Babysitten? Die Plattform „nebenan.de“ bringt Menschen zusammen.

„Ich fände es schön, Gleichgesinnte zu treffen und sich gezielt zu verabreden, ob für einen Spieleabend oder andere gemeinsame Unternehmungen wie Museumsbesuche und ähnliches.“ Das sagt die Neubürgerin Friederike Thon, die bei weitem noch nicht so gut vernetzt ist in Eschborn wie langjährige Einwohner und Ortskenner. Erst vor wenigen Monaten ist Friederike Thon mit ihrer Familie von Bremen nach Eschborn gezogen. Sie freut sich darauf, zu ihren neuen Nachbarn Kontakte zu knüpfen. Aber wie?

Kaufmannsladen gefunden

Sie überlässt ihr Vorhaben nicht dem Zufall und ist sofort einer Nachbarschaftsplattform im Internet beigetreten. Thon: „Ich kannte ,nebenan.de‘ schon aus Bremen, weil ich dort mal einen Einladungszettel im Briefkasten hatte, und das fand ich eine schöne Idee. Zwar war ich in dieser Gruppe letztlich gar nicht so wahnsinnig aktiv, aber man sieht beispielsweise, was so in direkter Umgebung zum Verkauf oder Verschenken angeboten wird.

Auf diese Weise kamen ihre kleinen Kinder zu einem Kaufmannsladen. Auch können die Teilnehmer Dinge tauschen, Empfehlungen aussprechen, Ratschläge erteilen oder praktische Unterstützung anbieten. Einmal war der aus Norddeutschland zugezogenen Frau diese Plattform tatsächlich eine große Hilfe. Sie erzählt: „Uns lief eine Katze zu, und da haben wir innerhalb kürzester Zeit herausgekriegt, wem die gehört. Daraus ergab sich dann sogar, dass wir uns während des Urlaubs der Tierhalter um den Vierbeiner gekümmert hätten, wären wir nicht weggezogen.“

Einstieg mit Flugblatt

Zwar hat Thon in Eschborn bei verschiedenen Gelegenheiten schon viele Leute kennengelernt, sie schätzt aber gerade das „Intime“ an „nebenan.de“, weil die Nutzer sich nur mit der eigenen Nachbarschaft vernetzen: „Zwar würde ich immer einfach schnell bei Nachbarn klingeln, wenn ich nur Eier brauche, aber um zum Beispiel Gartengeräte auszuleihen, kann das sicherlich gut funktionieren.“ Gerne würde sie diese Verbindung auch nutzen, um – gegenseitiges – Babysitten zu organisieren.

Da es in ihrer neuen Wohngegend allerdings noch keine Gruppe gab, nahm sie die Sache kurz nach Einzug selber in die Hand und initiierte eine Briefkastenaktion in ihrer direkten Umgebung. „Hallo liebe Nachbarn in Eschborn“ hieß es also auf einem Flugblatt, das auch die Kreisblatt-Autorin in ihrem Briefkasten fand. „Wir würden uns freuen, mit Euch in Kontakt zu treten; dafür haben wir die Nachbarschaft ,Eschborn Nord‘ eingerichtet.“ Mit dem dort genannten Zugangscode konnte man der Einladung folgen und sich auf „nebenan.de“ kostenlos registrieren. Das taten anscheinend auch viele Anwohner rasch, denn inzwischen gibt es hier nach Auskunft der Betreiber 128 aktive Nutzer – zusätzlich 85 in Eschborn Süd und 173 in Niederhöchstadt, insgesamt also knapp 400 aktive Nutzer von Website und App allein in Eschborn. Zum Vergleich: In Hofheim sind es gut 1200 Nachbarn, in Hessen 76 000, deutschlandweit über eine Million in rund 7000 Nachbarschaften.

Dank der Finanzierung über Investoren ist die Nutzung dieses sozialen Netzwerks für Privatpersonen und gemeinnützige Organisationen kostenlos.

Das Ziel der Nachbarschaftsplattform ist es zum einen, einer zunehmenden Anonymität und Vereinsamung entgegenzuwirken; zum anderen wollen die Teilnehmer verhindern, Ressourcen zu verschwenden. Ein Schränkchen, das ausdiente, soll nicht auf dem Müll landen, sondern findet ja vielleicht gerade in der näheren Umgebung noch einen dankbaren Abnehmer.

Seit kurzem können auch lokale Gewerbetreibende auf der TÜV-geprüften Plattform gegen Gebühr auf ihre Angebote aufmerksam machen. Das bringt Einnahmen. Unter dem Motto „Lokal gewinnt!“ soll der ortsansässige Einzelhandel gestärkt werden. Inzwischen gibt es viele kleinere und größere Erfolgsgeschichten aus den Nachbarschaften. So wurde in Düsseldorf einem langjährigen Postboten zum Ruhestand ein rührender Abschied bereitet, in Nürnberg gemeinsam ein Bücherschrank errichtet, und eine Seniorin findet in Berlin „Leihenkel“ zum Betreuen. Aktuell freut sich eine Hamburgerin auf einen Brunch mit sieben Nachbarinnen bei ihr zu Hause. Auch Friederike Thon ist offen für so manche Begegnungen in ihrer neuen Heimat Eschborn: „Ich finde es schön, dass es diese Plattform gibt, und sicherlich ergeben sich da noch einige Möglichkeiten.“

von Stephanie Kreuzer

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