Senioren ziehen Wegzug in Erwägung

Wegziehen? Warum nicht?

  • vonDavid Schahinian
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Der Bürger, das unbekannte Wesen? Zumindest für die Generation „55+“ gilt das in Eschborn und Niederhöchstadt nicht mehr. Im Rathaus wurden die Ergebnisse einer breit angelegten Umfrage zum Wohnen und Leben im Alter präsentiert. Manche Antworten stimmen nachdenklich, interessante Anregungen kamen auf den Tisch. Ein Überblick.

Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) hatte eingangs nicht zu viel versprochen, als er von einer „guten Grundlage für eine weitere Diskussion“ sprach. Zum einen sind die Ergebnisse der Befragung „Wohnen und Leben im Alter 55+ in Eschborn“, die im Sitzungssaal des Rathauses präsentiert wurden, aussagekräftig: An 6664 der insgesamt 6757 Bürger dieser Altersgruppe konnte der Bogen mit 27 Fragen zugestellt werden, die Rücklaufquote war im Vergleich zu ähnlichen Befragungen mit rund 37 Prozent hoch. Zum anderen ist das 219 Seiten starke Papier mit den Ergebnissen gut gefüllt mit Anregungen und Wünschen.

Eine weitere Besonderheit ist nach Angaben von Klaus Kortmann (Marktforschungsinstitut LQM aus Mainz), dass die Fragestellungen teilweise sehr konkret waren, etwa bei den Standorten bestehender oder geplanter Altenpflegeeinrichtungen. Das lag vor allem am ehrenamtlich arbeitenden Eschborner Bürgerforum, das die Befragung initiiert, mit dem Meinungsforschungsinstitut eOpinio entwickelt und mit LQM abgestimmt hatte. Die Stadt übernahm Druck und Versand der Unterlagen.

Informationsdefizite?

Kortmann stellte in seinem Vortrag zahlreiche Details der Studie vor. So können sich 66 Prozent der Befragten bei Bedarf einen Umzug in eine andere Wohnform vorstellen. Bemerkenswert ist, dass für 38 Prozent auch ein Wegzug aus der Stadt in Betracht kommt. In Eschborn sind es 32, in Niederhöchstadt 48 Prozent. Die Quote sei relativ hoch, so Kortmann: „Die Frage ist, womit das zusammenhängt.“ Dies zu eruieren und verantwortliche Faktoren zu minimieren käme sowohl den Senioren als auch der Stadt insgesamt zugute. Dass sich 95 Prozent einen Balkon oder eine Terrasse wünschen, dies also „ein ganz wichtiger Aspekt der Wohnqualität im Alter“ sei, war nicht unbedingt vorherzusehen.

Aufschlussreich waren auch die Äußerungen zu idealen Standorten für seniorengerechtes Wohnen. Die Eschborner bevorzugten vor allem den alten Ortskern ihres Stadtteils, zwei Drittel äußerten sich überhaupt nicht zu sämtlichen abgefragten Niederhöchstädter Standorten. Dort sah das Ergebnis ähnlich aus – unter umgekehrten Vorzeichen. Grundsätzlich werden Senioreneinrichtungen im eigenen Stadtteil klar bevorzugt. Die größte Zustimmung in Eschborn gab es für eine Unterkunft am alten Feuerwehr-Standort in der Unterortstraße; dieses Gelände wird frei, wenn in einigen Jahren die Feuerwehr und der ASB ins geplante Notfallzentrum an der Oberurseler Straße ziehen. In Niederhöchstadt lag die Seniorenimmobilie Gartenstraße mit großem Vorsprung vor allen Eschborner Standorten an der Spitze. Einen klaren Arbeitsauftrag hat die Stadt mit der Abfrage der Nutzung ihrer Angebote für Senioren erhalten. In der Studie ist die Rede von einem „nicht unerheblichen Informationsdefizit“. So haben bisher nur 4 Prozent der Älteren die Wohnberatung der Stadt genutzt, 83 Prozent kannten sie nicht. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Seniorenberatung, die nur 7 Prozent schon einmal genutzt haben. Kortmann verwies darauf, dass das Wissen um weitere, nicht abgefragte Leistungen von dritter Seite ebenfalls mangelhaft sein könnte: „Dies nur als Holschuld der Senioren zu betrachten könnte zu kurz gesprungen sein.“

Mehr Sitzbänke

Dass das Bürgerforum mit der Umfrage ein Thema aufgegriffen hat, das vielen auf den Nägeln brennt, zeigte auch die letzte, eine offene Frage: Mehr als 300 Teilnehmer machten sich die Mühe, eigene, teils sehr präzise Vorschläge und Anregungen für die beiden Stadtteile zu formulieren. Kortmann nannte dies „hochspannend“ und empfahl den Lokalpolitikern, sich eingehend mit ihnen auseinanderzusetzen. Angemahnt wurde unter anderem ein behinderten- und seniorengerechter Umbau des Eschborner Bahnhofs, viele wünschten sich den baldigen Bau einer Seniorenwohnanlage in Eschborn („ehe es für mich zu spät ist“), oder, in beiden Stadtteilen, mehr Sitzbänke.

Wie es denn mit den Standorten an der Rapp-Kreuzung und der Feuerwehr aussehe, wollte ein Zuhörer nach der Präsentation wissen. In ersterem Fall liefen die Vorbereitungen bei der Stadt, der Bebauungsplan sei ins parlamentarische Verfahren gegeben worden. Wenn der beschlossen sei, würde dort eine Seniorenwohnanlage entstehen. Auf dem Gelände, auf dem jetzt noch die Feuerwehr stationiert ist, könnten „eventuell Anfang 2017 die Bagger rollen“. Er könne sich auch dort Wohnungen für Senioren vorstellen, so Geiger. Angesichts der demografischen Entwicklung würden in Zukunft wahrscheinlich ohnehin weitere Standorte nötig.

(dsc)

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