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Der 40 Meter hohe Burgturm ragt über Kronbergs Altstadt empor. Er ist zurzeit geschlossen.

Politik in Eschborn

Wie Eschborn mit Kronberg verbandelt ist

Burgverein erhält 5000 Euro. Dafür gibt es auch Gegenleistungen.

Eschborn -Ein Tickchen mehr Mühe hätte sich die Stadt Kronberg bei der Darstellung ihrer Geschichte schon geben können, zumindest aus Eschborner Sicht. Auf ihrer Internetseite fehlt der Hinweis, dass die Kronberger Ritter im 12. Jahrhundert von Eschborn nach Kronberg umsiedelten - eine Tatsache, der Kronberg bis heute die Existenz einer Burg verdankt, während Eschborn keine mehr hat. Aber nachtragend sind die Eschborner nicht, zumindest nicht in diesem Punkt. Im Gegenteil: Sie sind hilfsbereit.

Die Stadtverordneten haben beschlossen, den Kronberger Burgverein einmalig mit 5000 Euro zu fördern. Sie folgten einem Vorschlag der SPD-Fraktion. Äußerer Anlass ist die 1250-Jahr-Feier der vermögenden Stadt Eschborn. Das sollte in diesem Jahr groß gefeiert werden. Die Veranstaltungen wurden aber wegen der Corona-Krise auf 2021 verschoben. Sofern die Pandemie-Lage es zulässt, will die Stadt die Festlichkeiten im neuen Jahr nachholen ("1250 + 1 Jahre Eschborn"). Die Mehrheit der Stadtverordneten plädierte dafür, die Auszahlung an den Kronberger Burgverein nicht zu verschieben.

Das Ganze hatte offensichtlich eine Vorgeschichte. Schon vor längerer Zeit hätte es einen Brief des Kronberger Burgvereins gegeben, offensichtlich auf einen Zuruf aus Eschborn hin. Das sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Depping. Er räumte ein, dass der Kronberger Burgverein auch Gegenleistungen angeboten habe, etwa besondere Führungen für Eschborner. Auf derartige Gegenleistungen hatte die Stadt auch in der Vergangenheit Wert gelegt, etwa bei den Zuschüssen an Frankfurter Kultureinrichtungen. Aber den Christdemokraten reicht das nicht aus. Sie lehnten es ab, 5000 Euro herzugeben. "Nicht alles ist gut gemacht, was gut gemeint ist", sagte Sebastian Brekner (CDU). Die Stadt gebe öffentliche Mittel aus, da müsse schon klarer sein, für welche Zwecke das Geld bestimmt sei. "Das ist keine Art und Weise, mit öffentlichen Mitteln umzugehen." Die SPD entgegnete, Brekner hätte ja fragen können, was der Kronberger Burgverein vorhabe.

Der älteste Teil stammt aus dem Jahr 1220

Der FDP reichten die Informationen aus. "Der Verein kümmert sich um etwas, das für Eschborn wichtig ist", sagte ihr Stadtverordneter Christoph Ackermann. Der Zuschuss tue der Stadt nicht weh, es werde niemandem etwas weggenommen. Es gebe viele Verbindungen nach Kronberg; als Beispiel nannte der stellvertretende FDP-Fraktionschef die Hartmutschule. Der Name der Grundschule bezieht sich auf Hartmut XII, einen Kronberger Ritter der Reformationszeit, der in der damals noch vorhandenen Eschborner Turmburg wohnte. Der Burgverein in Kronberg weist darauf hin, dass zum Erhalt des Bauwerkes erhebliche Mittel notwendig sind.

Die "Burg Cronberg" schreibt sich von historischer Warte aus mit C. Sie wurde in ihrem ältesten Teil um 1220 als Reichsburg gebaut. Sie war Sitz der Herren, später Reichsfreiherren und Reichsgrafen von "Cronberg", eines Stammes, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts erloschen ist. Die Burg gab der Stadt ihren Namen. bt/ask

Rundgänge in Corona-Zeiten

Die Kronberger Burg bleibt auch im November geöffnet (samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr). Führungen sind jeweils um 13 und 14 Uhr. Wegen der Pandemie können jedoch nur maximal 5 Personen mit Mund-Nasen-Schutz daran teilnehmen. Bei Schnee bleibt die Burg geschlossen! Unter www.burgkronberg.de steht Näheres.

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