Sieben plus X

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Dass CDU, SPD, Grüne und FDP mitmischen werden, gilt als sicher. Bei den Linken, der FWE und den „Bürgerlichen“ hakte das Kreisblatt nach.

Anfangs wurden sie belächelt und nicht für voll genommen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Freien Wähler Eschborn/Niederhöchstadt (FWE) haben sich innerhalb von vier Jahren zu einer ernst zu nehmenden Kraft auf Eschborns politischer Bühne entwickelt. Gezählt sind auch die Tage, an denen die FWE-Protagonisten mit innerparteilichen Zerwürfnissen kämpften. Die Gruppe hat sich gehäutet und präsentiert sich heute stabiler und homogener denn je.

Keimzelle der Gruppe ist eine Bürgerinitiative, die sich seit 2006 unter dem sperrigen Namen „Infoteam Niederhöchstadt Eschborn“ (ITNE) dafür einsetzt, den Mobilfunkturm neben der Westerbach-Sportanlage abzubauen. Die führenden ITNE-Köpfe hatten im Laufe der Jahre dermaßen die Nase voll von der politischen Führungsschicht Eschborns, dass sie sich aufrafften, mit einer eigenen Liste in den Kommunalwahlkampf 2011 zu ziehen.

Sie waren aber unbeleckt in dem neuen Milieu und dankbar, dass sie mit Ex-FDP-Chef Michael Bauer und dem altgedienten Ortspolitiker Hans-Wolfgang Junger erfahrene Kräfte für sich gewinnen konnten. So fand sich als FWE eine sehr heterogene Mannschaft zusammen, die im Wahlkampf nach außen überzeugte und schließlich vier Sitze in der Stadtverordnetenversammlung ergatterte. Die FWE musste sich zu Beginn als Ein-Thema-Partei verhöhnen lassen, die nur den Mobilfunkturm im Kopf hat. Dieses Bild korrigierte sie schnell.

Dennoch brachte das politische Alltagsgeschäft Probleme mit sich: Reibereien innerhalb der FWE traten hervor, die zum Absprung von Hans-Wolfgang Junger und Michael Bauer führten. Auch der spätere Bürgermeister-Kandidat Bernd Kuhn kehrte der FWE inzwischen den Rücken. Aushängeschilder der Freien Wähler sind nun Helmut Bauch und Regine Seidel. Die beiden, die mit Klaus-Peter Henrich und Jörg Baumgardt die Fraktion bilden, sind so etwas wie die Außenminister und die Sprachrohre.

Klar ist: Der Einzug ins Parlament 2011 soll keine Eintagsfliege bleiben. „Wir werden weitermachen und treten auch 2016 wieder an“, bekräftigt Helmut Bauch gegenüber dem Kreisblatt. Dass es wieder 23 Bewerber auf der Liste werden wie 2011, erscheint unwahrscheinlich. Bauch geht von „15 bis 17 Namen“ aus. Derzeit habe die FWE 22 Mitglieder, wobei zwei Personen außerhalb Eschborns leben und nicht kandidieren werden, sich aber weiterhin einbringen würden.

Was schreibt sich die FWE auf die Fahne? Zum einen, so der nahe am Rathaus lebende Bauch, habe sie während der Wahlperiode dazu beigetragen, dass die Fraktionen „viel mehr miteinander sprechen“ als in früheren Zeiten. Zum anderen kümmere sich die FWE „auch um die kleinen Belange“. So sei auf ihren Wunsch hin der Grillplatz an der verlängerten Unterortstraße hergerichtet, ein Toilettenhäuschen am Traktorspielplatz aufgebaut und eine Linksabbiegerspur zum neuen Ladenzentrum im Camp-Phönix-Park eingerichtet worden.

Schon jetzt sind sieben Parteien und Wählergruppen in der Stadtverordnetenversammlung vertreten. Dass CDU, SPD, Grüne und FDP 2016 erneut mitmischen werden, gilt als ausgemachte Sache.

Wie sieht es bei den Linken aus, die derzeit zwei Sitze haben (Thomas Matthes, Franz Martin Herndlhofer)? Von den 18 Bewerbern, die 2011 ihre Liste schmückten, stehen einige Leute nicht mehr zur Verfügung. Außerdem verabschiedete sich Fritz-Walter Hornung aus der Fraktion, weil er sich mit Thomas Matthes uneins war.

Die Linken hätten sehr wohl die Absicht, bei der Kommunalwahl eine Liste aufzustellen, versichert Matthes auf Anfrage unserer Zeitung. Doch er selbst wolle eigentlich nicht mehr antreten. Matthes sagt, er halte eine Rückkehr Hornungs auf die Linken-Liste in Eschborn für möglich.

Mit den rechtskonservativen „Bürgerlichen“ von Dietmar Jerger ist zu rechnen. In Zeiten, in denen sich die CDU „sozialdemokratisiere“, so Jerger, sei es „besonders wichtig, dass wir auf der Matte stehen“. Steht der jetzt 62 Jahre alte Stadtverordnete wieder auf der Liste? Jerger: „Ich denke ja. Ich wüsste nicht, was mich davon abhalten sollte.“ Derzeit haben die „Bürgerlichen“ einen Sitz. Jerger betont: „Ich stehe rechts, bin aber nicht rechtsradikal!“ Die Bürgergemeinschaft Eschborn (BGE), die mal Teil einer bürgerlichen Koalition war, bleibt außen vor. „Wir tun nichts mehr“, bestätigt ihr Sprecher Georg Pitthan. Die Gruppe habe sich aber noch nicht aufgelöst. Die BGE kam 2001 und 2006 auf jeweils einen Sitz. 2011 trat sie nicht mehr an.

Wie wird sich die AfD verhalten? Der stellvertretende Sprecher des MTK-Verbands, Christoph Bäuerle, informiert wie folgt: „Bezüglich eines etwaigen Kommunalwahlantritts der AfD in Eschborn oder Schwalbach kann ich Ihnen noch keine abschließende Antwort geben. In beiden Städten existieren momentan noch keine Ortsverbände, jedoch haben wir dort einige (auch aktive) Mitglieder. Klar ist allerdings, dass die AfD im Main-Taunus-Kreis sich auch kommunalpolitisch engagieren will. Die Entscheidung über einen Wahlantritt wird entscheidend davon abhängen, ob wir uns vor Ort qualitativ (Personen mit Kenntnis der lokalen Gegebenheiten) und quantitativ (Anzahl der aktiven Mitglieder) dazu in der Lage sehen.“

Und die Piraten? MTK-Sprecher Tibor Kysel: „Der Vorstand plant, im Laufe des Jahres zu einer Aufstellungsversammlung einzuladen. Dieser obliegt dann auch die endgültige Entscheidung, ob der Kreisverband an der Kommunalwahl teilnehmen wird oder nicht.

(ask)

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