Die Grafik zeigt, wo die künftige Regionaltangente West (RTW) den Main-Taunus-Kreis durchquert. Betroffen sind Eschborn, ein Ministück Schwalbach und Sulzbach. Sie startet im Hochtaunus und in Frankfurt-Praunheim. Die Züge fahren parallel zur A 66 und überqueren bei Sossenheim die Autobahn. Südlichste RTW-Station ist Buchschlag (nicht abgebildet ).

Konflikt löst sich auf

RTW verzichtet auf Klage: An der Düsseldorfer Straße soll eine Spindel für Radfahrer und Rollstuhlfahrer entstehen

  • schließen

Eschborn - Moment mal! Gerät da etwas durcheinander? Jüngst taucht in der Tagespresse mehr und mehr die Abkürzung RTO auf. Aber es heißt doch RTW – für Regionaltangente West! Korrekt. Aber während die RTW-Macher noch mitten in der Planung stecken, erscheint am Horizont bereits die Idee einer Regionaltangente Ost (RTO). Verkehrsplaner wünschen sich einen Schienen-Ring rund um Frankfurt. Eine mögliche RTO könnte eines Tages am Frankfurter WM-Stadion mit der künftigen RTW verknüpft werden. Folglich haben beide Abkürzungen ihre Richtigkeit.

Kreuzung entlasten

Doch die RTW-Planer um ihren Geschäftsführer Horst Amann haben derzeit keinen Kopf für ein Gegenstück auf der östlichen Seite Frankfurts. Sie haben im Westen genug zu tun. Mit Eschborn schaukelte sich im vorigen Jahr ein vielschichtiger Konflikt auf (das Kreisblatt berichtete ausführlich). Er drohte in einen juristischen Streit zu münden, scheint nun aber gelöst. Im Bau- und Umweltausschuss erklärte RTW-Geschäftsführer Horst Amann am Mittwochabend, dass die Planungsgesellschaft nicht gegen den Bebauungsplan 246 der Stadt Eschborn klagen werde.

Stephan Schwammel (Arbeitskreis Inklusion) ist für die Spindel.

Der B-Plan 246 betrifft das Gewerbegebiet Eschborn-Süd. Dort soll eine Abfahrt von der A 66 in die Düsseldorfer Straße entstehen, um die Kreuzung Frankfurter/Sossenheimer Straße zu entlasten. Auf demselben Gelände verläuft auch die künftige RTW-Strecke, die den Hochtaunus unter anderem mit Eschborns Gewerbegebieten, dem Industriepark Höchst und dem Flughafen verbinden soll. Beide Projekte kamen sich ins Gehege.

„Absolut notwendig“

Eschborn berücksichtigte in seinem B-Plan 246 einen Wirtschafts- und Betriebsweg, den die Landesstraßen-Behörde Hessen Mobil vorschreibt. Er wird für Räumfahrzeuge benötigt. Das passte nicht in die RTW-Planung, weil eine dafür nötige Unterführung nicht vorgesehen war. Salopp formuliert lässt sich sagen: Beide Projekte wurden an der Düsseldorfer Straße aneinander vorbei geplant. Die Panne wird nun behoben: Die RTW-Gesellschaft leitet ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren ein. Darin wird der benötigte Betriebsweg für die Autobahnabfahrt festgeschrieben.

Horst Amann ist Chef der RTW-Planungsgesellschaft.

In puncto Barrierefreiheit und Radfahrverkehr deutet sich ebenfalls eine Einigung an. Auch hierbei lagen die Standpunkte von Stadt und RTW auseinander. Breiten Zuspruch fand am Mittwochabend eine Spindel-Lösung. Gemeint ist ein mehrere Meter hohes Bauwerk, in dem sie sich der Weg nach oben schraubt. Es sei „breit genug“, damit Radfahrer eine eigene Spur haben, sagte Horst Amann. Über diese Spindel erreichen Radfahrer, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen den 105 Meter langen RTW-Bahnsteig Richtung Süden barrierefrei. Falls die Spindel, die mehr als eine Million Euro kosten könnte, errichtet wird, würde nur am Bahnsteig Richtung Hochtaunus ein Aufzug entstehen.

„Wir können mit so einer Spindel gut leben“, sagte Thomas Buch, Vize beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Main-Taunus. Allerdings ergebe diese Spindel nur dann Sinn, wenn die Stadt Eschborn in Eigenregie noch eine weitere Brücke plant und baut, heißt es bei der CDU und bei den Grünen. Nur durch eine solche Verlängerung ginge es für Radler weiter Richtung Süden. Zurzeit sei es „eminent gefährlich“, die Sossenheimer Straße zu überqueren, weiß ADFC-Sprecher Thomas Buch, der in Niederhöchstadt lebt und Eschborn gut kennt. Stephan Schwammel, Sprecher des Arbeitskreises Inklusion, sagte, er halte die Spindel „für absolut notwendig“. Mehrere Redner wiesen darauf hin, wie reparaturanfällig Aufzüge seien.

Es gibt Zuschüsse

Die RTW-Planungsgesellschaft stellte in Aussicht, einen Teil der Kosten für die Spindel zu übernehmen, Klaus Dapp vom Hessischen Verkehrsministerium erwähnte die Fördermöglichkeiten, die das Land für solche Projekte biete. Wenn die RTW die Spindel rasch noch in ihre Planungen aufnehmen soll, müsse Eschborn in den „nächsten zwei bis drei Wochen“ grünes Licht geben, betonte RTW-Chef Amann.

Wie geht es nach der Bereinigung des Konfliktes weiter? Die Stadtverordneten sollen am nächsten Donnerstag endlich zustimmen, den RTW-Gesellschaftervertrag zu ändern (19.30 Uhr, Rathaus). Dann können zum einen die Stadt Bad Soden und die Gemeinde Sulzbach als neue Gesellschafter aufgenommen werden. Zum anderen, noch wichtiger, muss die Stadt zusätzliche Mittel fürs RTW-Budget locker machen. Es geht um 1,6641 Millionen Euro für 2019. Alle anderen Gesellschafter stimmten der Vertragsänderung bereits zu.

Großer Flächenverzehr

Das Gesamtbudget der RTW wächst um weitere 30 Millionen Euro auf insgesamt 56,58 Millionen Euro. Dies decke mittelfristig die laufenden Betriebskosten der Gesellschaft sowie die weiteren Planungs- und Gutachterleistungen ab, erläutert Bürgermeister Mathias Geiger (FDP), der gestern zum Kreisblatt sagte, er sei „Verfechter der Spindel-Lösung“. Andernfalls müssten die Radwege durch Tröge geführt werden. Der Rathauschef betonte abermals, dass die RTW für das vom Autoverkehr stark belastete Eschborn „eine gute Sache“ sei. Die Stadt erhält drei Haltepunkte: Helfmann-Park, Eschborn-Süd und Düsseldorfer Straße. Geiger merkte zugleich an, dass der RTW-Bau in Eschborn rund 20 Hektar Fläche verzehre. Kein anderer Ort im nördlichen Teil der RTW müsse so viel Gelände hergeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare