Das ist der geplante RTW-Streckenverlauf.
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Das ist der geplante RTW-Streckenverlauf.

Regionaltangente

RTW-Chef appelliert an die Stadt Eschborn

  • vonMatthias Pieren
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Horst Amann fürchtet, dass einer ihrer Einwände das Projekt verteuert und verzögert

Eschborn -Der Baubeginn der Regionaltangente West (RTW) musste bereits mehrmals verschoben werden - unter anderem weil aufgrund von Wünschen der Anrainer-Kommunen das Planungsvolumen deutlich umfassender wurde als ursprünglich geplant. Die Kostenschätzung hat inzwischen die Milliarden-Grenze überschritten. Der einstmals auf 2018 terminierte Betriebsstart hat seither eine bald zehnjährige Verspätung eingefahren ( siehe Text rechts: "Der Zeitplan, die Kosten" ). Womöglich wird der erste RTW-Zug von Bad Homburg über Eschborn, Frankfurt-Höchst und den Flughafen nach Neu-Isenburg noch später an den Start gehen, als es zuletzt anvisiert war (Betriebsstart 2026/2027).

Parlamentarier tagen am Donnerstag

Der Grund dafür ist nach Einschätzung der RTW-Planungsgesellschaft ein Einwand der Stadt Eschborn, der am Freitag auf den letzten Drücker beim Darmstädter Regierungspräsidium (RP) eingegangen sei. Der Einwand könne zu einer Verzögerung führen, befürchtet RTW-Geschäftsführer Horst Amann, der sich auf Kreisblatt-Anfrage zum Projektstand äußerte und gestern gleichzeitig von der Eschborner Eingabe beim RP berichtete. In der Stadtverordnetenversammlung steht am Donnerstagabend, 4. Februar, der Punkt "RTW" auf der Tagesordnung. Es geht um die Stellungnahme der Stadt Eschborn zur Planfeststellung und damit um die Eingabe beim RP. Nach Angaben von Horst Amann birgt einer der Beschlusspunkte das Potenzial, den weiteren Zeit- und Kostenplan für die Realisierung der RTW nochmals zu sprengen. Am Montagmorgen sei bei der RTW-Planungsgesellschaft die RP-Nachricht über den Inhalt des Eschborner Einwandes zur RTW eingegangen. Amann ist daher alarmiert. "Ich appelliere an die Verantwortung der Kommunalpolitiker der Stadt - die zugleich Gesellschafter der RTW ist - und hoffe, dass die Parlamentarier das punktuelle Eigeninteresse ihrer Stadt nicht über das Gesamtinteresse der RTW und damit letztlich der anderen elf Gesellschafter der RTW-Planungsgesellschaft stellen", sagte der RTW-Chef dem Kreisblatt. Er baue auf die Verantwortung der Stadt Eschborn als Gesellschafterin, den sich abzeichnenden Konflikt nicht unnötig "hochzufahren" und die anstehende Realisierung der Regionaltangente nicht zu gefährden.

Zur Erläuterung: In ihrer Versammlung am Donnerstagabend sollen die Eschborner Stadtverordneten eine von Bürgermeister Adnan Shaikh (CDU) unterzeichnete Stellungnahme mit weiteren Änderungswünschen und Hinweisen der Stadt beschließen. Sollte sich eine Mehrheit der Stadtverordneten für die Stellungnahme in der jetzigen Form aussprechen, erhält sie ihre Gültigkeit. Noch steht sie unter Vorbehalt, da bisher "nur" der Haupt- und Finanzausschuss sowie der Bau- und Umweltausschuss mit kleinen redaktionellen Änderungen zustimmten. Torsten Kunz (FDP), ein Landwirt, wies erneut darauf hin, dass die RTW der Eschborner Gemarkung einen enormen Flächenverbrauch beschere - höher als bei den anderen RTW-Kommunen.

Doch wo ist für die RTW-Gesellschaft der Knackpunkt? Worüber ist Horst Amann besorgt? Konkret geht es um den Wegfall des Bauwerks "Stützwand Düsseldorfer Straße" und die "Ergänzung des Bauwerks Eisenbahnüberführung Parkplatz Düsseldorfer Straße". Geplant war, für die vom S-Bahnhof Eschborn-Süd parallel zur Elisabethenstraße kommenden Gleise der RTW eine Rampe (genannt "Stützwand") über den Aeroparkservice (Parkplatz) an der Düsseldorfer Straße zu bauen. Danach sollte die RTW dann die Sossenheimer Straße auf Höhe der Anschlussstelle Eschborn der A 66 auf einer Brücke queren.

Die Brücke verlängern?

Dieser Steigungsanfahrt wären einige Stellplätze des Parkplatzes zum Opfer gefallen, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Stattdessen soll nun anstelle der Rampe die bereits eingeplante Eisenbahn-Brücke über die Sossenheimer Straße über die Parkplätze hinaus verlängert werden.

"Die Änderung wird begrüßt, da hierdurch der Wegfall von Stellplatzflächen reduziert wird", schreibt der Bürgermeister Adnan Shaikh in der Beschlussvorlage. Der Hintergrund: "Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Juni 2020 beschlossen, für die dortige Düsseldorfer Straße/Elisabethenstraße einen Bebauungsplan aufzustellen." Man wolle die bestehende Verbindung zwischen der neuen Autobahnabfahrt Düsseldorfer Straße und der Elisabethenstraße ausbauen, um die interne Erschließung des Gewerbegebietes Eschborn-Süd zu verbessern. Diese neue Autobahnabfahrt soll die Kreuzung Sossenheimer/Frankfurter Straße entlasten.

Schon 2018 gab's eine Absage

Die Stadt habe vorher geprüft, schreibt der Bürgermeister, wie die interne Erschließung im Einklang mit der jetzigen RTW-Planung möglich sei. Weder die bislang vorliegende, ebenerdige Gleisführung über die Rampe mit Stützwänden noch eine mögliche Tunnellösung seien realistisch. "Es bietet sich an, die bestehende Brücke über die Stellplätze entsprechend zu verlängern", heißt es in der Beschlussvorlage. "Die Stadt Eschborn hat auf die Absicht bereits 2018 ausreichend hingewiesen. Leider wurde dem Anliegen in den vorliegenden Unterlagen nicht gefolgt." Nun folgt ein neuer Anlauf: "Die RTW-Planungsgesellschaft mbH wird gebeten, in den Planfeststellungsunterlagen eine Brücke vorzusehen und zu prüfen, welche Mehrkosten mit dem Bau der genannten Brückenlösung verbunden sind." Amann meint: So wird alles teurer und dauert länger.

Geschäftsführer Horst Amann.

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