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Der Schwimmclub blieb auch bei der Verkleidung seinem Element treu.

Närrisches Niederhöchstadt

Mitten durchs Herz „Hecksterts“

Am Samstag waren die Narren in Niederhöchstadt mal wieder nicht zu halten. Viele Eschborner säumten die Straßen, um den rund 100 Wagen und Fußgruppen zuzujubeln.

Ab durch die Mitte! Einen Kilometer lang war der diesjährige Faschingsumzug, und über 4,5 Kilometer weit zog er am Samstag mitten durchs Herz „Hecksterts“ bis ins Zentrum Eschborns. Dabei landeten die zahlreichen Attraktionen, vom Partywagen über die Blaskapelle bis hin zum Gardetanz, voll im Herzen der Hunderten Besucher.

Viele Fotos vom Umzug gibt's hier: Narren feiern beim Eschborner Fastnachtszug

„Helau!“, rief eine kleine Tigerdame drei Mal, und schon kamen die Süßigkeiten geflogen vom Umzugswagen der KV02 Oberhöchstadt. Für unzählige Kinder war dieser Tag ein einziger großer Beutezug, bei dem man nicht einmal Pirat sein musste, um mit vollen Taschen heimzukommen. Jack Sparrow zog natürlich trotzdem durchs lebendige Getümmel, blieb kurz hängen an Donald Trump, nur echt mit blonder Perücke und oranger Gesichtsfarbe, und bahnte sich dann seinen Weg vorbei an Einhörnern, Maikäfern, Seeleuten, Prinzessinnen und – man sollte’s nicht meinen – farbenfrohen Bauklötzchenmenschen. „Helau!“, so schallte der Schlachtruf, der Slogan, die Hymne, der freudige Gruß aus allen Mündern, aus allen Lautsprechern.

A propos Lautsprecher: Die waren nicht nur auf den Fahrzeugen im Zug montiert. Die Familien Pitthan und Haber hatten vor dem Haberschen Haus einen Tisch mit Snacks und eine Stereoanlage aufgebaut. Jens Pitthan, verkleidet und geschminkt als Goth, hatte sich ein Mikro ins Kostüm gebastelt, so dass er über seine Anlage den „Helau“-Ruf mit richtigem Donner schmettern konnte. „Wir sind hier jedes Jahr“, sagte er. „Einmal waren wir sogar zu viert als KISS verkleidet.“ Sprach’s und zeigte ein Foto von sich und seinen Kumpels im Outfit der New Yorker Rockband. Langweilig kann’s beim Eschborner Umzug gar nicht werden: „Es ist jedes Jahr was anderes“, freute sich Petra Pitthan.

Vereine und Privatleute laufen beim Umzug mit

?Linda und ihre irren 24 Weiber? waren unter dem Motto ?Eschborner Superstaa? die lebenden Bauklötze der Fassenacht.

100 Wagen und Laufgruppen mischten an diesem bewölkten, aber trockenen und frischen Frühlingstag beim Fastnachtsumzug mit, es waren Vereine, Privatleute, Institutionen, Gewerbe. Auch in diesem Jahr gab es wieder zahlreiche denkwürdige Auftritte, wie etwa die Pferdegruppe „Kathy’s Western Reiter“ der Steinbacher Freizeitreiter oder die Dudelsackspieler der Clan Pipers Frankfurt. Seit vielen Jahren gehört es zur „Hecksterter“ Karnevalstradition, dass beim Umzug auch Privatgruppen auftreten. So gehören die Eschborner „Linda und ihre irren 24 Weiber“ schon längst zum Kern, dieses Jahr waren sie unter dem Motto „Eschborner Superstaa“ die lebenden Bauklötze der Fassenacht. „22 Leute sind wir,“ sagte die Leiterin Linda Koza, „inklusive vier Kinder und ein Hund.“

Weiter hinten folgten ihnen die Eschborner Medscher, die dieses Jahr unter dem Motto „Endlich Prinzessin“ ganz in weißen Kleidern und mit langem, goldenem Haar loszogen. Tanja Nürnberg und Alexandra Krause, Leiterinnen der Gruppe, erklärten die Routine der Medscher: „Über die Monate vor dem Faschingszug arbeiten wir alle an den Kostümen.“ Entlang den Straßen standen die Besucher, winkten, jubelten, tanzten. Dazwischen immer wieder Anwohner, die in ihren Höfen Tische mit Snacks und Bierfässern aufgebaut hatten. „Wir kommen aus dem Kölner Raum,“ sagte Barbara Pakula, die mit ihrer Familie und Freunden feierte. „Ist doch klar, dass wir an so einem Tag richtig Präsenz zeigen.“

Auf dem Platz an der Linde verkaufte die Gaststätte I-Punkt an ihrem Stand Brötchen mit Bratwurst, während der Straße zugewandt die Tribüne stand, von der Karnevals-Urgestein Bernd Buch den Zug moderierte: Der alteingesessene Narr, seit 60 Jahren im Kappen Club Niederhöchstadt, sagte die Teilnehmer an und rief ihnen zu. Auch seine Vereinskollegen zogen vorbei und salutierten ihm mit ihrem „Alten Fritz“ im Schlepptau, der großen Kanone des KCN.

Mit Bombenlaune, Gemeinschaftsgeist, Farbenpracht und unbändiger Freude ging der Umzug über insgesamt mehr als zwei Stunden bis zur Hauptstraße in Eschborn. Die Eschborner Fastnacht lebt: Das war auch dieses Jahr wieder klar zu spüren.

Von Matthias Elsdörfer

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