Früher Bürgermeister, jetzt Stadtverordneter: Mathias Geiger (63) ist Teil der FDP-Fraktion.
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Früher Bürgermeister, jetzt Stadtverordneter: Mathias Geiger (63) ist Teil der FDP-Fraktion.

Politik

Mathias Geiger wird Stadtverordneter

  • vonAndreas Schick
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Ehemaliger Bürgermeister nimmt das Mandat an. Er vertritt die FDP im Bau- und Umweltausschuss.

Eschborn -Sollen ehemalige Bürgermeister weiter in der Politik ihres Heimatortes mitmischen? Oder sollten sie sich lieber zurückziehen und sich raushalten aus Themen, die sie an der Spitze der Verwaltung mitgestalteten, vielleicht sogar mal versemmelten? Die Meinungen darüber gehen in der politischen Szene auseinander. Und die Akteure handhaben die Angelegenheit unterschiedlich. Christiane Augsburger (SPD), die von Juni 2008 bis Juni 2020 Bürgermeisterin in Schwalbach war, hat sich für die Kommunalwahl 2021 nicht auf die Liste des SPD-Ortsvereins setzen lassen, auch wenn etliche Genossen sie gerne als Stimmenmagnet dabeigehabt hätten. Augsburger ist aber nach wie vor Kreistagsabgeordnete ( siehe unten ). In Kelkheim wurde bei der Kommunalwahl im März der 61 Jahre alte Ex-Bürgermeister Thomas Horn (CDU) zum Stadtverordneten gewählt.

Ex-CDU-Mitglied wird Stadtrat

Mathias Geiger (FDP), der im Oktober 2019 als Bürgermeister von Eschborn abgewählt wurde und die Amtskette im Februar 2020 an Wahlsieger Adnan Shaikh (CDU) übergab, nahm auf der 32-köpfigen FDP-Liste Rang 30 ein - einen Ehrenplatz, der unter normalen Umständen nicht für ein Mandat reicht. Geiger ist aber im alten Eschborn nach wie vor populär, machte 27 Plätze gut und stand als Drittplatzierter plötzlich vor der Frage, ob er das Mandat annehmen soll. Neulich zögerte er auf Kreisblatt-Anfrage mit einer Antwort. Aber jetzt ist klar: Der 63 Jahre alte frühere Erste Stadtrat wird Teil der siebenköpfigen Fraktion, die Parteichef Christoph Ackermann anführt.

Wie der FDP-Ortsverband mitteilt, werden Mathias Geiger und der Landwirt Torsten Kunz im Bau- und Umweltausschuss mitarbeiten. Der Bruder des einstigen Rathauschefs, Michael Geiger, sprang dank des Kumulierens und Panaschierens, das bei Kommunalwahlen möglich ist, 18 Plätze nach vorne. Doch aus Altersgründen nehme der Beamte im Ruhestand, Jahrgang 1953, sein Mandat nicht an. Nachrücker Norbert Groß und Mathias Geigers Ehefrau Angela Geiger werden die FDP im Ausschuss für Jugend, Soziales und Sport vertreten. Fraktionschef Ackermann und Ralf Engler bringen sich im Haupt- und Finanzausschuss mit liberalen Ansichten ein. Engler soll auch einer der stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher werden. Die Wahl steht in der Sitzung heute Abend an. Anmeldungen für Gäste sind nicht mehr möglich. Die Anmeldefrist, die wegen der Corona-Beschränkungen gesetzt wurde, ist abgelaufen.

Erwartungsgemäß wird die Juristin und ehemalige Stadtverordnete Annette Christoph Magistratsmitglied bleiben. "Ihre auf Wirtschaftsrecht spezialisierte Kanzlei berät branchenübergreifend und überregional mittelständische Unternehmen und deren Gesellschafter, Private-Equity-Gesellschaften und internationale Konzerne", teilt der FDP-Ortsverband weiter mit.

Auch Thomas Spriegel, ein ehemaliges CDU-Mitglied, soll ehrenamtlicher Stadtrat werden. "Seine Spezialgebiete als Jurist sind IT- und Datenschutzrecht sowie Arbeits- und Wettbewerbsrecht", informieren die Freien Demokraten. "Mit der Nominierung seiner Person ist außerdem ein Vertreter des Stadtteils Niederhöchstadt im Magistrat vorgesehen und ein in Eschborn insgesamt stark verwurzelter Bürger." Zusammen repräsentieren beide Kandidaten, Annette Christoph und Thomas Spriegel, "auch die liberal-konservative Ausrichtung", mit der die Eschborner FDP sich gerne charakterisiert.

In den Aufsichtsrat der GWE ziehen Annette Christoph und Ralf Engler ein. Der Vorstand attestiert ihnen "Expertise im Wohnungsbau". Das Kürzel GWE steht für die Gemeinnützige Wohnungsunternehmen Eschborn GmbH. Die städtische Gesellschaft wickelt etliche Millionen-Projekte für Eschborn ab, etwa den Bau der Seniorenimmobilie am "Rapp-Kreisel". Ihr Einfluss und Zuständigkeitsbereich ist in den zurückliegenden Jahren enorm gestiegen.

FDP-Fraktionsgeschäftsführer bleibt Christian Scherer, der zeitweilig als Aspirant für den Magistrat gehandelt wurde. Scherer war während Geigers Amtszeit als Bürgermeister die rechte Hand und der Sprecher des damaligen Rathauschefs. Als ehemaliger Rathaus-Mitarbeiter verfügt Scherer, der in Niederhöchstadt lebt, über Innenansichten in die Stadtverwaltung und Hintergrundwissen, auf das die meisten Stadtverordneten nicht zurückgreifen können. Scherer, Spriegel, Annette Christoph - sie stehen stellvertretend für jene FDP-Leute, die neu in der Fraktion sind oder erst in den zurückliegenden Jahren dazugestoßen sind.

Erfahrene Kräfte wie Ex-Gründezernent Heinz Christoph oder Heinz A. Göbbels sind ausgeschieden. Es gilt allerdings als sicher, dass der Vater von Annette Christoph in der FDP weiterhin mitbestimmt. Die Partei wird die Wahlperiode 2021/26 wahrscheinlich auf der Oppositionsbank verbringen. CDU, Grüne und FWE verhandeln über eine Zusammenarbeit. Die Koalitionsgespräche sind nach Angaben der Union noch nicht abgeschlossen.

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