Für die RTW wird viel Ackerland gebraucht

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Die Regionaltangente West (RTW) beeinträchtigt die Landwirtschaft nicht in ihrer Existenz – auch dann nicht, wenn durch den geplanten Bau Flächen wegfallen. Dies ist zumindest das Ergebnis der Betroffenheitsanalyse bei Landwirten in Sulzbach, Eschborn und Frankfurt. Die Landwirte fordern allerdings eine Minimierung der betroffenen Flächen.

Die landwirtschaftliche Betroffenheitsstudie wurde von einem Ingenieurbüro im Auftrag der RTW Planungsgesellschaft in Abstimmung mit dem Hessischen Bauernverband und der Landwirtschaftsbehörde durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Sulzbacher Rathaus vorgestellt. Der Untersuchung sind eine Auftaktveranstaltung und persönliche Gespräche mit den betroffenen Landwirten vorausgegangen.

Von den 21 potenziell betroffenen Betrieben, so heißt es in der Analyse, haben drei Betriebsleiter die Teilnahme verweigert, so dass mit 18 Landwirten Gespräche geführt werden konnten. Zehn betroffene Betriebe liegen im Bereich der Stadt Eschborn, fünf Betriebe in Sulzbach und drei im Stadtgebiet von Frankfurt, die auf den betroffenen Flächen überwiegend Zuckerrüben und Getreide anbauen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Analyse:

Für die geplante Trasse der RTW werden im Untersuchungsraum etwa 9,4 Hektar, das entspricht 0,6 Prozent der derzeit bewirtschafteten Fläche, benötigt. Durch Restflächen ergeben sich zunächst zusätzliche Flächenverluste von 6 Hektar, die aber durch Flächentausch zwischen den Bewirtschaftern reduziert werden können.

Für die betroffenen Betriebe ist der jeweilige Flächenverlust nicht existenzgefährdend. Sicherheitshalber soll für einen mit 7,5 Prozent stärker betroffenen Betrieb von einem weiteren Sachverständigen ein detailliertes Fachgutachten erstellt werden.

Die Wegeverhältnisse werden von der geplanten Schienenstrecke kaum beeinträchtigt, da unvermeidbare Änderungen am Wegenetz ausgeglichen werden. Lediglich der Weg „In der Wolfslach“ in Eschborn sowie ein Weg am Eschborner Dreieck sind aus Sicht des Gutachters zu optimieren. Für den Flächenverbrauch insgesamt sind ökologische Ausgleichsflächen erforderlich, deren Planung mit den Landwirten abgestimmt werden soll. Karlheinz Gritsch, Kreislandwirt und Ortslandwirt von Eschborn, stellt grundsätzlich fest: „Der Flächenverbrauch von gutem Ackerboden ist für unsere Landwirte enorm.“ Gritsch begrüßt aber genau wie sein Sulzbacher Kollege, Ortslandwirt Jürgen Schaar, dass die betroffenen Landwirte sehr früh in die Planungen eingebunden wurden: „Das ist erst das zweite Mal in der Geschichte Hessens, dass die Betroffenen in einer solch frühen Phase angehört wurden.“

Karlheinz Gritsch, der auch Kreislandwirt ist, weist auf die Besonderheit Eschborns hin: „Da wird die Trasse der Regionaltangente den Südbahnhof und die Sossenheimer Straße überqueren. Man muss sich ein solches Bauwerk mal vor Augen halten.“ Gritsch macht auch klar, dass die Eschborner Landwirte künftig nicht nur vom Bau der Regionaltangente betroffen sind, sondern auch von weiteren Projekten mit Straßenbauarbeiten, die eine bessere Verkehrsanbindung an die Autobahn gewährleisten sollen.

„Man muss das nüchtern sehen“, sagt Gritsch und prognostiziert, dass möglicherweise 20 bis 25 Hektar wertvolle Ackerfläche der Landwirte wegfällt. Das wären bis zu fünf Prozent der insgesamt 500 Hektar großen landwirtschaftlichen Fläche von Eschborn und Niederhöchstadt.

Gritsch: „Wir stehen noch am Anfang. Jetzt ist die Betroffenheit der einzelnen Betriebe festgestellt, und es geht an die Planfeststellung.“ Der Kreis- und Ortslandwirt kündigt an, „dass wir uns weiter einbringen und versuchen, eine Minimierung der wegfallenden Flächen zu erreichen“.

Für die Sulzbacher Landwirte stellt sich die Lage wesentlich entspannter dar, weil Bürgermeisterin Renate Wolf und ihre Bauexperten in Verhandlungen erreicht haben, dass die Bahntrasse nicht – wie ursprünglich vorgesehen – 100 Meter, sondern nur circa 25 Meter parallel zur Autobahn A 66 verläuft.

Ortslandwirt Jürgen Schaar wertet die Ankündigungen, dass ein Flächenausgleich vorgenommen wird, allerdings skeptisch: „Grund und Boden ist nicht vermehrbar.“ Wie Jürgen Schaar mitteilte, sind sechs Sulzbacher Betriebe vom Bau der Regionaltangente betroffen. Bei der Veröffentlichung der Analyse wurden übrigens alle Betroffenen anonym behandelt.

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