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Gleich hinter der Frankfurter Stadtgrenze liegt das Eschborner Gewerbegebiet Süd, wo die Deutsche Börse ihren Sitz hat.

Bürgermeister-Wahl

Eschborn: Viele Pendler, wenig Wohnungen

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Geldsorgen hat Eschborn keine. Doch die Infrastruktur der Kleinstadt mit den großen Gewerbegebieten lässt zu wünschen übrig.

Weit mehr als 200 Millionen Euro hat Hessens reichste Stadt auf der hohen Kante, Kindergärten sind in Eschborn schon längst kostenfrei und kommunale Steuern und Gebühren konkurrenzlos niedrig. Jahr für Jahr nimmt die Stadt Gewerbesteuer in dreistelliger Millionenhöhe ein. Schulden hat Eschborn keine.

Der finanzielle Wohlstand der Kommune mit 23.000 Einwohnern vor den Toren Frankfurts hat allerdings auch seine Schattenseiten. 35.000 Arbeitsplätze gibt es in der Stadt, mehr als 20.000 Menschen arbeiten alleine im Gewerbegebiet Süd, wo internationale Großkonzerne und die Deutsche Börse ihren Sitz haben und weitere Bürotürme geplant sind. Viele der Pendler kommen mit dem eigenen Auto und sorgen morgens und abends für kilometerlange Staus an den Einfahrtsstraßen. Dazu kommen die vielen, die täglich aus dem Taunus durch Eschborn fahren, um zu den Autobahnen zu gelangen.

Zwei Kreisel, die vor kurzem an der Sossenheimer Straße gebaut wurden, haben an der prekären innerstädtischen Verkehrssituation noch nicht viel geändert. Eine neue Abfahrt von der A66 direkt ins Gewerbegebiet Süd wird gerade gebaut. Sie soll für weitere Entlastung sorgen. Große Hoffnungen setzen Eschborns Politiker auch auf die Regionaltangente West. Drei Haltestellen sind in der Stadt geplant.

In den Wahlprogrammen der drei Bürgermeisterkandidaten spielt das Thema Verkehr deshalb eine gewichtige Rolle. Adnan Shaikh (CDU) würde Pendler gerne künftig mit Shuttlebussen in die Eschborner Gewerbegebiete bringen und dafür einen Parkplatz an der Raststätte Taunusblick an der A5 bauen. Amtsinhaber Mathias Geiger propagiert schon seit Jahren eine Süd-Ost-Verbindung zwischen den großen Gewerbegebieten und hofft auf eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 bis Eschborn. Im Bürgermeisterwahlkampf ist von der klugen Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsmittel die Rede und vom Ausbau der Fahrradwege in und um Eschborn. Auch die heruntergekommen Bahnhöfe in den beiden Stadtteilen, die täglich von Tausenden Pendlern frequentiert werden, sind wieder in den Fokus gerückt. Seit Jahrzehnten ringen Eschborner Bürgermeister mit der Deutschen Bahn um eine Sanierung der S-Bahn-Haltestellen. Bislang ohne Erfolg.

Wie überall in der Region, gibt es auch in der Stadt am Westerbach zu wenige Wohnungen. Vor allem solche, die sich auch Durchschnittsverdiener leisten können, sind Mangelware. Dass kurz vor der Bürgermeisterwahl noch Spatenstich war für ein Bauprojekt der städtischen Wohnbaugesellschaft (GEW) mit sieben neuen Wohnungen in der Königsteiner Straße, kann allenfalls Symbolcharakter haben und ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Große Neubaugebiete auf Eschborner Gemarkung sind erst mal nicht in Sicht.

Der Bürgermeisterkandidat der Linken, Fritz-Walter Hornung, sieht deshalb die von Frankfurt vor den Toren Eschborns beidseits der Autobahn A5 geplante „Josefstadt“ als Chance, die lokale Wohnungsnot zu lindern. Mit „kritischem Wohlwollen“ solle das Projekt begleitet werden, findet er. Es sei sinnvoller, auf ein ökologisch verträgliches Konzept hinzuwirken, anstatt das Neubaugebiet pauschal abzulehnen.

Wahl in Eschborn: CDU-Mann Shaikh siegt über Geiger

Hornung steht mit dieser Meinung im Bürgermeisterwahlkampf alleine da. FDP-Mann Mathias Geiger hat schon früh gegen die Josefstadt westlich der A5 protestiert, sieht darin gar einen ersten Schritt zur Eingemeindung Eschborns. Das Stadtparlament hat mittlerweile eine Resolution gegen die Bebauung westlich der Autobahn verabschiedet. CDU-Kandidat Adnan Shaikh warnt vor der Zerstörung wertvollen Ackerlandes und will das Naherholungsgebiet für die Eschborner erhalten. Auch er will die Josefstadt West verhindern.

Wer auch immer in den nächsten sechs Jahren Bürgermeister in Hessens reichster Stadt sein wird: Große Räder müssen in Eschborn auf jeden Fall gedreht werden. Der Neubau der Stadthalle und die Sanierung des in die Jahre gekommenen Rathauses stehen auf der Agenda. Die Planungen für eine zweite Schwimmhalle am Wiesenbad sind weit fortgeschritten. Und nach jahrelangem politischen Tauziehen wird wohl auch Eschborns ältestes Fachwerkensemble, die Alte Mühle, endlich saniert und um einen modernen Anbau ergänzt.

Dass die Stadt sich all diese Großprojekte nicht leisten wird können, darum muss sich der neue Rathauschef keine Sorgen machen. Auch in Zukunft werden die Einnahmen in Eschborn sprudeln. Alleine 170 Millionen Euro an Gewerbesteuerzahlungen sind im Haushaltsplan für 2020 auf der Habenseite verbucht.

Von Andrea Rost

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