Macek , Otto
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Macek , Otto

Otto Macek erzählt

Der Verhandlungsführer

  • Andreas Schick
    VonAndreas Schick
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Der Leiter des Eschborner Reviers nimmt seinen Hut. Er geht mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie er sagt, und verrät: Eigentlich sollte die Polizei nur ein Sprungbrett für ihn sein.

Wie oft haben Arbeitskollegen oder Bürger seinen Namen falsch geschrieben oder unkorrekt ausgesprochen? Otto Macek denkt kurz nach, lächelt und sagt: Ja, es sei immer wieder vorgekommen, dass sich plötzlich ein „tz“ oder ein „ck“ in seinem Namen fanden. Zugegeben – der Kreisblatt-Reporter dachte gar, der Name werde „Matschek“ ausgesprochen. Aber das ist völlig verkehrt. Zumindest im beruflichen Umfeld muss der Leiter des Polizeireviers im Eschborner Stadtteil Niederhöchstadt nicht mehr mit solchen Verunstaltungen rechnen: Otto Macek scheidet mit dem heutigen Dienstag aus dem Dienst aus und geht in Ruhestand (wir berichteten). Langjährige Weggefährten werden den 60 Jahre alten Polizisten in einem Münsterer Lokal verabschieden.

Was ist morgen, am Mittwoch, 1. April? Noch einmal schmunzelt der Mann mit dem blütenweißen Hemd und der dunklen Krawatte. Er werde sich von der Feier erholen, antwortet der Vater von drei erwachsenen Kindern spontan. Als das Kreisblatt den gebürtigen Nordhessen besucht, wirkt Macek entspannt. Er plaudert locker und unverkrampft über seine Laufbahn und fürchtet nicht, in ein Loch zu fallen. „Ich weiß mit meiner Zeit etwas anzufangen“, sagt er zuversichtlich und listet auf, was im Ruhestand auf ihn zukommt. Er habe sich einer Radfahrer-Gruppe angeschlossen, wolle mit seiner Frau „ein bisschen reisen“ und in diesem Jahr die Kanalinseln besuchen. Macek, Brille und Oberlippenbärtchen, fügt an: „In Haus und Hof ist einiges angefallen. Da habe ich Minimum ein Jahr zu tun.“ Kurz und gut – langweilig dürfte es dem in Niederhöchstadt lebenden Neu-Ruheständler nicht werden.

Dennoch räumt er ein: „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ In dem etwa 45-minütigen Gespräch mit unserer Zeitung streift der in der Wintersporthochburg Willingen geborene Macek viele seiner Stationen. Er stand Demonstranten gegenüber, war am Hauptbahnhof mal von einem aggressiven Mob umzingelt und erlebte zu Beginn der 80er Jahre die Auseinandersetzungen an der Startbahn West. Macek: „Das war ziemlich haarig. Ich habe lange im schwarzen Fulda gewohnt. Da war die Welt in Ordnung. Dann bin ich nach Frankfurt gekommen. Das war eine andere Welt, wie ein Kulturschock.“ Der Startbahn-Protest eskalierte. Ein ihm gut bekannter Beamter wurde dabei getötet. Solche Ereignisse prägen.

„Es gab Situationen, in denen ich gebangt habe“, sagt Macek und erzählt die Geschichte von der Frankfurter Katharinenkirche: „Sie war eingerüstet. Da war ein Obdachloser, der mal bei der Fremdenlegion war. Er wollte sich oben auf dem Turm mit mir prügeln.“ Macek überzeugte den Mann, nach unten zu steigen. Dort gelang es, den Möchtegern-Raufbold zu überwältigen. Macek kamen und kommen in solchen Situationen seine langjährigen Erfahrungen in der Verhandlungsgruppe zugute. Das ist eine Spezialeinheit mit Beamten, die psychologisch geschult sind. Sie sind dazu ausgebildet, mit Entführern, möglichen Selbstmördern, Geiselnehmern und gewaltbereiten Tätern zu sprechen, aber auch Opfer und Angehörige zu betreuen. Macek sagt: „Das war eine prägende Erfahrung, die ich mit den Alltag genommen habe.“

Er redet viel von Dialog, Kommunikation und Gesprächsbereitschaft. Macek sieht darin den Schlüssel, Straftaten zu verhindern und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Umso bitterer stoßen jemandem wie ihm die Blockupy-Proteste vom 18. März in Frankfurt auf. Er sei das gute Recht von Menschen, zu demonstrieren und auf die Straße zu gehen. An der Meinungsfreiheit gebe es nichts zu deuteln. „Das ist richtig und gewollt“, betont Macek. „Aber irgendwo hört es auf.“ Mit dem gewaltsamen Protest am 18. März sowie den Angriffen auf Einsatz- und Rettungskräfte sei eine Grenze überschritten worden: „Das war extrem.“ Das alles klingt für den Außenstehenden so, als wäre es fürs Seelenleben sehr belastend. Macek, dessen Nachfolger Uwe Rettich wird, bestätigt das. Wenn die Beamten ihre Erlebnisse und Eindrücke nicht untereinander besprechen, bestehe die Gefahr, dass sie die Sorgen „mit nach Hause nehmen“, weiß Macek. Deswegen sei es stets wichtig gewesen, über heikle Einsätze mit den Kollegen zu sprechen.

Macek geht ebenso auf die positiven Seiten seiner Arbeit ein. „Ich habe innerhalb und außerhalb nette Leute kennengelernt“, sagt er und lobt auch die Kameradschaft, die ihm während seiner Polizei-Jahre widerfahren sei. Gerade auf Streife oder bei Einsätzen sei es wichtig, sich aufeinander verlassen zu können. Ein Beamter müsse dem anderen den Rücken freihalten. „Das hat immer geklappt“, freut sich Macek, der die Schlussetappe seiner Laufbahn seit 2013 als Chef von etwa 65 Mitarbeitern in Niederhöchstadt verbrachte.

Das dortige Revier ist für den Osten des MTK zuständig und sieht sich besonderen Anforderungen gegenüber: In Eschborn gibt’s den großen Fastnachtszug, an der Börse im Gewerbegebiet-Süd gehen immer wieder prominente Gäste aus und ein, Ex-Ministerpräsident Roland Koch lebt in Eschborn, und als der 1. FCE noch Regionalliga spielte, mussten die Beamten auch die Fußballspiele an der Heinrich-Graf-Anlage im Auge haben.

„Abstand gewinnen“

Doch nun beginnt ein neues Kapitel in Maceks Leben. Vorbei sind die Zeiten, in denen er „Tag und Nacht auf Abruf stand. Das war heftig für die Familie.“ Macek weiter: „In Zukunft kann ich frei entscheiden, was ich tun kann.“ Ursprünglich hatte der gelernte Buchdrucker vor, die Polizei „nur als Sprungbrett zu nutzen, um danach Design zu studieren. Doch die Arbeit hat mir so gut gefallen, dass ich diesen Schritt ad acta legte.“ Hat Macek das jemals bereut? „Nein.“ Hat er seine Arbeit bei der Polizei immer gerne gemacht? „Ja.“ Wird er sich in seinem Heimatort mit seinem Fachwissen ehrenamtlich einbringen? „Erst einmal brauche ich etwas Zeit für mich und will für ein halbes Jahr Abstand gewinnen.“

(ask)

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