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Bach mit Fenster: Solche Glasflächen in Betoneinhausungen bringen Licht in den Westerbach an Eschborns Unterortstraße.

Debatte über Betonkästen

„Vorstadtsärge“ in Eschborn ärgern Bürger

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Warum gibt es in Eschborns Unterortstraße Sichtfenster für den in den Boden verbannten Westerbach? Dafür gibt es eine europäische Richtlinie. Die aber gefällt nicht allen.

Wichtig war verschiedenen Diskussionsteilnehmern im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung, dass es keine falschen Vorstellungen über die Betonkästen in der Unterortstraße gibt. Sie seien nicht dafür gedacht, von dort hinab in den Westerbach zu schauen, hieß es. Und sie wurden auch nicht dafür fagebaut, dass die Fische drunten im Bach, sofern es welche gibt, von dort den Himmel sehen könnten.

Im Ernst: Mit den nach oben offenen Kästen wurde eine Auflage erfüllt, die sich aus den europäischen Richtlinien für Wasserläufe ergibt. Bäche über weite Strecken durch Tunnel fließen zu lassen – das geht nämlich nicht. Eine komplette Öffnung des Bachbettes wurde in Eschborn mit der Begründung abgelehnt, es gebe keinen Platz dafür. Die Betonkästen waren ein Kompromiss. Noch nicht einmal seit zwei Jahren ist die Unterortstraße nun fertig und keinem gefalle die Betonkästen. Von „Vorstadtsärgen“ spricht Bürgermeister Mathias Geiger. „Einen Schönheitspreis kriegen wir dafür nicht“, ironisiert Linken-Fraktionschef Thomas Matthes. „Viele finden sie nicht schön“, so der Eindruck seines SPD-Amtskollegen Bernhard Veeck. Und Dietmar Jerger (Die Bürgerlichen) ließ wissen, er hätte dort von Anfang an Parkplätze angelegt.

Dass dies nicht gegangen wäre, ergibt sich aus den erwähnten Richtlinien. Eine Zustimmung für ebenerdige Fenster, mit Glasplatten abgedeckt, werde die Stadt nicht bekommen, ist Bürgermeister Geiger überzeugt. Die SPD hatte dies beantragt, bekam dafür aber keine Mehrheit. Einen solchen Aufwand wollten die anderen Parteien nach so kurzer Zeit nicht treiben. CDU-Mann Christian Oberlis sprach von einer gewissen Akzeptanz, die die Kästen inzwischen hätten. Dorothea Nassabi wiederum wies darauf hin, dass die Kästen inzwischen gerne als Sitzgelegenheit genutzt werden. Beschlossen wurde daher einstimmig, dass der Magistrat prüfen soll, wie die Kästen anders gestaltet werden können. Ob es eine Verkleidung geben kann, ob sie einfach nur angestrichen werden, dazu wollte der Ausschuss keine Vorgaben machen. Der Magistrat hat also Spielraum und muss auch nicht von vorne anfangen. „Wir machen uns schon länger Gedanken“, so Geiger. Nicht bekannt wurde, ob es schon Strafzettel gab, weil Passanten zweckbestimmungswidrig einen Blick in die Tiefe geworfen haben . . .

(bt)

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