„Reverse Runners“

Rückwärts macht glücklich

Wer kommt schon auf die Idee, rückwärts zu laufen? Vor ein paar Jahren wurde der Eschborner Hassan Kurt noch dafür belächelt. Inzwischen gibt’s viele Fans dieser interessanten Art der Bewegung. In Eschborn gibt’s jetzt sogar einen eigenen Verein.

Gerade erst ist er vom Main-Taunus-Kreis geehrt worden, für seinen im vergangenen Jahr aufgestellten Weltrekord über 100 km im Rückwärtslaufen. Doch Hassan Kurt blickt auch nach vorne, und so hat er gerade einen Rückwärtslaufverein gegründet – den zweiten überhaupt in Deutschland. „In ein paar Jahren wird es überall so etwas geben, denn das ist eine interessante Form der Bewegung“, zeigt er sich davon überzeugt, Vorurteile abzubauen und einen Trend zu setzen. „Noch vor zehn Jahren hat mir jeder einen Vogel gezeigt, aber inzwischen ist das, was ich mache, akzeptiert, und daher denke ich, dass sich das bis hin zu großen Meisterschaften durchsetzen wird!“

Der Taxiunternehmer, 1970 im kurdischen Teil der Türkei geboren, lebt seit 1988 in Eschborn und hat sich als Extremläufer nicht nur hier in der Region längst einen Namen gemacht. 2002 fing er mit dem Laufsport an und bestritt sieben Jahre später seinen ersten Marathon, um dann 2013 die gut 42 Kilometer in Frankfurt erstmals komplett rückwärts zu absolvieren. Für die 100 Rückwärtskilometer auf der Tartanbahn in Eschborn – ohne sich einmal umzudrehen – brauchte er 2016 rund 21,5 Stunden. Inzwischen läuft er kaum noch vorwärts, und für dieses Jahr hat er sich wieder etwas ganz Besonderes vorgenommen: Am 11. Juni will er beim SkyRun im Messeturm Frankfurt die über 60 Stockwerke und 1200 Treppenstufen rückwärts in Angriff nehmen.

Warum er so etwas macht? Da antwortet er wie aus der Startpistole geschossen: „In ihren glücklichsten Momenten laufen Menschen rückwärts! So hat zum Beispiel der ehemalige niederländische Fußballnationalspieler Roy Makaay nach jedem Torerfolg den Rückwärtsgang eingeschaltet. Denn die Glückshormone, die schon beim normalen Laufen einströmen, verdoppeln oder vervierfachen sich gar, wenn es rückwärts geht.“ Der 47-Jährige betrachtet das Thema philosophisch: „Man ist mit vollem

Urvertrauen

und ganz konzentriert bei sich, deshalb wird auch niemand dabei Musik hören.“ Viele erfolgreiche Laufsportler würden schon heute – heimlich – auch rückwärts trainieren, denn so könnten sie ihre Leistung steigern und sich Vorteile erarbeiten. Und er sieht sich als Vorbild, das andere begeistern kann: „Ich möchte, dass jeder diesen positiven Impuls des Rückwärtslaufens mitnimmt. Gerade auch für Kinder ist das als Koordinationstraining wichtig.“

Mit der Vereinsgründung Anfang April und der bald abgeschlossenen Eintragung beim Finanzamt ist der „Reverse Runners Hessen Eschborn e.V.“ am Start. Die sieben Gründungsmitglieder stammen tatsächlich alle aus Eschborn und „haben dem Rückwärtslaufen ein Zuhause gegeben“, freut sich Kurt. Mit einem extrem günstigen Jahresbeitrag von zwölf Euro hofft er, rasch viele weitere Mitstreiter zu finden. Sein Ziel ist es, allen Interessierten ein gemeinsames Lauftraining anzubieten – vermutlich immer freitagsabends – und dabei die Technik zu vermitteln und Tipps für die richtige Körperhaltung zu geben: „Wenn es jemand vorführt, fällt es den anderen leichter, es nachzumachen.“. Geplant sind außerdem Seminare, sowohl für Hobbyläufer als auch für Leistungssportler. „Ich will zeigen, dass man wieder Spaß am Training findet, wenn man ab und zu das Rückwärtslaufen einbaut. Das tut den Muskeln gut und verbessert die Koordination“, beschreibt Kurt die Vorteile.

Der Verein ist in Kürze über die Website oder zu erreichen.

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