Fußball-WM 2018 in Russland

Marc Reinmann reist als Fan der Nationalelf hinterher

Marc Reinmann ist ein Fußballverrückter, wie er im Buche steht. David Schahinian hatte über Sprachnachrichten (WhatsApp) Kontakt mit dem Eschborner, der derzeit bei der Weltmeisterschaft in Russland ist.

Herr Reinmann, was ist los mit „Die Mannschaft“?

MARC REINMANN: Gar nichts. Wir sind es bloß nicht gewohnt, ein Spiel in der Vorrunde zu verlieren. Aber in Südafrika hatten wir das auch, und irgendwann musste es einfach mal wieder passieren. Ich würde das nicht so eng sehen.

Was würden Sie als Trainer gegen Schweden anders machen?

REINMANN: Ich würde Özil und Gündogan aus der Mannschaft nehmen.

Wie sind Ihre Eindrücke vom Deutschland-Spiel gegen Mexiko?

REINMANN: Die mehr als 40 000 Mexikaner im Stadion haben eine Wahnsinnsstimmung gemacht. Und wäre der Freistoß nicht an die Latte gegangen, sondern ins Tor, dann wäre das Spiel anders gelaufen, und wir hätten nicht verloren. Andererseits denke ich, dass Eintracht-Spieler Marco Fabián die Mexikaner mit Sicherheit so eingestellt hat, wie er auch die bayerische Abwehr im Pokalfinale geschlagen hat. Das ist im Moment ja nicht so schwer.

Haben Sie noch andere WM-Spiele in Russland gesehen?

REINMANN: Bis jetzt Polen gegen Senegal, Portugal gegen Marokko und ein Viertliga-Spiel, weil ich alle Stadien sammele und die vierte Liga in Russland durchspielt. Dazu kam das internationale Fan-Match, das auch im mexikanischen Fernsehen übertragen wurde.

Wie ist es als Fan im Gastgeberland?

REINMANN: Die Stadt ist voll von Hunderttausenden von Fußballfans aus aller Welt, was wunderschön ist. Die Organisation geht mittlerweile auch. Leider ist nicht viel in Englisch geschrieben. Südamerikanische Fans sind da in Metro-Linien und in der Stadt mehr oder weniger aufgeschmissen. Schade finde ich auch, dass in den Wohnblöcken nicht irgendwo eine Fahne hängt, so wie man es von anderen Weltmeisterschaften gewöhnt ist.

Fühlen Sie sich sicher?

REINMANN: Für mich ist das die sicherste WM aller Zeiten. Allein in Moskau sind meines Wissens etwa 45 000 Polizisten und Soldaten in Zivil und in Uniform. Bis man im Stadion ist, muss man durch fünf, sechs Detektoren gehen, wie man sie vom Flughafen kennt. Es war von vorneherein klar, dass Russland Fort Knox wird, und das hat sich auch bewahrheitet. Alles ist absolut friedlich, aber das liegt natürlich auch daran, dass die Russen die WM im Großen und Ganzen gar nicht interessiert. Wenn die Fußball-Touristen aus aller Welt nicht da wären, würde man außer in der Innenstadt gar nichts von der WM merken.

Inwiefern sind Menschenrechte und Meinungsfreiheit ein Themen unter den Fußballfans?

REINMANN: Jeder sagt und postet, was er möchte, das ist kein Problem. Es ist aber bedauerlich, dass außerhalb des Zentrums überhaupt nichts für die Menschen gemacht wurde. In den reichen Gegenden kann man von der Straße essen, so sauber ist es. Aber wenn man zehn Kilometer weiter fährt, sieht es ganz anders aus.

Wo sind Sie untergebracht?

REINMANN: Die ersten drei Wochen sind wir mit dem Fanclub Nationalmannschaft des DFB im Fancamp, das zu jeder WM organisiert wird, im Holiday Inn. Es ist schön und ruhig an einem Waldsee gelegen, und jede Stunde fährt ein Pendelbus in die Stadt und zurück. Für die Zeit nach den drei Wochen, wenn das Fancamp schließt, hatten wir ein Hostel gebucht, weil die Hotels unbezahlbar waren. Das hat sich inzwischen geändert, die Preise sind in den Keller gegangen. Jetzt haben wir auf ein Viereinhalb-Sterne-Hotel in der Stadt umgebucht. Das hat vor drei Wochen noch 200 Euro pro Nacht gekostet, jetzt ist es wieder bei 45 Euro Normalpreis. Das war klar, es ist bei den Turnieren meistens so.

Und wie verpflegen Sie sich?

REINMANN: Die Hotels bieten mitteleuropäisches Essen an. Das ist aber nicht unsere Welt. Wir probieren die russische Küche, die unter anderem für ihre Teigtaschen bekannt ist. Natürlich wird auch getestet, wie der Big Mac in Russland schmeckt. Ansonsten gehen wir in die kleinen Supermärkte, in die sonst nie ein Mensch reingehen würde, weil es da für wenig Geld am leckersten ist.

Welche Nachricht haben Sie an die daheimgebliebenen Fußballfans?

REINMANN: Momentan ist die WM eine schöne Erholung nach dem nervenaufreibenden Pokalfinale unserer Eintracht. Wir alle waren 2014 in Brasilien, und danach wussten wir ohnehin, dass diese WM nie wieder getoppt werden kann. In diesem Sinne sind wir hier alle etwas ruhiger und lassen die Dinge auf uns zukommen. Ich denke, es wird werden.

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