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Christiane Otter hilft Neubürgern

Sie will Brücken bauen

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Die Rathaus-Mitarbeiterin ist seit etwa zwei Monaten für die Koordination der Flüchtlingshilfe und die interkulturelle Integration in Eschborn verantwortlich. Sie geht die Aufgabe offen und souverän an.

Gut, dass Resilienz für Christiane Otter (53) kein Fremdwort ist. Sie ist geschult in dem, was sich mit psychischer Widerstandsfähigkeit nur ungenau beschreiben lässt, und sie ist auch nicht davon aus der Ruhe zu bringen, dass ihr Telefon im Rathaus alle fünf Minuten klingelt. Seit Mitte Februar ist die gelernte Diplom-Sozialpädagogin und Heilpädagogin für Psychotherapie in Eschborn als Koordinatorin für interkulturelle Integration und Flüchtlinge tätig.

Otter kennt sich aus in der Welt – das ist einer der Gründe, die sie für das Amt besonders qualifizieren. Sie lebte unter anderem in Bolivien und auf den Kanaren. Viele Jahre arbeitete sie in der Tourismusbranche, etwa auch beim Deutschen Reiseverband. Für ihre neue Stelle siedelte sie aus Berlin in die Rhein-Main-Region um, wo sie früher schon einmal heimisch war.

Sie ist Ansprechpartnerin für alle Belange der interkulturellen Integration, muss ein offenes Ohr für ihren Arbeitgeber, die Flüchtlinge, die Ehrenamtler, Organisationen, Vereine und den Kreis haben. Sie hebt ihre Brückenfunktion besonders hervor – zum einen zwischen der Stadt und dem Kreis, zum anderen zwischen der Stadt und den rund 100 Helfern, die sich derzeit ehrenamtlich in der Eschborner Flüchtlingshilfe engagieren. Zu ihren Aufgaben zählt es, zusammengefasst, zu vernetzen, zu koordinieren sowie Konzepte und Strukturen zu entwickeln.

Konkret steht unter anderem Ende des Monats eine anderthalbtägige Deutsch-Unterricht-Schulung für 20 Ehrenamtliche in Kooperation mit der Volkshochschule auf dem Programm. Die wenigsten Helfer sind pädagogisch geschult, sie kennen Deutschunterricht nur aus ihrer eigenen Schulzeit. Bei den Lernenden handelt es sich aber oftmals nicht um Kinder, sondern um Erwachsene. Otter: „In Europa haben wir gelernt zu lernen.“ In anderen Kulturkreisen gehe man mitunter ganz anders an den Wissenserwerb heran. „Es ist wichtig, die Methodik zu verändern.“

Des Weiteren sind Bewerbungs-Workshops für Flüchtlinge mit der Firma Accenture geplant, der erste fand am Samstag statt. In Arbeit ist eine Jobmesse inklusive Dolmetschern Ende August, bei der sich überwiegend Eschborner Firmen präsentieren sollen. Die Flüchtlingsthematik stehe zwar im Vordergrund, doch solle die Messe „grundsätzlich für jedermann“ offen sein. Otter hält auch Info-Veranstaltungen über die Chancen einer Patenschaft und Möglichkeiten der psychischen Stärkung der Ehrenamtlichen für wichtig. Als Beispiel nennt sie die Empathie – unerlässlich, aber: „Sie muss dort enden, wo die eigene Verletzlichkeit anfängt – das kann man durch Techniken erlernen.“ Kommunikation ist essenziell wichtig, sie wolle Angebote zum Austausch machen.

„Die Aufgabe ist für alle neu“, fasst die geborene Freiburgerin zusammen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgern, der direkte Kontakt mit Menschen, das seien Faktoren, die sie an ihrer Arbeit besonders reize. Bei den Kommunikationsstrukturen, der Netzwerkbildung und der Information der Ehrenamtlichen sieht sie noch Verbesserungsmöglichkeiten. Otter: „Diese Dinge sind aber auf einem guten Weg. Sie müssen sich entwickeln und können nicht von einem Tag auf den anderen aus dem Boden gestampft werden.“

Den größeren Teil ihrer Arbeit mache derzeit noch aus, auf aktuelle Fragen und Hinweise zu reagieren. Sie denkt jedoch schon weiter, auch wenn ihre Stelle zunächst auf zwei Jahre befristet ist. Integration sei ein langfristiger Prozess, der „bis zu einer Generation“ dauern könne. Zudem dürften die Ausländer, die schon seit vielen Jahren in Eschborn leben, nicht vergessen werden. Erste Gespräche mit Nandini Narayan, Vorsitzende des Ausländerbeirats, hat Otter schon geführt.

Da in den nächsten Wochen weitere Flüchtlinge nach Eschborn kommen werden (siehe „Info“ rechts), sucht die Stadt weitere Paten. Über Aufgaben und Voraussetzungen informiert die Internetseite . Christiane Otter ist per E-Mail unter fluechtlinge@eschborn.de oder per Telefon unter (0 61 96) 4 90-5 87 erreichbar.

(dsc)

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