Die SRHT-Truppe der Feuerwehren aus dem Kreis absolvierte eine Übung auf dem ungewöhnlichen Objekt.
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Die SRHT-Truppe der Feuerwehren aus dem Kreis absolvierte eine Übung auf dem ungewöhnlichen Objekt.

Übung

Stuhl-Besteigung der anderen Art

  • VonStephanie Kreuzer
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Die Höhenrettungstruppe der Feuerwehren nutzt für ihr Training außergewöhnliche Objekte.

Eschborn/Main-Taunus -Einmal auf dem überdimensional großen roten Stuhl, der weithin sichtbar neben dem Möbelhaus in Eschborn steht, in einer Höhe von knapp 13 Metern zu sitzen, haben sich bestimmt schon viele beim Anblick dieses Wahrzeichens gewünscht. Ein paar mutige Herrschaften durften es jetzt machen. Und nicht nur das: In erster Linie ging es ihnen darum, für ihre Mission "Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen" (SRHT) zu üben.

Allesamt gehören sie zur überörtlichen SRHT-Truppe, die sich aus Angehörigen verschiedener Feuerwehren des Main-Taunus-Kreises - Hofheim, Bremthal, Hattersheim, Kriftel, Sulzbach, Schwalbach und Eschborn - zusammensetzt. Aktuell sind 16 ehrenamtliche Kräfte, die von Anfang 20 bis 56 Jahre alt sind, dort aktiv, darunter drei Frauen.

Diese Höhenrettungsgruppe wurde 1997 in Sulzbach gegründet. Sie trainiert zwei- bis dreimal pro Monat an geeigneten Objekten. Das können Feuerwehrgerätehäuser, Aussichtstürme, Hochhäuser, Funkmastanlagen oder Abrissobjekte sein, um beispielsweise die Rettung aus Fenstern zu üben. "Ab und zu nutzen wir auch Schachtanlagen oder Pumpwerke, in denen es sehr beengt zugeht", sagt Marcus Wesner, stellvertretender Leiter und Ausbilder der SRHT-Truppe. "Wenn dort ein Arbeitsunfall passiert, ist das auch ein Fall für uns."

Das Team verfügt über 200 Meter lange Seile, die jeweils mindestens 2200 Kilogramm tragen können, so dass Objekte bis zu 195 Metern Höhe problemlos zu bewerkstelligen sind. "Ansonsten müssen wir die Seile verlängern, und dann geht auch mehr."

Einsätze verliefen bisher unfallfrei

Am roten Stuhl, der 25 Meter hoch ist, wurde nun das Seilaufstiegsverfahren und das Bewegen in einem Seilsystem geübt, also das "Traversieren". Immerhin bewegen sich die Kletterer in einer Höhe von etwa acht Metern über dem Boden. "Wir brauchen immer einen Sturzraum von drei Metern, und die Struktur des Stuhls bietet sich aufgrund ihrer Belastbarkeit dafür an, daher können wir hier sicher üben."

Dass sich all das Training lohnt, zeigt sich schon daran, dass bisher alle Übungen und Einsätze unfallfrei verlaufen sind. Nicht zuletzt der Zusammenhalt im Team ist wichtig, denn Höhenrettung hat viel mit Vertrauen in die Kollegen zu tun, betont Wesner. "Wir arbeiten oft im passiven Verfahren. Also derjenige, der hängt, hat die Hände frei, um sich um eine verletzte Person kümmern und sie gegebenenfalls bergen zu können, aber da ist es wichtig, dass die Absprachen mit den sichernden Kameraden klappen!"

Wer Höhenangst hätte, sei bei ihnen daher nicht gut aufgehoben. Doch einen gesunden Respekt vor der Höhe hätten alle, versichert der Ausbilder. Ein solcher "Höhenretter" hat eine 80-stündige Ausbildung hinter sich und muss mindestens 72 Seilstunden pro Jahr absolvieren, um die Qualifikation zu behalten. Voraussetzung ist ein Truppführer- und ein Atemschutzgeräteträgerlehrgang bei der Feuerwehr, so dass die Grundlagen schon mitgebracht werden.

Gefahren und Risiken erkennen

"Wir machen nur die Fachausbildung in die Höhe und in die Tiefe", erläutert Wesner. Dazu gehört die Material- und Gerätekunde, das Erkennen von Gefahren und Risiken, die Grundtechniken, das Verhalten bei Unfällen sowie Rechtsgrundlagen. "Viele haben auch eine rettungsdienstliche Fachausbildung. Das ist wichtig, damit wir auch in exponierter Lage, beispielsweise auf einem Kran, eine medizinische Versorgung gewährleisten können."

Im Schnitt gebe es im Main-Taunus-Kreis 18 Einsätze pro Jahr, in denen das SRHT-Team die örtliche Feuerwehr unterstützt. 2020 hatten die Höhenexperten allerdings gar drei Einsätze mit Menschenrettung: Eine Person musste nach einem medizinischen Notfall von einem Kran runtergebracht werden, eine andere Person war in einen engen Kellerschacht gestürzt, und einen weiteren Notfall gab es auf einem Hochsitz. Grundsätzlich würden sie aber auch - in Amtshilfe für die Polizei - eine Bergung von Verstorbenen übernehmen, so Wesner. Relativ spektakulär sei der Einsatz beim Brand des Rettershofs 2018 verlaufen. "Dort unterstützten wir die Feuerwehr in Bereichen, die nicht mehr tragfähig waren, und so haben wir auf etwa acht Metern Höhe Brandgut abgetragen, um es an anderer Stelle besser löschen zu können."

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